Sex im Labor
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 12.03.2010
Instrument der Sexforschung: Der Penis-Plethysmograph
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Das Buch
Marco Rauland: Orgasmen stärken die Abwehr - Die kuriose Welt der Sexperimente und ihre Ergebnisse, roror, 250 Seiten.
Wie untersucht man eigentlich Sex? Dass die menschliche Fortpflanzung als Forschungsobjekt interessiert, ist klar. Doch wie lassen sich Orgasmus und Co. unter Laborbedingungen untersuchen? Wie muss man sich das genau vorstellen?
Dieser Frage geht der Chemiker und Wissenschaftsjournalist Marco Rauland in seinem neuen Buch «Orgasmen stärken die Abwehr» nach. Dabei geht es ihm aber nicht nur um kuriose Forschungsergebnisse, zum Beispiel, dass Orgasmen die Abwehr stärken, wie Zürcher Wissenschaftler herausgefunden haben, sondern vor allem darum, wie solche Laboruntersuchungen sich ganz praktisch ausnehmen.
Forschungsresultate und Untreuebeweise
Dass ein so schlüpfriges wissenschaftliches Parkett die Bühne für zahlreiche amüsante Anekdoten ist, versteht sich von selbst. Und Rauland erzählt sie genüsslich. Das begann schon bei den Pionieren, wie Verhaltensforscher John B. Watson. Er war einer der Ersten, der den körperlichen Vorgängen beim Geschlechtsverkehr mit wissenschaftlichen Methoden auf den Leib rückte. Im Jahr 1920 schloss er sich und seine Partnerin im Labor an eine Reihe von Messinstrumenten an, um die physiologischen Veränderungen bei sexueller Erregung und beim Orgasmus zu untersuchen. Doch Watson machte einen Fehler. Bei seiner Untersuchungspartnerin nämlich handelte es sich nicht um seine Ehefrau. Diese aber fragte sich eines Tages, warum er so viel Zeit im Labor verbrachte, stellte ihrerseits Nachforschungen an und fand die Sexstudien des Gatten, welche sie als Untreuebeweis vor Gericht verwendete und im Anschluss vernichtete. Ein herber Rückschlag für die Forschung, die sich dadurch natürlich nicht aufhalten liess.
Das Buch hält viele interessante Einblicke bereit. Etwa dass es in den Dreissigerjahren noch üblich war, dass mit «weiblicher Hysterie» diagnostizierte Frauen therapiert wurden, indem sie ihre Klitoris durch die fachmännischen Hände eines Arztes stimulieren liessen. Weil diese Therapiestunden zeitraubend und anstrengend waren, kam den Ärzten schliesslich entgegen, dass Dr. Joseph M. Granville den batteriebetriebenen Vibrator erfand. Weiter erfährt man, wie genau man der Spermiensaugtheorie auf die Spur kam und wie eine Peniskamera funktioniert. Dass Frauen durchschnittlich acht Minuten brauchen, um zum Höhepunkt zu kommen, welcher wiederum 26 Sekunden anhält.
Mysterium Frau
In diesem kleinen vergnüglichen Büchlein werden dubiose Sexpraktiken wie die «Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern» unter die Lupe genommen, samt der zuweilen ziemlich phantasievollen Erklärungen der so Verletzen. Und es wird klar, dass das Klischee der mysteriösen Frau auch die Wissenschaft nicht verschont. Denn so findig die Wissenschafter der weiblichen Sexualität mit allerlei Apparaturen und Messinstrumenten auf den Zahn fühlen, oftmals bleiben Fragen und es gibt strittige Punkte zu Hauf – angefangen bei Art und Menge weiblicher Orgasmen, bis zu ihrer Funktion.
Zuletzt werden alle zitierten Experimente und wissenschaftliche Studien angegeben. Schliesslich geht es hier immer noch um das Fortkommen der Wissenschaft. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.03.2010, 09:00 Uhr








































































































































