Leben
Der Rausch geht ins Auge
Von Judith Mayencourt, «24 heures». Aktualisiert am 19.04.2012 41 Kommentare
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Jugendliche giessen sich Wodka ins Auge. (Quelle: Youtube)Teilen und kommentieren
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Man nennt es Eyeballing. Die Methode besteht darin, sich hochprozentigen Alkohol, zum Beispiel Wodka, direkt ins Auge zu giessen. Ein Brennen ist garantiert, eine Verminderung der Sehschärfe bei wiederholter Anwendung möglich. Aber das Ziel ist natürlich ein anderes: ein sehr schneller und ausgesprochen heftiger Rausch.
Das Benetzen des Auges ist dabei nur ein Weg, den Alkohol in den Körper zu bringen, ein anderer ist das Einführen eines in Schnaps getränkten Tampons in die Vagina oder in den After. Oder das Inhalieren eines Gemischs aus Tequila und Sauerstoff durch ein Glasröhrchen: Der sogenannte Oxy-Shot wurde auf Mallorca entdeckt – und wirkt so beunruhigend, dass ihn die spanischen Behörden verboten haben.
Kommen nach dem Rauschtrinken diese in Grossbritannien und Spanien beobachteten extremen Arten des Alkoholkonsums jetzt auch in die Schweiz? Dies jedenfalls befürchtet die Eidgenössische Alkoholverwaltung, die dem Eyeballing einen Artikel in ihrer jüngst erschienenen Zeitschrift widmet.
Moderne Sage oder gefährliches Spiel?
Unter Experten leugnet man das Phänomen nicht, bleibt aber vorsichtig. «Ich glaube nicht, dass es sich um eine moderne Sage handelt, aber es gibt auf europäischer Ebene so gut wie keine zuverlässigen Daten zu diesen Methoden», sagt Michel Graf, Direktor von Sucht Schweiz. Er hält Eyeballing nicht für ein neues dauerhaftes Phänomen wie das vor ein paar Jahren aufgetauchte Binge Drinking (Rauschtrinken).
«Es handelt sich hier um so extreme Verhaltensweisen, dass sie mir nicht wirklich attraktiv scheinen», sagt Graf. «Ich sehe darin eher eine Art Spiel – wenn auch ein ziemlich schwer nachvollziehbares.» Der Sucht-Experte pocht aber auf die reelle Gefahr solcher Praktiken: Alkohol, der direkt mit den Schleimhäuten in Kontakt kommt, gelangt sofort in den Blutkreislauf. Der Rausch erfolgt dadurch viel plötzlicher – und kann gefährlich sein.
Tiefe Kosten und hoher Gruppendruck
Als Präventionsverantwortliche beim Blauen Kreuz meint auch Lisa Bourgeois, es handle sich vorläufig um eine sehr marginale Methode, sie kenne keinen konkreten Fall. Für das neue Phänomen sprechen laut der Spezialistin zwei Hypothesen: die Lust, sich so schnell und billig wie möglich zu berauschen, und die Herausforderung.
«Der Gruppendruck ist sicher sehr stark bei dieser Konsumart», sagt Bourgeois. «Es ist wie ein Spiel: Getraust du dich? Hast dus schon ausprobiert? Auch wenn es selten vorkommt, bin ich der Meinung, man müsse darüber sprechen. Man macht sich viele falsche Vorstellungen über die Auswirkungen von Alkohol, vor allem bei Jugendlichen.» Die Fachfrau rät zu einem Dialog, der informiert und nicht moralisiert.
Situation bleibt «besorgniserregend»
Denn an der Alkoholfront verbessert sich die Situation nicht: Zwischen 2006 und 2010 nahm zwar der übermässige Konsum bei unter 15-Jährigen nicht zu, pendelte sich aber auf einem hohen Niveau ein. «Es ist nach wie vor besorgniserregend», sagt Michel Graf.
Übersetzung: Sibylle Bühler Beltran (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.04.2012, 12:04 Uhr
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41 Kommentare
Vielleicht täuscht mein Eindruck, aber während der Zeit der Hanfkissen-Läden wurde deutlich weniger gesoffen und die Stimmung unter Jugendlichen war friedlicher, es lagen weniger Glasscherben herum undsoweiter.
Es wäre wirklich mal sinnvoll, die verschiedenen Drogen nach ihrer Gefährlichkeit und nicht nach Ideologien oder aufgrund von Lobbydruck zu beurteilen.
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Uiuiui, "besorgniserregend"?
Im Durchschnitt wird am meisten Alkohol von der Bevölkerung zwischen 50 und 60 getrunken. Der Alkoholkonsum in der Schweiz ist seit Jahren rückgängig. Früher wurde viel mehr gesoffen.
Sucht Schweiz würde am Liebsten die Prohibition einführen. Auch gut, dann geh ich unter die Schnapsbrenner! ;-)
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