Leben

Gefahr durch Bevölkerungswachstum und Klimawandel

Von Philippe Reichen. Aktualisiert am 25.04.2012 7 Kommentare

Die grosse Nachfrage nach Nahrungsmitteln und die volatilen Preise beunruhigen die Rohstoffhändler. Gestern trafen sie sich zum Rohstoffgipfel in Lausanne.

Einer der Märkte, wo die Nachfrage nach Rohstoffen in den nächsten Jahren besonders stark zunehmen wird: China.

Einer der Märkte, wo die Nachfrage nach Rohstoffen in den nächsten Jahren besonders stark zunehmen wird: China.
Bild: Keystone

Glencore: Kritik am Gehaltsreport

Die britische Aktionärsberatungsgesellschaft Pirc fordert die Aktionäre von Glencore auf, an der Generalversammlung vom 9. Mai gegen die Wiederwahl von drei Verwaltungsräten zu stimmen, darunter VR-Präsident Simon Murray. Pirc, die vor allem Pensionsfonds berät, bemängelt, dass die drei Kandidaten nicht unabhängig seien. Bei Murray komme dazu, dass er noch in 23 weiteren Verwaltungsräten sitze, womit sich die Frage nach seinem Engagement bei Glencore stelle.

Die vom Rohstoffkonzern aufgestellten Kandidaten, inklusive Glencore-Chef Ivan Glasenberg, kontrollieren 34 Prozent des Unternehmens. Pirc kritisiert auch den Vergütungsbericht. Der variable Gehaltsanteil könne bis zu 700 Prozent über dem Basissalär liegen. Auch würden die Leistungskriterien und die Ziele für Entschädigungspläne nicht offengelegt.

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Die Rohstoffhändler müssten frohlocken. Die Weltbevölkerung wächst sprunghaft, bis 2050 werden gemäss Berechnungen der UNO 9,1 Milliarden Menschen auf der Erde leben – 2,1 Milliarden mehr als heute. Somit wird die Nachfrage nach Rohstoffen langfristig ansteigen, und sie nimmt heute schon rapide zu, besonders in den Wachstumsmärkten China, Indien oder Brasilien.

Doch die Rohstoffproduzenten und -händler, insbesondere im Nahrungsmittelsektor, befürchten, die steigende Nachfrage nicht mehr befriedigen zu können. «Wir haben eine solche Preisentwicklung wie jetzt noch nie in unserem Leben gesehen», sagt der Inder Sunny Verghese am von der «Financial Times» organisierten Rohstoffgipfel in Lausanne. Der Co-Gründer der Handelsfirma Olam weiss aus seiner Heimat, wie sehr Nahrungsmittelpreise die Lebensqualität beeinflussen. Eigentlich müsste über Nahrungsmittelsicherheit diskutiert werden, doch Verghese prophezeit, der Welt stehe eine Nahrungsmittelkrise bevor. Insbesondere China sei nicht fähig, sich selbst zu ernähren. Alleine letztes Jahr habe das Land 60 Millionen Tonnen Soja importiert.

China will in Afrika anbauen

China drängt darauf, in Afrika und Südamerika für die Eigenversorgung und die Unabhängigkeit vom Weltmarkt ganze Gebiete bepflanzen zu können. Ob dies gelingt, ist offen. Abdolreza Abbassian, Analyst der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO), sieht eine Schwierigkeit darin, vor Ort Bewilligungen zu bekommen.

Die Klimaveränderung ist für Sunny Verghese das noch viel grössere Problem. Klimatische Unsicherheiten halten die Preise ständig in Bewegung und treiben sie in die Höhe. Gestern haben Spekulationen über eine Kältewelle in den Hauptanbaugebieten der USA den Preis für Weizen und Mais in die Höhe schnellen lassen. Beim Mais kommt hinzu, dass die Aussaat aufgrund von Regenfällen bislang hinter den Markterwartungen zurückgeblieben ist. Auch US-Sojabohnen verteuerten sich. Hier gaben Börsianern zufolge Spekulationen auf weitere Bestellungen aus China Auftrieb.

Problem Ethanol-Getreide

Sunny Verghese wünscht sich als Massnahme langfristige Planungen und Investitionen in Landwirtschaftsprojekte. Doch er sieht sich mit zwei Problemen konfrontiert: Landesregierungen seien meistens fünf bis sechs Jahre an der Macht, was für die langfristige Planung nicht gut sei; und Investoren würden heute nicht mehr auf acht Jahre, sondern nur noch auf acht Monate hinaus investieren, was zu wenig bringe.

Was Verghese, Abbassian und andere Händler fordern, ist die Aufgabe der Ethanol-Herstellung aus Mais und Getreide. Dies ergebe weder ökonomisch noch ökologisch Sinn, so Abbassian. Die Diskussion in Lausanne stimmte ihn insgesamt zuversichtlich. Für die FAO, die auf Nahrungsmittelhändler und -produzenten höchstens auf politischem Weg Einfluss nehmen kann, sei es entscheidend, dass die Unternehmen sich mit um die Nahrungsmittelsicherheit bemühten, so Abbassian. Auch die Unternehmen hätten mittlerweile gemerkt, dass sie sich um eine gute Reputation bemühten müssten.

Auch die Ölhändler hätten gerne stabilere Preise. «Unser Problem liegt nicht unter, sondern über dem Boden», sagte Torbjörn Törnqvist, VR-Präsident und Chef der Gunvor Group, und meinte damit den Krisenherd Syrien und die politische Instabilität rund um Massnahmen gegen den Iran. Daniel Jaeggi, Co-Gründer und Leiter des Genfer Handelsunternehmens Mercuria, rief in Erinnerung, dass sich die Preise zwar auf- und abbewegten, aber im Langzeitvergleich stabil seien. Er geht davon aus, dass das Barrel Rohöl in Zukunft 90 bis 95 Dollar kostet. Jaeggi befürchtet jedoch, dass die Konfrontation mit dem Iran ein erstes Kapitel sein könnte, dem weitere folgen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.04.2012, 20:13 Uhr

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7 Kommentare

Ueli Fuhrer

28.04.2012, 10:40 Uhr
Melden 9 Empfehlung 0

Darum betonieren wir in der Schweiz alles Ackerland zu, und natürlich das fruchtbarste im Mittelland! Antworten


Ursula Jungo

27.04.2012, 17:04 Uhr
Melden 5 Empfehlung 0

Es geht um die Ernährung der Weltbevölkerung und die Banken wetten in den Börsen!Verwetten die Banken ihr Geld,müssen die Leute ihr sauerverdientes Geld dem Staat geben mittels Steuern und anderen Abgaben,damit der Staat die Banken retten kann,obwohl die Leute bald kein Geld mehr haben um Lebensmittel zu bezahlen!Was ist nur alles falsch geworden auf unserer Welt!!! Antworten



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