Leben

Wie viel Kontrolle ist nötig?

Von Mathias Born. Aktualisiert am 03.04.2012 12 Kommentare

Handys und Smartphones sind zum wichtigen Hilfsmittel geworden – auch für Kinder und Jugendliche. Bevor man dem Nachwuchs ein Gerät in die Hand drückt, sollte man sich fragen: Wie viel Kontrolle ist nötig?

Smartphones haben Suchtpotenzial: Deshalb sollten die Eltern mit ihren Kindern genau abmachen, wie das neue Gerät benutzt werden darf.

Smartphones haben Suchtpotenzial: Deshalb sollten die Eltern mit ihren Kindern genau abmachen, wie das neue Gerät benutzt werden darf.
Bild: PD

Sicher – auch ohne Spezial-Abo

Beim neuen Abo Primobile von Sunrise lassen sich die Kinderschutzmechanismen detailliert regeln (siehe Hauptartikel). Doch auch die Konkurrenz hat ähnliche Angebote entwickelt und Kinderschutzmassnahmen getroffen.

Orange bietet mit «Comfort» ein Angebot an, das in dieselbe Richtung geht wie Primobile: Die Eltern können damit die Handynutzung ihres Kindes beaufsichtigen. Auch bei diesem Angebot wird das Abo mit einer Vorauszahlung kombiniert: Ein beschränktes Kommunikationsguthaben ist inbegriffen. Ist dieses aufgebraucht, kann man dem Konto mehr Geld gutschreiben.

Swisscom hingegen führt kein spezielles Kinderabo. Das ist auch nicht nötig, eignen sich doch viele Prepaidangebote und einige Abos auch für Kinder und Jugendliche. Allerdings muss – wie auch bei der Konkurrenz – ein Punkt beachtet werden: Beim Kauf der SIM-Karte muss man sagen, dass diese für das Kind bestimmt ist. Die drei Mobilnetzbetreiber, die sich auf Grundregeln zum Jugendmedienschutz verpflichtet haben, sperren dann den Zugang zu sogenannten Mehrwertnummern, über die teilweise Telefonsex und teure Flirtdienste angeboten werden. Bei Sunrise und Orange bleibt diese Sperre bestehen, bis das Kind 16 Jahre alt wird; Swisscom wartet bis zum 18.Geburtstag. Auf Nachfrage der Eltern kann zudem die Datenübermittlung übers Mobilfunknetz gesperrt werden oder Anrufe auf ausländische Nummern.

Swisscom propagiert zusätzlich einen Sicherheitsservice, der für drei Franken pro Monat abonniert werden kann. Damit kann bei vielen Smartphones der Zugriff auf pornografische Onlineinhalte blockiert werden. Auch lässt sich das Gerät bei Bedarf per Computer orten. Alternative: Man kauft direkt auf dem betreffenden Smartphone eine Jugendschutzapp.

Zusätzlich zu den technischen Schutzmassnahmen bieten die Mobilnetzbetreiber Infomaterial zum Umgang mit den neuen Medien und dem Handy an. Swisscom organisiert auf Wunsch auch Kurse für Oberstufenschüler, Eltern und Lehrpersonen.

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Das Kind muss die Eltern anrufen können. Auch die Grosseltern, die oft hüten, und die befreundete Familie von nebenan sollen erreichbar sein. Alle anderen Telefonnummern hingegen werden blockiert – mit Ausnahme jener der Notrufdienste. Denn das Kind soll das Handy vorerst ausschliesslich zur Sicherheit bei sich tragen und für Absprachen in der Familie.

Mit dem neuen Mobilfunkangebot Primobile, das Sunrise gemeinsam mit Pro Juventute lanciert hat, lassen sich solche Einstellungen bequem vornehmen: In einem «Onlinecockpit» legen die Eltern vier Nummern fest, die das Kind anrufen darf und an die es SMS verschicken kann. Die Kommunikation mit diesen vier Teilnehmern ist im Abopreis von 249 Franken pro Jahr enthalten.

Kinder lernen Umgang mit neuen Medien

Wird das Kind älter, können im «Cockpit» weitere Möglichkeiten ergänzt werden, für die im Prepaidverfahren bezahlt wird: Einzelne weitere Nummern können freigeschaltet werden – oder gleich alle in der Schweiz oder sogar weltweit. Auch der Zugriff via Mobilfunknetz aufs Internet kann aktiviert werden – wahlweise ohne oder mit Filter, der ungeeignete Inhalte blockieren soll. Zudem können Ruhezeiten definiert werden, in denen mit dem Handy nicht via Mobilfunknetz kommuniziert werden darf.

Primobile fördere «Kinder und Jugendliche in ihrer Medienkompetenz», schreibt Pro Juventute in der Medienmitteilung zum neuen Angebot. Sie lernten damit den «altersgerechten, bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit neuen Medien».

Sperren ist gut, reden besser

Das trifft indes nur zu, wenn sich die Eltern entsprechend engagieren. Gegen Angebote wie Primobile sei grundsätzlich nichts einzuwenden, sagt Gregor Waller, Leiter des Forschungsschwerpunkts Psychosoziale Entwicklung und Medien an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. «Wichtiger ist aber das persönliche Gespräch zwischen den Eltern und dem Kind. Sperren und Filter können dieses nicht ersetzen.»

Zudem müssten die Eltern die Kontrollmechanismen mit Augenmass verwenden. «Schliesslich sollen die Kinder lernen, selber Verantwortung zu übernehmen.» Das können sie aber nur, wenn ihnen die Eltern einen gewissen Handlungsspielraum einräumen. «Die Kinder müssen Erfahrungen sammeln. Dabei dürfen sie auch Fehler machen. Werden die Grenzen zu eng gesetzt, beschneidet man den für die Entwicklung wichtigen Spielraum.» Wie eng die Grenzen gesetzt werden sollten, hänge auch vom Alter des Kindes ab: Je älter es wird, desto mehr Freiheiten müssen ihm zugestanden werden.

Eltern sollten sich regelmässig zeigen lassen, was die Kinder mit dem Gerät machen

In der Schweiz erhalten Kinder durchschnittlich zwischen 11 und 12 Jahren ihr erstes Handy. Dies hat Waller in einer kürzlich durchgeführten Befragung herausgefunden. Es ist dies ein Alter, in dem Einschränkungen, wie sie Primobile vorschlägt, meist nicht mehr nötig sind. Oft genügt dann ein normales Prepaidangebot oder Abo (siehe rechts).

Wann aber gibt man einem Kind sinnvollerweise ein Handy? Diese Frage müsse individuell beantwortet werden, sagt Waller, abhängig von der Persönlichkeit des Kindes, von dessen sozialen Umfeld sowie von der Situation und den Kommunikationsbedürfnissen der Familie. «Wichtig ist, dass die Eltern ihre Verantwortung wahrnehmen und die Kinder aktiv im Umgang mit dem Handy begleiten.» So sollten sie gemeinsam mit ihrem Kind Regeln für die Handynutzung diskutieren. Und sie sollten sich regelmässig zeigen lassen, was es mit dem Gerät macht.

Digitale Welt birgt Gefahren

Der Hintergrund: Handys und Smartphones mögen zwar auch für Kinder und Jugendliche ein wichtiges und immer zentraleres Hilfsmittel sein. Sie bergen aber auch Risiken. So kommunizieren viele Jugendliche allzu intensiv. Sie vergessen wegen Games die Aussenwelt – oder zumindest die Hausaufgaben. Bei der Mobilfunknutzung wiederum besteht die Gefahr, in eine Kostenfalle zu tappen.

Und auf privaten Geräten ist die Verlockung grösser, nicht altersgerechte Inhalte wie Pornografie zu konsumieren. Zudem nehmen die Fälle von Cybermobbing zu. Oft bleiben diese zu lange unbemerkt, da sie schwerer zu beobachten sind als Hänseleien und direktes Mobbing. Daneben wird weiterhin kontrovers diskutiert, ob die Mobilfunkstrahlung nicht doch gesundheitliche Folgen zeitigen könnte.

Apps zum Überwachen

Mit Angeboten wie Primobile werden Kindern bei der Nutzung des Handys Grenzen gesetzt. Viel weiter gehen Apps wie «Family Locator», die auf Smartphones installiert werden können. Diese blenden auf einer Landkarte ein, wo sich die anderen Familienmitglieder bei der letzten Aktualisierung befanden. Bei einigen können Eltern zudem aus der Ferne den aktuellen Standort des Geräts – und hoffentlich des Kindes – abfragen. Zudem verfügen die meisten über einen Notrufknopf sowie einen familieninternen Chat. Einige der Apps, die meist aus den USA stammen, blenden auf Karten für den Notfall Polizeiposten und Spitäler ein – und als Warnung innerhalb der USA gleich noch Wohnorte von Leuten, die in der Vergangenheit ein Sexualdelikt begangen haben.

Gregor Waller steht solchen Lokalisierungsapps kritisch gegenüber. «Auch Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf eine Privatsphäre und auf Datenschutz», argumentiert er. Eltern, die solche Software einsetzten, sendeten die falsche Botschaft aus. «Sie lassen das Kind spüren, dass sie ihm nicht zutrauen, Verantwortung fürs eigene Handeln zu übernehmen.» Zudem sei der Sicherheitsgewinn klein. Statt die App zu starten und auf den Notrufknopf zu drücken, ruft das Kind besser einfach die Eltern an. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.04.2012, 07:37 Uhr

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12 Kommentare

Matti Hoch

03.04.2012, 10:17 Uhr
Melden 14 Empfehlung 0

Wie viel Kontrolle nötig sei,müsste man sich fragen,bevor man seinem Nachwuchs ein elektr. Gerät(Handy)in die Hand gibt?Falsche Aussage!!Dem Nachwuchs soll so ein Gerät überhaupt nicht in die Hand gedrückt werden,basta,weil er's nicht braucht!Schaut Euch doch unsere Jugend an!!Weltabgewandt,irgend einem Bildscheibchen zugewandt,nachtwandeln sie durch's Jugend-Leben!So krank!Gebt's doch endlich zu! Antworten


Richard Hennig

03.04.2012, 10:22 Uhr
Melden 10 Empfehlung 0

Komisch, in Frankreich empfehlen die Ärzte die Handys erst ab 12 Jahren, da die Strahlungen direkt am Kopf, möglicherweise die Entwicklung des Gehirns schädigen können. Und das Foto zigt 4/5 jährige Kinder mit einem Smartphone? Ghot's no! Unter 10 Jährige sollten definitif keine Handy's in die Hände kriegen! Und schliesslich hat meine Generation auch die Kindheit ohne Handys überlebt! Antworten



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