Leben

Trommeln, Tanzen und Fitness von der Stange

Von Seraina Mohr (Clack). Aktualisiert am 26.09.2012

Die Babyboomers stürmen das Sportstudio: Eine Übersicht zu den neuen Fitness-Trends in diesem Herbst.

Bei Jüngeren beliebt sind die erotischeren Spielarten des Trainings: Blick in eine Pole-Fitness-Klasse.

Bei Jüngeren beliebt sind die erotischeren Spielarten des Trainings: Blick in eine Pole-Fitness-Klasse.
Bild: Reuters

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Aerobic allein macht nicht mehr happy: Trend Zumba-Fitness-Training.

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Jane Fonda hat Aerobic in den 80er-Jahren berühmt gemacht und damit eine Fitness-Welle lanciert, die bis heute anhält. Und die gute Dame hat es geschafft mit ihren 70 Jahren angesagt zu bleiben, denn längst sind die Fitnesstudios nicht mehr nur Tummelplatz für Junge, sondern auch beliebter Treffpunkt für ältere Semester. (Lesen Sie auch: «Ganz schön alt»)

Der Gang ins Fitness ist für viele fast so selbstverständlich, wie der Gang unter die Dusche, nur mit einem höheren Anspruch an Abwechslung. Auf den Herbst haben zahlreiche Studios ihre Kurspläne angepasst, um den Vorlieben ihrer Kundinnen und Kunden gerecht zu werden. Denn Aerobic allein macht schon länger nicht mehr glücklich. Die einen bevorzugen heute Pilates- oder Yoga-Stunden, die anderen tanzen munter in den Zumba-Lektionen mit. Unter Zumba Gold steht mittlerweile sogar ein eigenes Label für die Generation der Babyboomer zur Verfügung, die «Moves und das Tempo wurden auf die Bedürfnisse von aktiven, älteren Teilnehmern angepasst», wie es in der Eigendeklaration heisst.

Hintergrund dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass ältere Menschen längst zu den wichtigsten Kundinnen und Kunden gehören und auf der Liste der wichtigsten Fitness-Trends von 2012 auf Rang drei fungieren. Diese wird einmal jährlich von der amerikanischen Gesellschaft für Sportmedizin erhoben und soll den Studios Anhaltspunkte für die Planung des Angebots liefern. (Lesen Sie auch: «Den Body of the Year hat...»)

Die Pionierinnen bleiben auch im Alter aktiv

Wichtigste Klientel der Kurse in Fitnesscentern sind und bleiben die Frauen. Sie sind in der Regel praktisch unter sich, während die Männer sich lieber im Freihantelbereich tummeln oder im Spinning ihre Kilometer abspulen. Zu den aktiven Seniorinnen von heute zählen zahlreiche Trendsetterinnen von gestern. Denn wer vor 30 Jahren bei Jane auf den Geschmack kam, ist den Stampfschritten und dem organisierten Turnen vielfach bis heute treu geblieben und kann locker bei komplizierten Schrittfolgen mithalten. Kein Wunder, tut sich die ein oder andere Einsteigerin schwer, wenn sie sich dann mit der eigenen Mutter oder Grossmutter vor dem Spiegel wiederfindet.

Bei Jüngeren beliebt sind die erotischeren Spielarten des Trainings. Pole-Fitness an der Stange, Burlesque Dance oder Dance n’ Strip. Im deutschsprachigen Raum ist Nele Sehrt eine der bekanntesten Promoterinnen der Szene. Mit ihren Bad Girlz setzt sie voll auf das Einstudieren der tänzerischen Anmache. Verführerische Bewegungen werden vor den Spiegeln des Studios eintrainiert. Ob das peinlich oder bieder ist, wie kürzlich die «SonntagsZeitung» konstatierte, sei dahingestellt, auf jeden Fall ist es nicht ganz neu. Bereits 1996 beeindruckte am Film «Striptease» einzig der durchtrainierte Körper von Demi Moore und bald wurden in den Fitnessstudios Varianten wie Cardio Striptease angeboten. Dass Altbekanntes neu belebt wird, ist eher die Regel und nicht die Ausnahme. (Lesen Sie auch: «Was treibt Männer ins Striplokal?»)

Wirklich Neues ist selten

«Eine wirklich bahnbrechende Neuerung gibt es im Fitness eher selten», dies die Einschätzung von Manuela Schönbächler. Seit Mitte der 80er Jahre ist die ausgebildete Bewegungspädagogin als Fitness- und Groupfitnessinstruktorin tätig und hat manchen Fitnesstrend kommen und gehen sehen. Den grössten Wandel sieht sie darin, dass heute «Body, Mind und Soul gleichermassen wichtig sind», dies gilt auch für das Programm des ersten Womensweekend, den sie mitinitiiert hat. Ihr persönlicher Favorit ist seit Jahren Nia. Nia ist ein ganzheitliches Wellness- und Fitnesskonzept. Jede Bewegung wird so ausgeführt, dass sie dem eigenen Körper gut tut. Auf diese Weise entfaltet sich eine heilsame Wirkung, die den gesamten Organismus stärkt.

In eine ähnliche Richtung geht Drums Alive. Da wird mit Drumsticks ein grosser Fitball bearbeitet. Die Gelegenheit sich so richtig auszutrommeln, den Kopf zu leeren, Stress und Aggressionen abzubauen. Inhalte aus der Bewegungstherapie werden mit Inhalten aus der Musik-, Klang- und Tanztherapie kombiniert mit dem Ziel, Körper Geist und Seele in gleichem Masse zu fördern. (Lesen Sie auch: «Der Hunger der Schweizerinnen»)

Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit

Im Wesentlichen geht es bei Fitness immer um die drei Faktoren Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit in allen Variationen. Das liefern auch die berüchtigten Bootcamps, die an amerikanische Militärdrills angelehnt sind, aber längst auch ohne den martialischen Anstrich zu haben sind. Bootcamps haben diesen Sommer in vielen Städten treue Anhängerinnen und Anhänger gefunden. Da wird das Gym nach draussen verlagert und anstelle von Hanteln auch mal ein Holzscheit bemüht. Der gute alte Vitaparcours lässt grüssen, allerdings gut getarnt und neu verpackt. Wichtiges Moment ist dabei die Gruppendynamik, die zu Höchstleistungen antreibt.

Der Drang nach draussen ist neueren Datums, der Weg von der Strasse in die Studios ist dagegen schon länger an der Tagesordnung. Hip-Hop und Streetdance haben den Weg vom Ghetto in die Migros-Klubschule gefunden. Die neuen Stars aus der Ghetto-Fitnessszene sind die Bar-Barians. Der Name steht für eine New Yorker Ghetto-Gang und wird mittlerweile als lizenziertes Programm in die Welt getragen. Die Übungen werden an Geländern, Stangen und anderen öffentlichen Hindernissen und auf Spielplätzen praktiziert. Im Juni hat ein erster Workshop in der Schweiz stattgefunden, weitere sind geplant.

Musik, Outfits und Latinos

Doch was machts schliesslich aus, dass sich ein Fitnesstrend durchsetzt? Trendige Musik, ansprechende Outfits, ein erfolgreiches Marketing und bei Zumba vor allem gutaussehende männliche Latino-Instruktoren, nennt Manuela Schönbächler als Erfolgsfaktoren. (Lesen Sie auch: «Das Salsa-Sexismus-Phänomen») Aussehen und Kleidung des Instruktors sind bei den Konsumenten oft wichtiger als seine methodisch-didaktischen Qualitäten. Zahlreiche Instruktoren sind auf Youtube präsent. Jede Spielart lässt sich finden und so verbreiten sich auch Fitnesstrends mit viraler Geschwindigkeit. Die meisten Programme werden heute im Lizenzsystem vergeben. Wer sich lizenzieren lässt, zahlt eine Gebühr, wird dafür aber regelmässig mit DVD samt Choreographien und Musik versorgt. Die Wahl bleibt den Teilnehmerinnen überlassen, klar ist, dass eine Vorliebe für ein Programm auch ein Lifestyle-Statement ist. Und übrigens, wer sich ganz von der Masse abheben will und es sich leisten kann, der setzt auf einen Personal Trainer. Auch das ein klarer Trend.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann lesen Sie auch: «Das richtige Outfit zum Fitness-Trend» auf Clack.ch – Ihrem Online-Magazin. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.09.2012, 08:15 Uhr

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