Leben
«Zwei sexistische Sprüche in fünf Minuten»
Von Chantal Hebeisen. Aktualisiert am 04.08.2012 204 Kommentare
Von sexueller Belästigung bis zu Beschimpfungen: Der Trailer zum Film «Femme de la Rue».
Die 25-jährige Sophie Peeters stammt aus der 90'000-Einwohner-Stadt Leuven. Sie hat einen Master in Kommunikation und hat diesen Sommer mit dem Filmprojekt «Femme de la Rue» ihr Filmstudium abgeschlossen.
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Interview mit Sophie Peeters
TV-Beitrag des belgischen Senders La une. (Youtube)
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«Wir könnten zusammen etwas trinken gehen, oder?», sagt ein Mann, der sich einer vorbeigehenden jungen Frau genähert hat. «Nein danke», entgegnet diese. Doch diese Abfuhr scheint nicht zu wirken: «Natürlich bei mir zu Hause, nicht in einem Café», lässt er nicht locker. «Im Hotel, im Bett, du kennst das sicherlich… direkt…», bedrängt er sie weiter, während sie entschlossen weitergeht. «Verstehen Sie mich eigentlich nicht? Ich will nicht!», weist sie ihn bestimmt zurecht. Doch er entgegnet ihr: «Das ist doch normal, du machst mich an.»
Was klingt wie der Einstieg zu einem billigen Porno, ist in Wahrheit ein Ausschnitt des Dokumentarfilms «Femme de la Rue» von Sophie Peeters. Der Film dokumentiert den Chauvinismus im Alltag und die damit einhergehende Freiheitseinschränkung für Frauen. Die 25-jährige Belgierin zog für ihr Filmstudium von der flämischen Stadt Leuven nach Brüssel. Dort, im Anneessens-Quartier, war sie mit einem Phänomen konfrontiert, das sie aus ihrer 90'000 Einwohner zählenden Heimatstadt nicht kannte: Sexismus auf den Strassen. Die Bevölkerung im Quartier ist gemäss Peeters mehrheitlich arbeitslos und arm und werde von vielen Ausländern nordafrikanischer Herkunft bewohnt.
«Bin ich schuld?»
Es beginnt relativ harmlos. «Die Männer starren mich wie eine Ausserirdische an, wenn ich an einem Strassencafé vorbeigehe», berichtet Peeters in einem Interview, das ihre Filmcrew den Medien zur Verfügung stellt. Sie selbst wolle sich zu dem Thema nicht mehr äussern, schreiben die Verantwortlichen. Oft würden die Männer sie aber mit plumpen Sprüchen wie «Hallo Süsse, willst du mit mir mitkommen» belästigen. «Da komme ich mir vor wie ein billiges Flittchen, da fühle ich mich nicht wohl dabei», sagt die 25-Jährige. Versuche sie, die Männer abzuwehren, würden diese oft aggressiv, berichtet Peeters. «Sie beginnen dann, dich mit ‹Hure›, ‹Schlampe› oder Ähnlichem zu beschimpfen», erzählt sie.
Fragen wie «Bin ich schuld? Trete ich zu provokativ auf?» begannen sie zu beschäftigen. «Die Männer auf der Strasse sagten zu mir, ‹wenn du mit deinem Freund hierher kommst, dann lassen wir dich in Ruhe›», sagt sie im einzigen Interview, das sie dem belgischen TV-Sender La une gegeben hat. «Ich habe nichts gegen einen Flirt oder ein Gespräch mit einem Fremden, aber es soll in einer respektvollen, nicht einschüchternden Art und Weise geschehen», erklärt die junge Studentin. Also habe sie beschlossen, ihre Abschlussarbeit diesem Thema zu widmen.
Die Politik soll handeln
Sehr rasch habe sie während ihrer Recherchearbeiten festgestellt, dass die sexuellen Aggressionen auf der Strasse ein grosses Tabuthema in Belgien sind. Viele junge Frauen hätten zu ihr gesagt, dass dies normal und okay sei. «Erst als ich nachgehakt habe, erzählten mir die Frauen von ihren Erlebnissen», sagt Peeters. Doch als sie die Frauen dazu bewegen wollte, vor der Kamera auszusagen, hätten viele abgelehnt. «Zu gross war die Angst, als schwach oder übersensibel zu wirken», erklärt die Belgierin.
Also habe sie beschlossen, mit einer versteckten Kamera die Belästigungen gegenüber ihr selbst zu filmen. Was bei dem Filmprojekt herausgekommen ist, ist starker Tobak und hat in Belgien, aber auch im übrigen Europa für Diskussionen gesorgt. «Ich wollte mit dem Film zeigen, dass die Belästigungen ein wirkliches Problem sind und dass hier etwas geschehen muss», sagt Peeters.
Peeters fordert Prävention
Die Behörden in Belgien haben das Problem der sexuellen Belästigung offenbar ebenfalls erkannt: Ab September dieses Jahres können sexistische Äusserungen mit 250 Euro Busse bestraft werden. «Das ist ein symbolisch wichtiges Zeichen, aber es genügt nicht», ist Sophie Peeters überzeugt. Man müsse vor allem auch auf Prävention bei den ausländischen Bürgern setzen. Denn: «Neun von zehn Männern, die mich belästigen, sind ausländischer Herkunft», sagt die 25-Jährige. Doch sie betont auch, dass sie nicht alle Ausländer in einen Topf werfen wolle. «Dies ist ein sehr sensibles Thema und ich selbst habe Freunde, die aus anderen Ländern stammen», erklärt sie. Nicht alle Ausländer seien so. Sie könne auf der Strasse innert fünf Minuten an 20 ausländischen Männern vorbeigehen und nur einer oder zwei machten sexistische Bemerkungen. «Aber zwei sexistische Sprüche innert fünf Minuten sind zu viel», findet sie. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.08.2012, 15:34 Uhr
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204 Kommentare
Kein Wunder. Brüssel hat mittweile einen Anteil von 40% Muslimen. Die NZZ berichtete gestern über Sittenwächter in Brüssel, welche dafür sorgen dass in gewissen Quartieren kein Alkohol verkauft wird und dass sich Frauen Islamkonform verschleiern. (Artikel Radikaler Islam in Belgien - Wo der Sittenwächter Alkohol verbietet). Solche Zustände wird es im Europa je länger je mehr geben. Antworten
Anzügliche Schnalzgeräusche, angefasst werden, nach Hause verfolgt werden, das ist mir alles schon in Zürich passiert, obwohl ich mich bewusst sehr unauffällig kleide. Sie wollen immer "your friend" sein und wenn man sie abweist werden sie richtig unangenehm. "Sie" sind fast immer aus Afrika, da hilft keine politische Korrektheit drüber hinweg. Nachts alleine im Zug reisen? Nicht mehr möglich... Antworten
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