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So cool sehen krisenerprobte Paare aus. Liz Taylor war mit ihrem Schauspielkollegen Richard Burton gleich zweimal verheiratet. Unser Bild zeigt die beiden bei ihrer ersten Trauung 1964.
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Die Scheidungsraten versprechen bekanntlich gerade mal der Hälfte aller Ehen langes Glück. Kommen die unverheirateten (und darum nicht gezählten) Paare hinzu, die auseinandergehen, dann sieht es noch düsterer aus. Trotzdem klingt die Meldung von den vielen Trennungen längst nicht mehr so bedenklich wie auch schon.
Schliesslich ist eine Scheidung oder Trennung keine gesellschaftliche Tragödie mehr. Ausserdem ist das Parkett danach ja wieder frei. Man heiratet zum zweiten oder x-ten Mal, geht Beziehungen ein. Patchworkfamilien funktionieren, WGs auch, und wer sich als Single gut fühlt, ist in bester Gesellschaft und sieht sich jetzt auch soziologisch bestätigt (Lesen Sie auch: «Weibliche Singles: Allein und ganz fröhlich»). Ein Spruch bringt das alles munter auf den Punkt: Keine meiner drei Ehen war ein Misserfolg!
Die gute Nachricht von der Freiheit der Beziehungen zieht viele komplizierte Fragen nach sich. Eine heisst: Wie lange hält denn eine Partnerschaft? Oder eigentlich: Wie lange wollen wir, dass sie hält? (Lesen Sie auch: «10 Warnsignale dafür, dass Ihre Partnerschaft bald in die Brüche geht»)
Als ein paar Gründe zusammenzubleiben, auch wenn das Leben zu zweit nicht perfekt ist, lesen sich auch Einsichten aus der Paartherapie wie kürzlich auf «Daily Mail» notiert:
- Es gibt keine sogenannte normale Ehe. Manche Partner wohnen nicht zusammen, manche brauchen ein Jahr Pause, manche haben keinen Sex. (Lesen Sie auch: «Freundschaft ist besser als Sex. Oder?») Egal, wenn es funktioniert. Wer wollte behaupten, es sei nicht normal?
- Es kommt nicht darauf an, wie viel Sex stattfindet. Aber wichtig ist, dass beide zufrieden sind damit.
- Es gibt immer andere Paare, die noch extravagantere Probleme haben. Was auch immer schwer wird, «es geht immer um Kompromisse».
- Es braucht den Willen zur Beziehung.
So auf den ersten Blick scheint klar: Steht viel auf dem Spiel, sind Kinder da, nehmen wir Schwierigkeiten in Kauf und mobilisieren Energie, um die Beziehung zu retten. Aber wahrscheinlich verhalten wir uns auch je nachdem, wie die Alternativen aussehen. Auch in Beziehungsdingen sieht es so aus, als blieben zumindest viele Türen offen, selbst wenn man sich erst mal für eine entschieden hat. Der Ausstieg mag zumindest gesellschaftlich leichter sein als auch schon. Bloss: Macht das glücklich?
Vielleicht war das Konzept des Lebensabschnittspartners auch schon attraktiver als heute. Zwei Ansätze haben die Frage untersucht und kommen zu ganz überraschenden Schlüssen.
Mehr ist weniger
«Warum machen uns all die Möglichkeiten und all der Überfluss nicht glücklich?», fragt der Psychologe und Journalist Bas Kast in der «Zeit». Er hat untersucht, woran genau viele der «relativ privilegierten Stadtneurotiker» leiden, wenn sie über die «Zumutungen des modernen Lebens» stöhnen. Irritiert über das Klagen, «warum es heute so schwierig ist, Arbeit und Liebe unter einen Hut zu bekommen», begibt er sich auf Recherche und erkennt: Mehr Möglichkeiten machen weniger glücklich, weil man fast zwangsläufig immer die meisten Möglichkeiten verpasst.
Kast stützt sich auf Untersuchungen der Forscherin Sheena Iyengar. Sie fand heraus, dass Menschen, denen sich im Laden eine Auswahl von sechs Konfitüresorten anbietet, eher ein Glas kaufen und damit glücklicher sind als Kunden, denen 24 Konfitüresorten zur Auswahl stehen – diese kaufen weniger ein und sind damit auch unzufriedener. Analog dazu schlägt Kast das Bild mit dem Glaceladen vor: Wer aus drei Sorten Glace zwei Kugeln bestellt, hat schon fast das gesamte Angebot ausprobiert. Werden hingegen 200 Sorten angeboten, bleibt die Wahl, entweder auch hier zwei Drittel davon zu probieren und krank zu werden, oder zwei Kugeln zu bestellen und alle anderen 198 Sorten zu verpassen.
Auch wenn Himbeersorbet wenig mit einem Partner zu tun hat: Der Vergleich mit Online-Partnervermittlungen ergibt sich da fast von selbst. Fühlt sich da nicht jeder daneben, der selbst aus Millionen von «angebotenen» Mitgliedern niemanden findet?
Kast schreibt: Die Überflussgesellschaft stelle für die Psyche eine Herausforderung dar: «Habe ich mich auch richtig entschieden? Hätte ich nicht lieber...? Sollte ich nicht, und ich könnte doch auch...? So rumort es im Kopf des modernen Stadtneurotikers angesichts der zahlreichen Optionen, von denen er – wie unbefriedigend! – immer nur einige wenige wahrnehmen kann.»
«Manches einfach aushalten»
So rumort es wohl auch, wenn es harzig wird in der Liebe, wenn der Alltag überhand nimmt und der Stress zwischen Job und/oder Kindern und/oder Sorgen. Sehr antizyklisch empfiehlt der bekannte Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer im «Spiegel»-Interview: «Zu einer guten Partnerschaft gehört auch, dass man den anderen toleriert und manches einfach aushält.»
Als Muster komme vor, dass «der Mann denkt, die Ehe funktioniert, wenn die Kinder gewaschen sind, ein Essen auf dem Tisch steht und manchmal noch Sex stattfindet. Die Frau hingegen ist ganz unzufrieden, sie sagt, so können wir nicht leben, wir unternehmen nichts gemeinsam, wir reden nicht miteinander.» Unterschiedliche Perspektiven und Voraussetzungen, mitunter gelte es für beide Seiten, dass man sogar «Schmerz» ertrage – und ihn erträglich mache. (Lesen Sie auch: «Was ist mit der guten alten Romantik?»)
Sehr bedenkenswerte Sätze, die sich so gar nicht ins Bild der leichtherzigen und schnelllebigen Beziehungen fügen. Kast folgert, eine Lebenskrise treffe Menschen härter in einer Gesellschaft, in der so ganz augenscheinlich dem Glück nichts im Weg steht. Dass nicht alles wie eine reife Frucht im Schlaraffenland vom Baum fällt, wissen wir ja. Schön nur, dass es ab und zu zur Sprache kommt.
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(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.05.2012, 20:13 Uhr
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