Was PET, Alu und Glas können, will Getränkekarton auch
Von Walter Jäggi. Aktualisiert am 21.02.2011 7 Kommentare
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Rund 100 Kartonpackungen mit flüssigem Inhalt kauft, leert und entsorgt in der Schweiz jeder Einwohner pro Jahr. Nach dem Genuss von Eistee, Milch, Orangensaft und Fertigsuppe bleibt eine Abfallmenge von 24'000 Tonnen übrig, die in den Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt wird. Die Hersteller der Getränkekartons möchten nun ein Recyclingsystem einrichten, damit der Rohstoff Karton nicht einfach verheizt wird. Die drei Schweizer Anbieter Tetra Pak, SIG Combibloc und Elopak haben sich vereint, um die Sammlung und Verwertung der Leerkartons zu organisieren.
Als Vorbilder führen sie Länder wie Belgien oder Deutschland an, wo 78 Prozent beziehungsweise 63 Prozent der Kartons in den Stoffkreislauf zurückkehren. In der Schweiz wird eine Sammelquote von 75 Prozent angestrebt, was angesichts der Rücklaufquoten anderer Verpackungen realistisch sei. Laut Publikumsbefragungen wären 81 Prozent der Schweizer Konsumenten bereit, leere Getränkekartons zurückzubringen, schreiben die drei Unternehmen. Eine Ökobilanz der Basler Expertenfirma Carbotech zeige ebenfalls, dass das Kartonrecycling dem Verbrennen vorzuziehen sei.
Detailhandel wartet auf Studie
Die Getränkekartonhersteller rechnen damit, noch in diesem Jahr mit den Separatsammlungen beginnen zu können. Aber es gibt da noch zwei erhebliche Hindernisse: Es müssen Sammelstellen eingerichtet werden, vorzugsweise in den Läden – und die Finanzierung muss geregelt sein. Die Verpackungsindustrie hat ihre Ideen der Branchenorganisation IG Detailhandel Schweiz unterbreitet. «Sie ist sich aber der Komplexität dieses Unterfanges nicht vollumfänglich bewusst», sagt Denise Stadler, Mediensprecherin von Coop. Eine weitere Separatsammelstelle möchten die Detailhändler nämlich nicht ohne weiteres in oder vor ihren Läden aufstellen. Die Schweiz habe heute ein überaus erfolgreiches Recyclingsystem; um das Erreichte nicht zu gefährden, müsse zwingend die Belastbarkeit des Gesamtsystems überprüft werden, sagt Denise Stadler.
Die IG Detailhandel hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, die Auskunft über die bestehenden und allfällige neue Sammelsysteme und deren ökologische und ökonomische Folgen geben soll. Die Studie dürfte Mitte April vorliegen, «je nach den Resultaten» würden dann weitere Massnahmen abgeleitet. «Der Detailhandel verweigert sich überhaupt nicht einer konstruktiven Diskussion», betont Denise Stadler.
Recycling teurer als verbrennen
Noch offen ist die Frage der Finanzierung. Für Thomas Hügi von der Sektion Abfallverwertung und -behandlung beim Bundesamt für Umwelt ist klar, «dass es nicht ohne freiwilligen vorgezogenen Recyclingbeitrag geht». In der Carbotech-Studie ist von 2 Rappen pro Getränkekarton die Rede. Das Recycling, so fanden die Experten, sei ökologisch sinnvoller als die Verbrennung im Kehrichtwerk.
Die Einführung eines Recyclingsystems lohne sich aus dieser Sicht, das Recycling sei aber 25 bis 50 Prozent teurer als die Verbrennung. Das Recycling liefere einen Beitrag zum Klimaschutz, die Kosten für die Vermeidung einer Tonne CO2 seien aber hoch. Entscheidend für eine günstige Ökobilanz sind eine hohe Sammelquote und eine zweckmässige Verwertung der im Kartonverbundmaterial enthaltenen Kunststoff- und Aluminiumanteile von immerhin 25 Prozent.
Lange Transportwege per Lastwagen?
Während die Industrie betont, die Schweiz sei gegenüber anderen Ländern schwer im Rückstand, weist Detailhandel Schweiz darauf hin, dass die Sammelsysteme gar nicht vergleichbar seien. In Deutschland gehen die Getränkekartons zusammen mit Plastikflaschen und Dosen aller Art bunt gemischt in den «gelben Sack» oder die «gelbe Tonne», nur Glas und Papier werden gesondert gesammelt.
Der Inhalt der gelben Tonnen wird von privaten Entsorgungsunternehmen sortiert, die einzelnen Fraktionen der jeweiligen Verwertungsindustrie zugeführt. Kritiker werfen deutschen Entsorgern vor, das Material werde wenig umweltfreundlich per Lastwagen bis nach Finnland oder Spanien gebracht, Carbotech geht davon aus, dass solche Transporte per Bahn erfolgen würden.
Plastikentsorgung wird geprüft
In der Schweiz trennt der Konsument selber die Materialien PET, Polyethylen (Milchverpackungen), Aluminium und Stahlblech vom übrigen Kehricht; Plastikbecher und Getränkekartons gehen in die Verbrennungswerke.
Ob künftig auch in der Schweiz Plastik vermehrt separat gesammelt werden soll, wird geprüft, das Bafu arbeitet an einem «runden Tisch Kunststoff» mit den beteiligten Kreisen zusammen. Auch bei den Metallen und den seltenen Metallen laufen Abklärungen. Die Potenziale würden periodisch überprüft – auch bei den bestehenden Rücknahmesystemen –, sagt Thomas Hügi vom Bundesamt für Umwelt. Konkret geplant seien gegenwärtig aber keine weiteren Systeme. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.02.2011, 20:39 Uhr
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7 Kommentare
Ich trenne 1. Glas, 2. PET, 3. Karton, 4. Papier, 5. Weissblech, 6. Aluminium, 7. Eisen, 8. Kompost, 9. unbehandeltes Holz, 10. Öle/Fette, 11. Batterien, 12. Leuchtmittel, 13. Elektroschrott, 14. Bauschutt u.ä., 16. Styropor u. ä. Wenn ich meine Tetra Pak-Verpackungen und alle Arten Plastik auch noch separat sammeln werde, wird mein 17-Liter-Abfallsack relativ lange nicht voll ;-) Antworten
Recycling von Getränkekartons ist für Konsumierende nicht teurer. Konsumenten bezahlen heute via Sackgebühr für die Entsorgung und Verbrennung von Getränkekartons. Je nach Wohnort betragen diese Kosten 4 bis 6 Rappen pro Getränkekarton. Also deutlich mehr als die erwähnten 2 Rappen gemäss Carbotech-Studie für ein künftiges Getränkekarton-Recycling. Antworten
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