Leben

Das Balzverhalten der Schwulen

Aktualisiert am 20.07.2011

Homosexuelle und heterosexuelle Paare haben in vielen Bereichen einer Partnerschaft die gleichen Wünsche. Es gibt gemäss einer Studie aber auch einige Unterschiede.

Homo- und Heterosexuelle Partnersuche unterscheidet sich vor allem in einem Aspekt: Schwule und Lesben lernen sich via Internet, Heterosexuelle über Freunde kennen. (Quelle: Keystone)
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Schwule und Lesben sind weniger lang Single als Heterosexuelle, wie eine Studie der Datingplattform Parship zeigt. Bei den Heteros ist mehr als die Hälfte (rund 56 Prozent) der Befragten drei Jahre oder länger Single, bei Schwulen und Lesben dagegen weniger als ein Drittel (rund 30 Prozent), wie Udo Rauchfleisch, Psychotherapeut und emeritierter Professor der Universität Basel, heute vor den Medien in Zürich sagte.

Er vermutet, dass Gleichgeschlechtliche nach einem Coming-Out enthusiastisch sind und aus dieser Offenheit heraus schneller eine Partnerschaft eingehen. Oft gebe es auch Druck von Verwandten, innerhalb einer Familie endlich als Paar aufzutreten. Schwule und Lesben binden sich gemäss Rauchfleisch auch, weil ihre Beziehungen nicht durch ein Gesetz stabilisiert werden.

Sie führten zwar mehr, dafür aber kürzere Beziehungen. Bei Heterosexuellen hält fast jede zweite Beziehung (45 Prozent) zehn Jahre oder länger, bei Schwulen und Lesben dagegen nur knapp jede Fünfte (18 Prozent). «Die Qualität einer Partnerschaft misst sich aber nicht an der Dauer», sagte Rauchfleisch.

Homosexuelle suchen Partner im Internet

Ihre Partner finden viele Schwule und Lesben im Internet: Rund 80 Prozent könnten sich vorstellen, eine Beziehung mit jemandem einzugehen, den sie virtuell kennengelernt haben, wie Sandra Gabler, Leiterin von Parship Schweiz und Österreich, sagte.

Vor allem bei Schwulen ist das Internet die Partnerbörse Nummer Eins, fast zwei Drittel (rund 62 Prozent) werden dort fündig. Lesben suchen ihre Partnerin dagegen zuerst über den Kollegenkreis. Erst an zweiter Stelle rangiert dann das Netz.

Der Kontakt übers Internet berge auch Gefahren: In der Realität komme ein Coming-Out möglicherweise zwei Jahre später an als im Web. Der Psychologe Rauchfleisch empfiehlt deshalb, «nicht unendlich hin und her zu chatten.»

Vorurteile abbauen und Aufklärung leisten

Für die Studie wurden 533 homosexuelle Frauen und Männer sowie 513 weitere Personen in der deutschen und der französischen Schweiz im Alter von 14 bis 69 Jahren befragt. Die repräsentative Umfrage wurde zwischen Ende Mai und Anfang Juli online durchgeführt.

Ob sie nächstes Jahr wiederholt wird, ist noch offen. Dieses Mal beteiligten sich zwölf Schwulen- und Lesbenorganisationen. Sie streuten die Befragung über Internetseiten sowie Newsletter. Die Umfrage solle Vorurteile abbauen und Aufklärung leisten, sagte der Kommunikationsberater Sacha Wigdorovits. (rub/sda)

Erstellt: 20.07.2011, 16:05 Uhr


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