Leben

Je strenger der Job, desto schöner die Liebe

Aktualisiert am 29.10.2012 6 Kommentare

Damit es endlich mal klar ist: Nein, Ihr beruflicher Ehrgeiz schadet keineswegs Ihrer Beziehung. Im Gegenteil.

Frauen, die in ihrem Beruf eine grosse Last tragen, sind eher glücklich mit ihrer Partnerschaft: Sarah Jessica Parker mit ihrem Filmpartner Greg Kinnear in «Working Mom».

Frauen, die in ihrem Beruf eine grosse Last tragen, sind eher glücklich mit ihrer Partnerschaft: Sarah Jessica Parker mit ihrem Filmpartner Greg Kinnear in «Working Mom».
Bild: Reuters

Auf der Suche nach den netten Effekten eines grauenvollen Arbeitstages: Psychologe Benjamin Karney.

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Im Sessel, auf dem wir die Welt betrachten, wird alles klar: Ob im Fernsehfilm oder im Kino – wenn eine Frau eine Erfolgskarriere und ihre Familie unter einen Hut bringen muss, führt das zu wilden Szenen. Die Heldin hetzt zwischen Sitzungen und Schulschluss hin und her, zwischen Boss, Kind, Kollegen, Mann, zwischen Business und Waschmaschine; und so gibts halt auch oft heftigen Streit, sei das mit dem Chef, sei das mit dem Liebsten daheim.

Dass eine Heldin ihre Karriere und ihre Familie nebeneinanderher jongliert und dabei gelassen, ja cool bleibt – das gibts nicht mal im Kino. (Lesen Sie dazu auch: «Geld, Sex und Brötchen»)

Stimmt ja auch. Wer berufstätige Mütter fragt, hört es alleweil – die Doppelbelastung ist ein Hauptthema. Hört man allerdings genau hin, so ahnt man zumindest, dass die Schweizer Wirklichkeit doch nicht ganz so dramatisch ist wie dies gern dargestellt wird, sei dies von Anhängern des konservativen Rollenmodells oder von Sarah Jessica Parker in ihrem jüngsten Film «I don't know how she does it» (die deutsche DVD-Version kam bezeichnenderweise unter dem Titel «Working Mom – der ganz normale Wahnsinn» in die Läden...).

Arbeitsbelastung ist nicht gleich Arbeitsbelastung

Denn in der besagten Wirklichkeit gibt es ein interessantes Phänomen: Wenn im Beruf der Teufel los ist, so wirkt sich dies gar nicht schlecht auf die Stimmung zu Hause aus. Und der Stress am einen Ort führt keineswegs zum Zoff am anderen Ort – im Gegenteil.

Neue Daten bestätigen dies: Frauen, die in ihrem Beruf eine grosse Last tragen, sind eher glücklich mit ihrer Partnerschaft. Dies ergab eine Langzeitstudie, die an der Universität Utrecht erarbeitet wurde. Drei Sozialpsychologen setzten dabei Arbeitsbelastung, Arbeitszufriedenheit und Zufriedenheit mit der Partnerschaft miteinander in Beziehung. (Lesen Sie auch: «Sex oder Liebe, Busen oder Status»)

Genauer: 169 Paare wurden nach der Hochzeit vier Jahre lang beobachtet, quer durch verschiedene Phasen ihres Berufsleben. Das erste Resultat verblüffte dabei kaum: Je zufriedener die Frauen im Job waren, desto zufriedener waren sie auch mit ihrer Beziehung – ganz unabhängig von der Arbeitsbelastung. Aber vor allem bei Frauen mit Kindern wurde dann ein anderes Zusammenspiel signifikant messbar: nämlich dass ausgerechnet Phasen mit grosser Arbeitsbelastung auch Phasen einer erfüllten Partnerschaft waren.

Die interessante Frage lautet nun: Wie das? Warum ist das so?

Denn wir haben doch alle oft das Gefühl, dass die Beziehung, die Kinder, ja das Privatleben regelmässig unter dem Stress im Job leiden.

Offenbar wirkt dem aber allerhand entgegen: Möglich, dass ein herausforderndes Berufsleben Selbstvertrauen schafft – was wiederum gut sein dürfte für die Partnerschaft. Oder: Wenn der Mann viel krampft im Job, so lebt ein Paar eher eine Beziehung unter Gleichen, solange die Frau ebenfalls arg herausgefordert wird. Oder: Trubel im Büro weckt neue Energien, was sich auch nach Feierabend positiv niederschlägt. Oder es mag ja auch sein, dass wir die eigenen vier Wände umso mehr als Ort der Geborgenheit schätzen, wenn im Beruf der Teufel los ist.

Der Hausarbeits-Sex-Koeffizient

Die Psychologen aus Utrecht – Elianne van Steenbergen, Esther Kluwer, Benjamin Karney – äusserten allerdings eine weitere These: Nämlich, dass ein grauenvoller Arbeitstag womöglich den netten Nebeneffekt hat, dass der Mann zu Hause eher mal bereit ist, beim Haushalt zu helfen. Das tönt zwar fast wieder ein bisschen ernüchternd (Frau wird zufrieden, weil Mann sich endlich zur Mitarbeit bequemt), aber das «Wall Street Journal» stellte diese Erklärung in einen geradezu erfreulichen Zusammenhang: Eine Online-Kolumnistin des Wirtschaftsblatts erinnerte an eine Studie aus dem Jahr 2009, wonach Paare, bei denen der Mann stärker mithilft im Haushalt, auch mehr Sex haben.

Dann würde also ein intensiver Job gleich auf mehreren Ebenen zu einer guten Ehe führen: Frau hat Herausforderung im Beruf, Mann hilft mehr im Haushalt, Paar hat mehr Sex, alles besser…

Erfolg im Beruf, erfolgreich in der Beziehung? Diskutieren Sie mit!

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Erstellt: 29.10.2012, 10:33 Uhr

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6 Kommentare

susanne beerli

01.05.2012, 10:18 Uhr
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Heute ist nicht der 1. April, oder? Wo wurde der Zeit Faktor berücksichtigt? Nach 4 Jahren sind statistisch die meisten Ehen noch intakt, die Krisen kommen in den folgenden Jahren. Ein strengerer Job verursacht zudem oft mehr Arbietsstunden, d.h. zuwenig Zeit für die Beziehungspflege. Man ist dann mit dem Job verheiratet, nicht mit dem Partner... Antworten


Johann Kirchner

01.05.2012, 04:43 Uhr
Melden 22 Empfehlung 0

Klar doch! Je weniger Zeit das weibliche Wesen für den Partner hat, umso besser. Damit muss die alte Leier von wegen Kopfschmerzen nicht mehr aufgetischt werden. Sie will ihre Ruhe. Einer gestressten und auf 100 Hochzeiten tanzenden Partnerin bringt man Verständnis für Müdigkeit, Unlust etc. entgegen. Somit zwei Fliegen auf einen Streich. Ja, die Frauen waren uns Männern schon immer überlegen. Antworten



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