Der Mutterer und die Vaterin: Emanzipiert sind wir doch alle

Gleichberechtigt, aber nicht gleichgestellt – droht ein neuer Geschlechterkrieg oder sind Mann und Frau unterwegs zu einer friedlichen Koexistenz? Die Ausschreibung zum 7. «Bund»-Essaypreis.

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Die Sexuelle Revolution, Frauenbewegung und Feminismus haben uns in den vergangenen 40 Jahren schrittweise eine weitgehende Gleichberechtigung der Geschlechter gebracht. Aber wie steht es heute wirklich mit der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen, mit der Bereitschaft der Männer, im Beruf zugunsten von Familie, Kinder und Haushalt auch zurückzustecken. Hält die Arbeitwelt genügend Teilzeitmodelle bereit für Männer und Frauen, ohne dass diese in ihrer beruflichen Entwicklung benachteiligt werden? Hält unsere Gesellschaft wirklich die entsprechende Infrastruktur bereit (Kitas), damit diese Gleichberechtigung der Geschlechter im Berufsleben Realität ist? Müssen Mütter ein wenig mehr Machos sein und sich nicht immer ein schlechtes Gewissen machen, wenn sie ihre Kinder in die Krippe bringen? Müssen Männer auch innerhalb der Familie bei der Organisation des Alltags mehr Tatbeweise liefern? - Ja, früher war’s mit der klaren Aufteilung der Rollen einfacher: Der Mann war der Ernährer, die Frau für Haushalt und Kindererziehung zuständig. Er war Regent - sie die Untertanin. Aber heute sind Ehe und Partnerschaft eine Doppelmonarchie.

In den vergangenen Jahren sind vermehrt rhetorische Kämpfe um die «richtige» Mutterschaft geführt worden. Gibt es eine konservative Wende zurück getreu dem «Eva-Prinzip»? Mütter sollen wieder Mütter sein, vor allem in den ersten Lebensjahren des Kindes auf Beruf verzichten und ausschliesslich für die Familie da sein. Was die Wirtschaft beunruhigen muss: Zunehmend scheint das traditionelle Rollenbild wieder attraktiv zu werden; gut ausgebildete Frauen verzichten nach der Geburt des ersten Kindes freiwillig auf Erwerbsarbeit und Karriere und setzen freiwillig voll auf Familie und Kinder. Tappen Sie mit damit nicht in die fatale Ernährerfalle?

Und auch der Mann steht unter Druck, die Erwartungen an ihn steigen stetig: Frauen wünschen sich den Mann als Eier legende Wollmilchsau: er soll Karriere machen, viel Geld verdienen, gleichzeitig zuhause stark präsent sein als Familienvater, Verantwortung bei Kinderzerziehung übernehmen und erst noch als romantischer Liebhaber und attraktiver Sexualpartner brillieren. Hat Esther Vilar vielleicht doch recht, die in ihrem Pamphlet «Der dressierte Mann» vor 40 Jahren Männer als eigentliche Opfer der sexuellen Revolution identifizierte?

Freiwillig zurück an den Herd? Ist die aktuelle Generation der 25- bis 40-Jährigen undankbar gegenüber den Feministinnen der ersten Stunde, welche die Gleichberechtigung massgeblich erstritten? Die jungen Frauen verzichten teils freiwillig auf diese Fortschritte, begeben sich freiwillig wieder in den Familien- und Kinderkäfig. Ist das nicht eine fahrlässige Preisgabe der erstrittenen Errungenschaften? Und überhaupt: Wer muss heute eigentlich emanzipierter werden, wer trägt mehr Defizite mit sich herum: Männer oder Frauen? Und bei aller Selbstverwirklichung im Beruf: Was ist eigentlich mit den Kindern, sollten sie und ihr Wohl nicht im Zentrum stehen beim Familienprojekt?

Schreiben Sie einen Essay, der maximal 15’000 Zeichen (inklusive Leerschläge) umfasst. Zu gewinnen ist ein Preisgeld von insgesamt 6000 Franken. Die Gewinnertexte werden im «Bund» veröffentlicht. Die Jury, «Bund»-Chefredaktor Artur K. Vogel, die Schriftstellerin Maja Beutler und die Journalistin Michèle Binswanger, Co-Autorin des Buchs «Machomamas. Warum Mütter im Job mehr wollen sollen», wählen aus den Einsendungen die drei besten Texte aus.

Am 27. März 2013 werden die Gewinnerinnen und Gewinner ihre Essays in der Dampfzentrale Bern vorstellen; das Publikum entscheidet anschliessend über die Rangierungen. Die drei Gewinnertexte werden im «Bund» veröffentlicht.

Schicken Sie Ihren Essay bis zum 31. Dezember 2012 an: Der Bund, Stichwort «Essay», Dammweg 9, Postfach, 3001 Bern oder per E-Mail mit Betreff «Essaywettbewerb: Titel Ihres Essays» an essay@derbund.ch

Wir freuen uns auf Ihren Essay! (DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.10.2012, 15:38 Uhr)

Wettbewerbsbedingungen

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