Leben

«Ich leiste mir diese fünf Minuten im Weltraum»

Von Andrea Schafroth. Aktualisiert am 04.02.2009 5 Kommentare

Franz Kaiser aus Egg ist einer der ersten Menschen weltweit, die bereits einen Touristenflug ins Weltall gebucht haben.

Weltraumtourist in spe: Franz Kaiser auf seiner Terrasse in Egg.

Weltraumtourist in spe: Franz Kaiser auf seiner Terrasse in Egg. (Bild: Beat Marti)

Modell des Shuttles: Der Flug kostet 200'000 Dollar.

Modell des Shuttles: Der Flug kostet 200'000 Dollar.

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Wie kommt man zu einem Weltallticket?

Die Firma Virgin Galactic gehört dem Milliardär Richard Branson. Sie bietet als erstes Privatunternehmen Touristenflüge ins Weltall an. Bisher hat lediglich Russland seit 2001 insgesamt sechs Weltraumtouristen mit ins All genommen, was diese mindestens 20 Millionen Dollar kostete; das Angebot läuft zudem nächstes Jahr aus. Dann möchte Virgin Galactic in die Marktnische springen und ihre ersten Flüge starten. Das Ticket kostet 200'000 US-Dollar. Wer eines reservieren will, muss mindestens 10 Prozent Vorauszahlung leisten. Das haben bisher weltweit rund 300 Personen getan, darunter Promis und Superreiche, etwa ein Scheich, der gleich alle sechs Plätze im Shuttle reserviert hat. Aber auch Menschen, die darauf sparen müssten wie Guido Graf, Geschäftsführer der Reisefirma Deluxe Targets, die das Weltraumabenteuer in der Schweiz exklusiv anbietet.

Gestartet wird vorerst in der kalifornischen Mojave-Wüste. Ein Trägerflugzeug soll den Shuttle auf 16Kilometer hoch fliegen und dort ausklinken. Nach zwei Sekunden des freien Falls wird die Rakete gezündet und schiesst den Shuttle innert 90 Sekunden auf 110 Kilometer Höhe, 10 Kilometer über der Erdatmosphäre; man wird nur einen Teil des Erdballs sehen. Zum Vergleich: Der Spaceshuttle der Nasa erreicht die drei- bis vierfache Höhe. Genau fünf Minuten lang erleben die Weltraumtouristen die Schwerelosigkeit, bis der Virgin-Shuttle von der Erdanziehung wieder in die Atmosphäre zurückgezogen wird. (as)

Infos: www. deluxetargets.ch, www. virgingalactic.com

Egg im Zürcher Oberland: Die Fassade des unscheinbaren Mehrfamilienhauses aus den 80er-Jahren könnte einen neuen Anstrich gebrauchen. Wer würde annehmen, dass dahinter einer wohnt, der ein Ticket ins All reserviert hat? 20'000 Dollar hat er bereits bezahlt, 200'000 Dollar wird ihn das Abenteuer insgesamt kosten, wenn es dereinst stattfindet. Laut Plan wird Franz Kaiser frühestens im Sommer 2011 im Spaceshuttle der Firma Virgin Galactic (siehe Box) mit fünf weiteren Passagieren zum Weltraumflug starten.

Immerhin: Die Wohnung ist innen nicht so bescheiden, wie es von aussen den Anschein macht: 200 Quadratmeter offene Räume, die bis unters getäferte Dach hinauf reichen. «Ich mag es halt, wenn ich viel Luft über mir habe», sagt Franz Kaiser lächelnd und bittet freundlich herein. Der 49-Jährige stammt ursprünglich aus Graz, lebt aber seit den 80er-Jahren in der Schweiz und ist mit einer Schweizerin verheiratet. Er ist ausgebildeter Ingenieur und arbeitet heute als Country Manager für die amerikanische IT-Firma Fortinet.

Franz Kaiser ist dezent elegant gekleidet, das weisse Hemd unter einem schwarzen Pullover, eine Bundfaltenhose mit Nadelstreifen und am Handgelenk eine Breitling-Fliegerarmbanduhr. Seine dunklen Haare sind mit ein paar grauen Strähnchen durchsetzt. Ein unprätentiöser Managertyp mit einem herzlichen, kehligen Lachen.

In der Wohnung stehen mehrere Vitrinen mit erlesenen Gläsern und Schnäpsen. Und in einem der Räume hat sich das Paar von einem befreundeten Innenarchitekten eigens eine Bar einrichten lassen. Der lange, weiss lackierte Esstisch im Wohnzimmer hingegen stammt ganz banal aus der Ikea. Die Kaisers sind Geniesser mit leicht opulentem Geschmack, ein gut verdienendes Ehepaar ohne Kinder, das aber durchaus nicht auf der Liste der reichsten Schweizer figuriert.

Herr Kaiser, in Ihrer Wohnung gibt es kein Teleskop, keine Bücher über Weltraumfahrt. Wie kommt es, dass Sie sich als einer der weltweit Ersten ein Ticket für einen Touristenflug ins All reserviert haben?
Mir geht es nicht ums Erforschen des Alls, sondern ums Hinfliegen. Als vor 40 Jahren die Apollo 11 auf dem Mond landete, war ich 9 Jahre alt und sass gebannt vor dem Fernseher. Das hat mich geprägt, ich wollte damals unbedingt Astronaut werden. Bis heute geblieben ist der innige Wunsch, ins Weltall zu gelangen. Letzten Sommer machte mich meine Frau auf das Angebot von Virgin Galactic aufmerksam: Als ich auf der Homepage surfte, wurden meine Augen glasig, ich spürte Schauer im Nacken. Ich hätte nicht gedacht, dass sich mein Wunsch noch erfüllen könnte; bisher war so etwas ja höchstens für unerschwingliche 20 Millionen oder mehr möglich.

200'000 Dollar sind auch nicht gerade ein Klacks. Für Sie schon?
Ganz und gar nicht. Wir haben lange diskutiert und verzichten nun dafür auf ein eigenes Haus. Meine Frau ist damit einverstanden, weil sie weiss, wie viel es mir bedeutet. Ich habe das Geld auch noch nicht beisammen.

Das heisst, Sie buchen sonst keine 200'000-Dollar-Ferien?
Wo denken Sie hin! Ich mag zwar einen gewissen Luxus, und als Doppelverdiener ohne Kinder können wir uns schöne Hotels auch leisten. Das heisst aber nicht, dass wir stets in Fünfsternehotels logieren.

Nun geben Sie eine exorbitante Summe aus für eine 2,5-Stunden-Reise und 5 Minuten Schwerelosigkeit. Haben Sie keine Angst, enttäuscht zu werden?
In dem Fall bin ich überzeugt, dass es eine unglaubliche Erfahrung wird. Ich denke, dass man die Welt danach anders sieht, nicht mehr alles so wichtig nimmt. Und was einem 200'000 Dollar wert sind, ist für jeden anders. Mein Schwager hat gesagt, ich solle mir doch lieber einen Porsche kaufen, jemand anderes würde sich ein Eigenheim finanzieren, und ich leiste mir diese absolut einmaligen fünf Minuten. Beim Bungeejumping dauert das Erlebnis ja nur zwei Sekunden und ist trotzdem sensationell.

Kostet aber auch einen Bruchteil.
(Lacht) Das stimmt. Deshalb habe ich ja auch lange gezögert und mich gefragt, ob ich nicht noch zehn Jahre oder so warten soll, bis die Preise sinken. Aber ich weiss ja nicht, ob ich dann noch starten könnte.

Welche Bedingungen müssen Sie erfüllen?
Ich muss medizinische Tests durchführen lassen. Und unmittelbar vor dem Start gibts drei Tage Training.

Offenbar machen Sie auch Bungeejumping. Sind Sie immer auf Adrenalinkicks aus?
Ich bin jemand, der alles ausprobieren möchte: Bergsteigen, Fallschirmspringen oder eben vom Verzasca-Damm aus 200 Metern runterspringen.

Teilt Ihre Frau solche Vorlieben?
Überhaupt nicht. Bei meinem Verzasca-Sprung hat sie sich kaum auf den Damm zum Zuschauen gewagt, weil sie Höhenangst hat.

Und Sie sind absolut furchtlos?
Nein, aber beim Weltraumflug habe ich nullkommanull Angst. Das wird sicherer sein, als mit dem Auto zum Flughafen zu fahren. Richard Branson wird sich und seine Firma wohl kaum ruinieren wollen.

Sie gehören zu den weltweit rund 300 Personen, die ein Ticket reserviert haben, und sind damit in erlauchter Gesellschaft.
Ja, man munkelt, es hätten unter anderen Madonna und Tom Hanks gebucht.

Ist die Option, vielleicht mit Madonna ins All zu fliegen, ein zusätzlicher Kick?
Sie ist ja ein bisschen verrückt, aber das könnte vielleicht lustig werden. Nein, im Ernst: Eigentlich würde ich im Spaceship lieber unter meinesgleichen sein.

Die Welt ringt um die Reduktion des CO2-Ausstosses, und Sie lassen sich ins All schiessen. Keine ökologischen Bedenken?
Ich habe das angeschaut, der CO2 entspricht etwa einem Langstreckenflug. Im Vergleich zu den Millionen Flügen sind die paar Raketenstarts kein Thema.

Aber ist es nicht dekadent, dass Touristen jetzt auch noch bis ins Weltall reisen?
Ich finde nicht. Das sind neue Welten, die sich auftun und die es zu entdecken gilt.

Spricht da der Sciencefiction-Fan in Ihnen?
Sciencefiction spinnt Gedanken weiter, die auf Tatsachen beruhen. Das hat mich schon immer fasziniert. «Raumschiff Enterprise», «Star Wars» oder Kubricks «2001: A Space Odyssey» – ich habe alles auf DVD und dank unserer Neffen auch immer wieder eine Ausrede, mir die Filme einmal mehr anzuschauen.

Und Sie glauben, dass die Fiktion dereinst Realität wird?
Ich glaube, dass wir neue Lebensräume im Weltall suchen werden, nur schon, weil unser Planet zu klein wird. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben.

Würden Sie es aber gerne erleben?
Wenn ich in eine Zeitmaschine hüpfen und mich 100 Jahre vorwärtsbeamen könnte, würde ich das sofort machen.

Und zurück zu den Höhlenbewohnern?
Nein, wozu auch. Mich interessiert die Zukunft. Wenn ich wählen könnte, würde ich lieber 200 Jahre später leben als jetzt. Übrigens: Vor kurzem bin ich im Web auf den Anbieter Space Adventures gestossen, der wirbt mit künftigen Flügen zum Mond – die 100 Millionen Dollar kosten sollen.

Und so einen reservieren Sie als Nächstes?
(Lacht) Das liegt leider über meinen Verhältnissen. Und ich würde ohnehin lieber auf den Mars fliegen mit seiner spektakulären roten Sandlandschaft.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.02.2009, 22:23 Uhr

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5 Kommentare

piero melillo

05.02.2009, 08:34 Uhr
Melden 1 Empfehlung

es hat nichts mit glück zu tun! wieso müsst ihr immer mit diesen pseude bla bla bla kommen. 80% von spenden gehen in die taschen der org. und das sind millionen. was sind da 200'000.00. und wenn man richtig lesen kann verzichtet er auch auf vielen und wird auf vielen verzichten nach dem flug. mich würde wunder nehmen wie die bankkonten aussehen von euch allen die immer solche sprüche schreibt... Antworten


Peter Nyiroe

05.02.2009, 01:41 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Recht hat er. Carpe Diem. Der Mensch ist Gefangener seiner Träume. Zudem besser, als das Geld von den Banken in Rauch aufgehen zu lassen. Antworten



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