Leben

Nikotinspuren im Sand

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 15.08.2011 25 Kommentare

Die südfranzösische Hafenstadt La Ciotat verbietet das Rauchen am Strand. Die Franzosen applaudieren und andere Badeorte prüfen ebenfalls ein Verbot.

Mehr Gäste dank Rauchverbot: Strand von La Ciotat.

Mehr Gäste dank Rauchverbot: Strand von La Ciotat.
Bild: Keystone

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Es gibt diese Orte, an denen das Rauchen besonderen Spass macht. Daran erinnert man sich auch als ehemaliger Raucher gerne. Strände sind solche Orte: die Weite des Horizonts, die Füsse im Sand, die Ruhe der baumelnden Seele. Man stützt dann gerne den Ellbogen aufs Knie, die Zigarette in der Hand, und verliert sich im Fernweh. Oder so.

Nun, an der Plage des Frères-Lumière in La Ciotat, einer kleinen Hafenstadt der Provence, 34'000 Einwohner, darf man sich keine mehr anzünden. Rauchen am Strand steht gar unter Strafe: 35 Euro kostet die Missachtung der Verfügung.

Warnen statt büssen

Noch ist keine Busse gesprochen worden, noch versucht man es mit einer Sensibilisierungskampagne. Über die Lautsprecher ertönt regelmässig die Zurechtweisung: Sie befinden sich an einem Nichtraucherstrand. Bitte zünden Sie Ihre Zigarette nur auf der Promenade an. Im Sand steckt eine Verbotstafel mit einer Reihe von durchgestrichenen Symbolen: Es dürfen hier keine Hunde mitgeführt, keine Zelte aufgestellt, kein Feuer gemacht, kein Fussball gespielt werden. Und eben: Rauchen darf man auch nicht mehr.

Hinter dem Verbot steht Patrick Boré, Bürgermeister von La Ciotat. Nun könnte man sich natürlich sagen, dass der bürgerliche Politiker ein Fanatiker sein muss, dessen Städtchen man beim grossen Angebot an Stränden am Mittelmeer locker boykottieren könnte. Doch Boré wird in Frankreich wie ein Avantgardist gefeiert. Laut einer Umfrage unterstützen 63 Prozent der Franzosen die Initiative.

Bürgermeister anderer Badeorte Frankreichs studieren das Modell, das La Ciotat der Bondi Beach in Sydney und Solana Beach bei San Diego abgekupfert hat. Die Zeitung «Le Parisien» widmete Borés rauchfreiem Strand diese Woche gar zwei volle Seiten und die Frontseite unter dem Titel: «Der Nichtraucherstrand – das ist ein Erfolg!» Mit Ausrufezeichen.

Familien kommen zurück

Als Beleg für den Erfolg wird La Ciotats Stadtrat für Sauberkeitsfragen zitiert. Der Rat ist in der Sache wahrscheinlich nicht sonderlich objektiv, präsentiert aber sehr genaue Zahlen: «Seit dem Verbot haben wir 25 Prozent mehr Gäste», sagt Noël Collura, «die Familien kehren in Massen zurück.» Vor allem aber behebt der Stadtrat eines seiner grössten Probleme: Die Kippen, die die Raucher in den Sand steckten, machten etwa 40 Prozent des Unrats aus, den seine Dienste wegmachen mussten. Und wegmachen ist besser als liegen lassen: Bis sich ein Zigarettenfilter im Sand von allein und vollständig zersetzt, dauert es ein bis drei Jahre.

Raucher weg – Lärm weg

Befragte Gäste und Kellner freuen sich auch darüber, dass sich die jungen Lärmmacher mit ihren Ghettoblastern an andere Strände verzogen hätten. Die rauchten wohl mehr als die älteren Leisetreter. Und dann gibt es freilich auch die empörten Raucher, die ihre wachsende Isolierung ohnehin wie eine Provokation erleben und sich nicht auch noch das Rauchen unter freiem Himmel verbieten lassen wollen.

In Frankreich herrscht seit 2008 ein strenges Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Man sieht nun also auch hier qualmende Menschen vor Bürotürmen, vor Brasserien und in Hinterhöfen. Selbst im Winter, bei eisiger Kälte, mit klammen Fingern – und mit der Sehnsucht nach einer Kippe am Strand, die Füsse im warmen Sand, der Blick zum Rand der Welt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.08.2011, 06:36 Uhr

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25 Kommentare

Gregor Fischer

15.08.2011, 07:07 Uhr
Melden 88 Empfehlung

Vor vielen, vielen Jahren, als ich noch geraucht habe, war es eine Selbstverständlichkeit, die Kippen nicht einfach in den Sand zu stecken, sondern in eine Büchse, und diese dann richtig zu entsorgen. Die Raucher sind also selbst schuld. Antworten


A. Nussbaumer

15.08.2011, 09:46 Uhr
Melden 81 Empfehlung

Bravo, La Ciotat!!! ... und hier in der Schweiz liegen die Stummel auf Schritt und Tritt oder Raucher werfen sie in die Abwasserkanäle. Ein einziger Stummel soll 40 bis 60 Liter (Grund-) Wasser vergiften mit seinen bis zu 4000 Giftstoffen, die er entält. Auf jedem Wanderweg liegen sie, die verflixten Stummel, und an jedem Bach, See, Strassenrand, Parkplatz, etc.
Zum K***en!
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