Leben
Es wird schwieriger, Chef zu sein
Von Rahel Koerfgen. Aktualisiert am 07.05.2012 10 Kommentare
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Sie waren die Alphatiere der Weltgeschichte. Skrupellose Führungspersönlichkeiten ohne Mitleid für jene, die von ihnen beherrschend geführt wurden. Ihre Namen: Alexander der Grosse, Julius Cäsar, Napoleon, Nero, Kapitän Bligh. Was diese Herren verband, war ihr Hunger nach Herrschaft und das Machiavelli-Gen: dass der Zweck jedes Mittel heiligt. Sie stehen für schnelle Expansion, für Krieg, für ein Leben voller Macht, Intrigen und Sex. Sie dominierten zu Zeiten, in denen Führungsqualität zur Hauptsache das Gewinnen von Kriegen war.
Motivieren, statt delegieren?
Mit der Zeit haben sich die Anforderungen an Führungskräfte gewandelt. Im Zuge der Globalisierung sowieso. «Heute Chef zu sein, ist nicht leicht. Oder zumindest schwieriger als früher», sagt Markus Schluchter. Er berät bei Grass&Partner in Basel Manager zu Fragen der guten Führung. «Früher war die Hörigkeit gegenüber Hierarchien grösser. Der Patron sagte, wo es langgeht, er wurde nie infrage gestellt», sagt Schluchter. Das habe sicher auch mit der Geschichte zu tun, eine Art Reflex.
Heute, mit zunehmend flacheren Hierarchien und dem amerikanisch-kollegialen Umgang, der sich auch bei uns durchgesetzt hat, müsse der Chef über Kompetenz und Leadership seine Mitarbeiter erst einmal überzeugen. Es gehe ums vernetzte Zusammenarbeiten, sagt Schluchter. Er definiert Führung so: «Mit Menschen Ziele erreichen.» Mit Betonung auf «mit»: «Nur wenn man die Mitarbeiter für seine Ziele begeistern kann, erreicht man diese.»
«Ein guter Chef fühlt sich ihnen verpflichtet.»
Die Schwierigkeit an diesem Bericht: Was ist mit «Chef» eigentlich gemeint? Reden wir hier von einem Unternehmer, einem CEO, der mehrere Tausend Leute unter sich weiss, oder doch «nur» von einem Teamleiter? Je nach Position unterscheiden sich die Anforderungen in verschiedenen Punkten. Doch gibt es auch Eigenschaften, die sowohl für einen Teamleiter als auch für den Chef eines Grosskonzerns unerlässlich sind. Dass man nur mit den Mitarbeitern seine Ziele erreichen kann, ist ein solcher Punkt.
Dies kann Klaus Endress nur bestätigen. Er leitet seit 1995 das Familienunternehmen Endress+Hauser mit Sitz in Reinach. Damals übernahm er von seinem Vater Georg H. Endress, einem Unternehmer durch und durch, die operative Führung. Endress weiss rund 8600 Mitarbeiter unter sich – weltweit. «Menschen machen das Unternehmen aus», sagt er. «Ein guter Chef fühlt sich ihnen verpflichtet.»
Gute Ziele allein reichen aber nicht aus. «Bei der Erreichung dieser schätzen es die Angestellten, wenn sie möglichst viel Freiraum haben. Nichts motiviert mehr als persönlicher Erfolg», sagt Schluchter. Er hat indes festgestellt, dass es vielen Chefs nicht leichtfällt, die Zügel aus der Hand zu geben und nicht jeden Schritt vorzukauen.
Durchsetzungsvermögen – verbal
Reto Liniger, Mediensprecher bei Angestellte Schweiz, einer der stärksten Arbeitnehmerorganisationen der Branchen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) und Chemie/Pharma, gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken: «Auch wenn der Chef die Zügel aus der Hand gibt – eine klare Linie muss er unbedingt haben.» Er müsse Durchsetzungsvermögen an den Tag legen. Das würden die Angestellten schätzen und es schaffe Respekt.
«Die Kommunikation darf aber nicht destruktiv kränkend sein, sondern klar, motivierend und von einer positiven Grundeinstellung den Angestellten gegenüber geprägt.» Dabei seien gute Kommunikationsfähigkeiten für die Führungsperson zwingend. «Heute passiert viel mehr im Dialog.»
Begeisterung ist unerlässlich
Gewisse Eigenschaften, die den Erfolg der grossen Krieger früher ausmachten, sind heute trotzdem noch gefragt. Zum Beispiel Begeisterung für die Sache. «Wer Emotionen und Leidenschaft vorlebt, ist erfolgreich», ist Liniger überzeugt. Denn: «Das wirkt ansteckend.»
Und auch die Führungspersönlichkeiten der Historie haben grosse Ziele verfolgt, an denen sie ohne Wenn und Aber festgehalten haben. «Natürlich müssen die angestrebten Ziele einer Führungskraft heute nicht aus dem Erreichen der Weltherrschaft oder der Topposition im Markt bestehen. Irreale Ziele können nämlich auch demotivierend wirken», sagt Markus Schluchter. «Es geht darum, Ziele zu wählen, die zu Expansion führen und das eigene Team voranbringen.»
Sowohl für Schluchter als auch für Liniger gehört bei einem guten Chef – sei es nun der Abteilungsleiter oder der CEO – eine Portion Charisma dazu. Klare, ehrliche und fassbare Typen seien gefragt. Denn das schaffe Sympathie. Klaus Endress ergänzt, dass der Chef authentisch und integer sein müsse. «Er darf nicht Wasser predigen und selbst Wein trinken.»
Sympathie, so Liniger von Angestellte Schweiz, schaffe man auch, indem man als Chef Interesse am Mitarbeiter sowie Wertschätzung für dessen Arbeit an den Tag lege. «Kritik ist wichtig und nötig – Lob ist mindestens ebenso relevant.» In diesem Zusammenhang gebe es aber klare Grenzen, so der Mediensprecher: Es sei sicher von Vorteil, den Mitarbeiter zu kennen und auch in gewisser Weise zu mögen. «Eine klare Trennung zwischen Privat und Geschäft ist aber wichtig.» Denn: Die Hierarchie müsse dabei ersichtlich bleiben.
Die Globalisierung und ihre Tücken
Schluchter gibt zu bedenken, dass ein zu freundschaftlicher Umgang mit den Mitarbeitern dazu führen könne, dass aus Rücksicht zum Mitarbeiter gewisse Entscheidungen anders gefällt werden. «Aber den Menschen hinter dem Mitarbeiter sollte man unbedingt ein wenig kennen. Dann kann man besser führen.»
Doch genau das geht vielen Chefs heute ab. Weil sie schlicht keine Zeit mehr für ihre Mitarbeiter haben. «Im Vergleich zu früher sind Topmanager heute viel stärker eingespannt.» Vor ein paar Jahrzehnten war das Geschäften im Allgemeinen weniger dynamisch, es kam weniger Druck aus anderen Ländern wie heute beispielsweise aus China, so Schluchter. «Die Globalisierung hat den Kostenspardruck und das permanente Streben nach Produktivitätssteigerung klar verstärkt.» Die Folge sei ein erhöhter Druck auf allen Ebenen. Das Soziale komme oftmals zu kurz.
Sozialkompetenz ist unabdingbar
Ein weiterer Punkt, der überfordert: Diversity. Mit zunehmender Migration und Globalisierung wird die Mitarbeiterschaft gerade bei Grosskonzernen laufend heterogener. Deshalb sei Sozialkompetenz heute und in Zukunft mehr denn je gefragt, sagt Liniger. «Viele Sprachen werden gesprochen, verschiedene Kulturen sind unter einem Dach vereint. Das wird auch für den Chef eine grosse Herausforderung.» Der Chef von heute hat also weniger Zeit für die Mitarbeiter, muss sie aber trotzdem besser verstehen können als noch vor ein paar Jahren. Eine ziemliche Gratwanderung. Napoleon und die anderen hätten darauf mit Gewalt geantwortet. Aber die sind so was von gestern. (Basler Zeitung)
Erstellt: 07.05.2012, 13:39 Uhr
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10 Kommentare
Wie bei jedem Angestellten wird Leistung erwartet und dies zu einen normalen Salär was ich speziell bei Mr. Dougan nicht ausmachen kann dies bei mässiger Leistung und Erfolg.
Man müsste das Preis Leistungsverhältnis der sogenannten Kader / Führungsebene jährlich überprüfen und dementsprechend die Vergütung bestimmen das würde bedeuten das die Mehrheit diese Löhne nicht verdienen.
Antworten
heute muss keine manager führen können. nur "seilschaften" brauchts. ausserdem kann es dem herrn d. egal sein. nach dem motto "nach mir die sintflut". bei solchen gehältern/boni zählt der mitarbeiter eh nur als "ressource" und die kosten immer zuviel. und was lernen wir daraus. glaube keinem manager/politiker mehr. Antworten
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