Leben
Diese Hotels trotzen der Krise
Von Olivia Raths. Aktualisiert am 16.08.2012 18 Kommentare
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Artikel zum Thema
- Gebetsteppich mit Kompass im Schweizer Hotelzimmer
- Der Schweiz drohen Hotelsterben und Entlassungen
- Einige Regionen trotzen der Hotellerie-Flaute
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Die ganze Schweiz spürt den Gästeschwund im Tourismus. Die ganze Schweiz? Nein, an einigen Orten geht es aufwärts. Wie wir letzte Woche berichteten, verzeichnete etwa Interlaken ein Gästeplus von 1,7 Prozent im ersten Halbjahr 2012. Vor allem Touristen aus den Golfstaaten und China trugen dazu bei.
Um für Gäste aus ersterer Region attraktiv zu sein, legt etwa das Hotel Metropole in Interlaken Gebetsteppiche mit integriertem Kompass in den Zimmern bereit. Was unternehmen andere Schweizer Hotels, um trotz Krise für gut ausgelastete Häuser zu sorgen?
Hotel Terrace in Engelberg OW: Drei Monate ausschliesslich Inder
Engelberg ist eine der Schweizer Top-Destinationen bei indischen Touristen. Dabei ist das Hotel Terrace der Hotspot unter den Unterkünften dieser Gästegruppe. Obwohl der Obwaldner Ferienort im ersten Halbjahr 2012 ein Übernachtungsminus von sechs Prozent verzeichnet, war das Terrace von April bis Juni zu 90 Prozent ausgelastet. Peter Reinle, Marketingleiter der Bergbahnen Engelberg-Titlis, zu denen auch das Terrace gehört: «Die Auslastung des Hotels ist hoch und liegt in der bisherigen Sommersaison knapp auf Vorjahresniveau.»
Im April, Mai und Juni ist das Hotel konsequent auf indische Gruppen ausgerichtet und beherbergt keine anderen Gäste. In dieser Zeit arbeiten indische Köche für das Hotel, und mehrmals pro Woche findet dort eine indische Disco statt. «Das Essen ist besonders für indische Besucher ein sehr wichtiger Aspekt», so Reinle. «Um im Markt erfolgreich zu sein, muss auch das Kulinarische im Zentrum stehen.» Indisches Essen wird in Engelberg auch an der Tal- und Bergstation des Titlis angeboten, und am Berg sind die Wegweiser für die Besucher teils auch in Hindi angeschrieben. «Die Inder besuchen die Region wegen der Berglandschaft, des vielen Grüns und wegen des Schnees, der für sie ein Highlight ist», sagt Reinle.
Hotel La Val in Brigels GR: Berg-Spa mit hohem Schweizer Anteil
Den stärksten Rückgang an Logiernächten erlitt der Kanton Graubünden mit 7,6 Prozent im ersten Halbjahr 2012. Trotzdem können einige Hotels ihre Gästezahlen halten oder sogar steigern wie etwa das Hotel La Val in Brigels mit seinem Berg-Spa. «Momentan sind wir zu 100 Prozent ausgelastet», sagt Hoteldirektor Chris Faber gegenüber DerBund.ch/Newsnet. «Auch in den ersten sechs Monaten von 2012 liegen wir über Vorjahresniveau.» Allerdings würden die Zahlen noch nicht viel aussagen, weil das Hotel erst Ende 2010 eröffnet wurde. Fast zwei Drittel der Gäste sind Schweizer, an den Wochenenden steigt der Anteil laut Faber gar auf 90 Prozent. «Es kommen viele Leute aus den Kantonen Zürich, St. Gallen und den beiden Basel. Sie gehören verschiedensten Altersgruppen an, haben oft einen strengen Job und wollen deshalb einfach abschalten.»
Was führt das Hotel La Val zum Erfolg? «Ein Faktor ist sicherlich die alpine Spa-Anlage auf 1300 Metern, die mit Stein und Holz aus den Bergen gebaut wurde», so Faber. «Attraktiv ist auch die Lage von Brigels am Sonnenhang einer noch nicht so bekannten Region. Das schätzen vor allem Ruhesuchende.» Weil das noch junge Hotel viele Gäste neu akquirieren müsse, sei es relativ präsent in den Medien, aber auch auf Social-Media-Plattformen wie Facebook sowie in Buchungsportalen, etwa Booking.com.
Hotel Broc'aulit in Broc FR: Persönlich geführt von den Eigentümern
Trotz des nationalen Gästeschwunds verzeichnete die Region Freiburg im ersten Halbjahr 2012 ein Plus von 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – dies ist schweizweit das deutlichste Wachstum. In der Region La Gruyère beträgt das Plus zwischen Januar und Juni 5 Prozent, wie Guillaume Schneuwly von La Gruyère Tourisme auf Anfrage sagt. Dazu beigetragen habe auch das im Juni 2011 eröffnete Ibis-Hotel in Bulle, das sehr gut laufe. «Der Euro bereitet uns nicht allzu viele Probleme. 65 Prozent unserer Gäste kommen aus der Schweiz.» Asiaten strömen ebenfalls viele in die Region, allerdings häufig nur für Tagesausflüge. Nicht viele blieben für Übernachtungen, so Schneuwly.
Einen Gästezuwachs hatte auch das vor drei Jahren eröffnete Hotel Broc'aulit in Broc nahe Gruyères. Das Haus beherbergt mehrheitlich Geschäftsleute, der Touristenanteil beträgt knapp 40 Prozent, wie Eigentümer Christian Lathion auf Anfrage sagt. Bei den Touristen nahm die Anzahl Gäste um 8 Prozent zu, während sie bei den Geschäftsleuten um 5 bis 6 Prozent zurückging. Insgesamt betrug die Zunahme 3 Prozent, und Lathion zeigt sich sehr zufrieden. Was ist das Geheimnis seines Erfolgs? «Wir sind eines der kleinsten Viersternehotels der Schweiz», so Lathion. «Es wird von den Eigentümern geführt, und wir haben ein kleines Team. So herrscht hier eine familiäre Atmosphäre.» Weiter hebt er die schöne Aussicht und die Nähe zum Städtchen Gruyères hervor, die von den Gästen geschätzt werden. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.08.2012, 17:46 Uhr
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18 Kommentare
Ich habe erst gestern wieder gestaunt: Ich war auf der Suche nach einer Unterkunft für ein langes Wochenende in Zermatt. Dass das nicht günstig werden würde, war auch mir bewusst. Aber als ich in einem Buchungsportal sah, wie viele 1-Sternhotels (!) 100 oder mehr Franken pro Nacht verlangten, fragte ich mich schon, ob diese Hotelliers noch mit der Zeit gehen. Zimmer wie vor einhundert Jahren... Antworten
Alle die das jetzt so super inovativ finden. Stellen sie sich vor, ein Freund von Ihnen geht nach Indien und erzählt danach, dass er im " Schwiizerstübli " zum essen war und nachher noch in der Disco für Schweizer, am Abend war Trachtentanz mit Alpaufzug. Jeder von uns würde denken: De isch doch nöd ganz bache........ Antworten
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