Leben

«Zucken in den Eierstöcken», «schmerzende Brüste»

Von Nathalie Sassine (Clack). Aktualisiert am 27.04.2012

Ist der Begriff von der «tickenden biologischen Uhr» bei Frauen mehr als bloss ein Klischee? Welche Gründe hat ein drängender Kinderwunsch?

Weibliche Torschlussangst in Sachen Nachwuchs meistens Ende zwanzig: Frau beim Schwangerschaftsturnen.

Weibliche Torschlussangst in Sachen Nachwuchs meistens Ende zwanzig: Frau beim Schwangerschaftsturnen.
Bild: Reuters

Babywunsch wissenschaftlich untersucht: Forscherin Anna Rotkirch.

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Es kommt plötzlich, ohne Vorwarnung: Dieses Gefühl, jedem Baby nachschauen zu wollen, nur noch schwangere Frauen zu sehen und zu denken, dass ein Mann mit Tragetuch wahnsinnig sexy ist.

Man hört sie nicht, spüren kann man sie auch nicht, doch offenbar tickt sie, die biologische Uhr, die Frauen angeblich innehaben und deren Alarm sie irgendwann aus dem kinderlosen Schlaf zu holen droht. Für viele fühlt es sich deshalb auch mehr wie eine biologische Bombe an als eine harmlose Uhr. Die 28-jährige Journalistin Tracy Clark-Flory etwa beschrieb unlängst ihren Babywunsch auf Salon.com folgendermassen: als «ein Zucken in den Eierstöcken, ein Jucken in den Armen, die etwas wiegen möchten». (Lesen Sie auch: «Sex aus Verzweiflung»)

Auch Männer spüren es

Tracy Clark-Flory ist offenbar ein typischer Fall. In einer neuen Studie fand Anna Rotkirch, Direktorin des Population Research Institute in Finnland, heraus, dass sich der drängende Kinderwunsch bei Frauen Ende zwanzig am häufigsten manifestiert. Die Studienteilnehmer beschrieben ihren Babywunsch als «schmerzhafte Sehnsucht in meinem ganzen Dasein», auch von «leeren Armen» und «schmerzenden Brüsten» ist die Rede. Interessant dabei ist, dass die Torschlussangst in Sachen Nachwuchs nicht ausschliesslich ein weibliches Phänomen ist: Nebst 78 Prozent der Teilnehmerinnen gaben 58 Prozent der Männer an, sie fühlten den «starken Wunsch nach einem eigenen Kind». (Lesen Sie auch: «Wieso Sex? Wir wollen Kinder!»)

Die Frau im Default-Modus

Woher dieses Verlangen kommt, ist derweil noch nicht geklärt. Rotkirch bestätigt eher einen hormonellen Zusammenhang, als dass sie das soziale Umfeld dafür verantwortlich machen will. Es gehe mit höchster Wahrscheinlichkeit darum, dass die Frau evolutionsbiologisch einen sogenannten Default-Modus innehat, der ihrem Körper vorschreibt, spätestens kurz vor ihrem dreissigsten Geburtstag schwanger zu werden und ihre biologische Rolle als Mutter wahrzunehmen. Ende zwanzig nimmt die weibliche Fertilität ab, weshalb der Körper diese Signale aussende.

Der Babywunsch ist aber nicht nur ein Nebenprodukt hormonaler Veränderungen. Forscherin Rotkirch führt aus, dass auch biografische Erfahrungen, wie das Zusammenziehen mit dem Partner oder Phasen grosser Verliebtheit, bei einer Frau einen starken Kinderwunsch auslösen können. Und eine schwedische Studie zeigte bereits 2010, dass Frauen oft schwanger werden, nachdem Arbeitskolleginnen oder Freundinnen niedergekommen sind.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann lesen Sie auch: «Geheimnisse aus der Samenbank» auf Clack – Ihrem Online-Magazin. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.04.2012, 14:15 Uhr

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