Leben

Ein ganz neuer Auftritt

Von Peter Nonnenmacher, London. Aktualisiert am 08.11.2010 7 Kommentare

Sie zeigt sich neuerdings im Kopftuch – und mit dem Koran in der Hand: Lauren Booth, die Schwägerin von Tony Blair, ist zum Islam konvertiert.

Iranische Regimegegner fragen: «Ist diese Frau verrückt geworden?». Lauren Booth, hier bei einer Gaza-Aktion im 2008, als sie gegen die Seeblockade von Israel protestierte.

Iranische Regimegegner fragen: «Ist diese Frau verrückt geworden?». Lauren Booth, hier bei einer Gaza-Aktion im 2008, als sie gegen die Seeblockade von Israel protestierte.
Bild: Reuters

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Ihr Schwager ist schon vor drei Jahren übergetreten. Tony Blair, ehedem anglikanischer Regierungschef Englands, schloss sich zu Weihnachten 2007 Papst Benedikts Bataillonen an und wurde wie seine Frau Cherie römisch-katholisch. Nun hat auch Lauren Booth, Cheries Halbschwester, durch ihre religiöse Neuorientierung Aufsehen erregt. Booth ist allerdings einen Schritt weiter gegangen als Blair: Sie zeigt sich neuerdings im Kopftuch – und mit dem Koran in der Hand.

Die 43-jährige Journalistin, verheiratet mit einem Schauspieler und Mutter zweier Kinder, geniesst das Rampenlicht, das ihr die Konversion zum Islam beschert. An einem Fatima-Schrein in Qom im Iran, berichtet sie, sei ihr im September klar geworden, dass sie in der Gesellschaft von Muslimen «ein sehr viel stärkeres Gefühl von Offenheit und Wärme» erfülle. Sie habe endlich «die grosse Lüge» des modernen Lebens mit den Versprechungen dauerhaften Glücks durch Materialismus, Shopping, Sex und Drogen durchschaut. Dahinter sei ihr eine zauberhafte Welt «von Liebe, Friede und Hoffnung» aufgegangen.

«I'm a Celebrity» war früher

Ist das dieselbe Lauren Booth, die sich als notorische Selbstdarstellerin stets um Schlagzeilen riss, fragt sich England. Die Frau, die früher privateste Familienangelegenheiten offenbarte? Die als Kolumnistin der muslimkritischen «Mail on Sunday» marktschreierische Beiträge schrieb? Die sich als Teilnehmerin der Reality-TV-Show «I’m a Celebrity» im Dschungel bei grotesken Mutproben filmen liess?

Das alles, meint die Frischbekehrte, liege nun für immer hinter ihr. Sie habe Schweinefleisch und anderen falschen Genüssen abgeschworen und bete jeden Tag eine halbe Stunde. Sie arbeite sich durch den Koran und sei schon über Seite 200 hinaus. Gelegentlich besuche sie eine Moschee. Und nein, sie würde auch nicht ausschliessen, sich vollkommen zu verschleiern. Das Wichtigste aber sei für sie die Absage an den Alkohol. «In der Vergangenheit sind alle meine Versuche gescheitert, vom Alkohol loszukommen. Seit meinem Übertritt kann ich mir nicht mal vorstellen, einen Drink in die Hand zu nehmen.»

Der Job beim iranischen Fernsehen

Dass ihre Konversion «sarkastische Bemerkungen» ausgelöst hat, schreibt sie hartnäckigen britischen Islam-Klischees zu. Kritikerinnen wie die Kolumnistin Julie Burchill andererseits werfen «der gescheiterten Schauspielerin und mittelmässigen Schreiberin» vor, kein echtes Interesse am Islam, dafür aber «einen beispiellosen Sensationshunger» zu haben. «Alle zwei Wochen ein neues Drama» lasse sich Booth einfallen, meint Burchill-Kollegin Marina Hyde. Nicht einmal ihr jahrelanges Engagement für die Palästinenser, ihre Teilnahme an Gaza-Aktionen, ihr früherer Widerstand gegen den Irak-Krieg werden ihr positiv angerechnet. Schon gar nicht, dass sie dem lieben Schwager vorgeworfen hat, voreingenommen gegen Muslime und als Nahost-Vermittler nutzlos gewesen zu sein.

Das grösste Problem, das ihre Heimat mit ihr hat, ist ihre gegenwärtige Beschäftigung: Lauren Booth hat nämlich bei «Press TV» angeheuert, einem englischsprachigen Nachrichtenprogramm des iranischen Fernsehens. Dass ihre religiöse Erleuchtung und ihr züchtiges Auftreten mit der Übernahme dieses Jobs zu tun haben könnten, weist sie zurück – während iranische Regimegegner auf ihrer Website fragen: «Ist diese Frau verrückt geworden?» Cherie und Tony hüllen sich derweil in Schweigen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.11.2010, 15:14 Uhr

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7 Kommentare

Peter Brun

08.11.2010, 17:29 Uhr
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Vom Saulus zum Paulus....? Die Veränderung dieser Frau ist völlig unglaubwürdig. Nichts ist ihr zu billig und heilig um sich weiterhin wichtig zu machen und in den Schlagzeilen zu bleiben; offenbar mit Erfolg ...... Antworten


Helena Rupp Grau

08.11.2010, 16:36 Uhr
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Liebe, Friede und Hoffnung? Da kommt mir alles mögliche in den Sinn, aber nicht der Islam. Aber wenn sich als Frau unter den Gesetzen der Scharia so wohl fühlt und den Niqab nicht schnell genug anziehen kann, dann frage ich mich schon, ob sie wirklich den ganzen Koran gelesen hat oder sich nur die schönen Verse rausgepickt hat. Antworten



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