Erbarmungsloser Selbstschutz
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 02.03.2010 46 Kommentare
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In England sorgt zurzeit eine Studie der Metropolitan Police für Aufsehen, die besagt, dass über die Hälfte der befragten Frauen mit Vergewaltigungsopfern nicht etwa solidarisch ist, sondern sie zumindest teilweise als selbst schuld am Vorgefallenen erachtet. So befremdlich das auf den ersten Blick sein mag, überraschend ist es nicht. Das Resultat zeigt vielmehr auf, wie Frauen aus Selbstschutz eine Sichtweise übernehmen, die sich längst als falsch erwiesen hat.
Dazu muss man sich nur den Fall Hirschmann in Erinnerung rufen: Während beim Beschuldigten in jeder Berichterstattung auf die Unschuldsvermutung verwiesen wurde, fand umgehend eine Verurteilung der mutmasslichen Opfer statt. Auch da waren es hauptsächlich Frauen, die sich in den Medien zur Aussage hinreissen liessen, dass «jene» Frauen eben schon auch nicht ganz unschuldig seien.
Im Glanze Hirschmanns sonnen
Man warf den Opfern indirekt vor, Partygirls zu sein, kurze Röcke und tiefe Ausschnitte zu tragen und sich im Glanze Hirschmanns sonnen zu wollen, indem sie sich ihm an den Hals warfen. Da schwang Moral mit, eine Missbilligung auch, da stellten sich Frauen über andere Frauen, weil ihnen deren Lebenswandel als verwerflich erschien, weil deren Kleidung nicht ihrem Stilempfinden entsprach. Dahinter steckt der Gedanke, dass einer anständigen Frau so etwas nicht passiert. Weil da offenbar noch immer irgendwo in den Köpfen der Gedanke feststeckt, dass eine Frau eine Vergewaltigung oder einen sexuellen Übergriff mit dem richtigen Auftreten verhindern kann. Wenn sie zum Opfer wird, hat sie sich eben falsch verhalten. So argumentieren auch Täter.
Frauen scheinen diese Denkweise so verinnerlicht zu haben, dass gemäss der Londoner Studie ein Viertel der Befragten angab, eine Vergewaltigung auf keinen Fall zu melden, wenn sie zuvor Alkohol getrunken hätten. Oder heftig geflirtet. Zu gross wäre das Schuldbewusstsein, zu gross die Angst, ihre moralische Integrität könnte in Zweifel gezogen werden. Auch 2010 soll eine tugendhafte Frau einem ganz bestimmten Bild entsprechen, obschon doch längst das Gegenteil erwiesen ist: Bei einer Vergewaltigung geht es nicht um Sex, sondern um Macht. Ob der Rock kurz ist oder nicht, ob geflirtet wird oder nicht, spielt keine Rolle.
Es mag beruhigend sein, sich als Frau einzureden, dass eine Vergewaltigung nur anderen passiert, jenen eben, die sich zu wenig damenhaft verhalten, zu wenig züchtig kleiden. Die Realität sieht leider anders aus. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.03.2010, 07:11 Uhr
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46 Kommentare
@Alexander Müller: Ich gebe Ihnen Recht: keine Frau provoziert vorsätzlich eine Vergewaltigung! Provozieren möchte eine Frau natürlich schon, wenn sie sich freizügig kleidet: nämlich Aufmerksamkeit! Diesem Verhalten liegt eine sehr egozentrische weibliche Anspruchshaltung zu Grunde: Männer sollen sollen durch sexuelle (An)reize zum hinschauen "verführt" werden, aber gefälligst asexuell reagieren.. Antworten
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