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Auch die US-Jugend verabschiedet sich vom Auto

Von Sebastian Steiner. Aktualisiert am 03.07.2012 36 Kommentare

Die USA gelten als Auto-Nation schlechthin. Doch im Land von Chevrolet und Route 66 macht sich ein Trend bemerkbar, der auch in der Schweiz zu beobachten ist: Immer weniger junge Menschen machen die Fahrprüfung.

Diese Grafik bietet eine Übersicht über die Entwicklung: Von jungen US-Amerikanern (16 bis 34) gefahrene Kilometer pro Jahr.


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Die Mobilitätsstudie

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So bewegen sich Schweizerinnen und Schweizer.

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Über Generationen hinweg galt ein eigenes Auto in den USA stets als Ausdruck von Individualität und Freiheit – richtig erwachsen war man erst mit einem Fahrausweis in der Hand und einem Autoschlüssel in der Tasche. Das spiegelt sich auch in der Kultur des Landes wider: Das Auto ist in Filmen, Musikvideos und Werbespots omnipräsent. Die USA sind zudem eines der Länder mit der höchsten PKW-Dichte.

Nun hat eine Studie – ähnlich wie in der Schweiz – einen Trendwechsel festgestellt. Immer weniger Jugendliche machen den Führerschein, das Auto verliert an Stellenwert. Viele junge Amerikaner geben ihr Geld für Smartphones, Notebooks und Tablets aus und kommunizieren unterwegs lieber mit Freunden, als ein Auto zu lenken.

Die hohen Kosten des Fahrens

Die gesamte US-Bevölkerung fing bereits um die Jahrhundertwende an, weniger mit dem Auto zu fahren. Analysten des Forschungszentrums der Frontier Group haben errechnet, dass die gefahrenen Kilometer pro Jahr deutlich zurückgegangen sind.

Die Jugendlichen haben diesen Trend mitgemacht und in den letzten Jahren sogar noch verstärkt. Im Jahr 2009 fuhr ein Lenker im Alter zwischen 16 und 34 Jahren in den USA um 23 Prozent weniger als noch 2001 – anstatt 16'576 nur noch 12'713 Kilometer. Mehr als ein Viertel dieser Altersgruppe verfügt über keinen Fahrausweis. Dieser Anteil ist seit dem Jahr 2000 um ganze fünf Prozent angewachsen.

Auch in der Schweiz gibt es immer mehr junge Leute ohne Fahrausweis: Bei den 18- bis 24- Jährigen sank der Anteil an Führerscheinen von 71 Prozent im Jahr 1994 auf 59 Prozent im Jahr 2010. Dies ergab eine gross angelegte Befragung des Bundes zum Verkehrsverhalten der Bevölkerung (DerBund.ch/Newsnet berichtete).

Vielfältige Gründe

Die Gründe dafür sind schwer abzuschätzen. Die Forscher der Frontier Group liefern nur oberflächliche Erklärungsmuster für das amerikanische Beispiel.

Da spielen einerseits die hohen Kosten für den Besitz und den Unterhalt eines Autos, aber auch die steigenden Benzinpreise eine Rolle. Es sei zudem schwieriger und teurer geworden, einen Kredit aufzunehmen. Viele junge Leute hätten noch nie eine gesunde und stabile Wirtschaft erlebt. Dementsprechend vorsichtig seien sie mit dem Kauf eines neuen Vehikels. Damit nehmen die US-Experten ein Argument auf, das auch von Schweizer Fachleuten angeführt wird, um dieselbe Entwicklung in der Eidgenossenschaft zu erklären.

Eine wichtige Rolle spiele aber vor allem die technische Revolution im Bereich der Mobiltechnologie. So könne man nun via Smartphone Fahrpläne lesen, Abfahrtszeiten nachschlagen sowie Wegbeschreibungen und Karten herunterladen. Auf den Bus warten muss so niemand mehr: Reisen können besser geplant werden, und der Zeitverlust sinkt.

Heute sei es in den USA zudem nicht unbedingt mehr nötig, ein Auto zu besitzen, um ab und zu Auto fahren zu können. Das Carsharing erfreut sich in den USA steigender Beliebtheit.

Eine unsichere Zukunft

Genauso wichtig sind laut der Studie unter den US-Jugendlichen aber auch die Sorgen um die Natur und den eigenen Körper. So sei die Altersgruppe der zwischen 16- und 34-Jährigen im Jahr 2009 24 Prozent mehr Fahrrad gefahren als noch im Jahr 2001. Im selben Zeitraum ging sie um 16 Prozent mehr zu Fuss. Zur Begründung der Entwicklung in der Schweiz wurde oft der gut ausgebaute öffentliche Verkehr angeführt. In den USA spielt das offenbar keine grosse Rolle.

Schweizer Experten fokussieren in ihren Erklärungsversuchen vermehrt auf die längere Ausbildungszeit der Jugendlichen: Weil die Schweizer häufiger und länger in der Ausbildung seien, könnten sie sich während dieser Zeit weniger eine Fahrausbildung und ein Auto leisten.

Länderübergreifende Tendenz

Nicht nur in den USA und der Schweiz fahren die Jungen weniger. Forscher der Universität von Michigan fanden kürzlich heraus, dass auch in anderen Ländern der Anteil an jungen Leuten mit Führerschein sinkt: Darunter befinden sich Schweden, Norwegen, Grossbritannien, Kanada, Japan, Südkorea und sogar unser für seine Autos bekannter Nachbar Deutschland. Offensichtlich ist das Phänomen auf die Industrieländer beschränkt.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.07.2012, 20:14 Uhr

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36 Kommentare

Ali Ferkous

02.07.2012, 20:28 Uhr
Melden 132 Empfehlung 0

Die amerikanischen Jugendlichen können keine valable Alternative zum Auto wählen, wie sie schweizer Jugendliche mit dem toll ausgebauten und von den Automobilisten mitsubventionierten öffentlichen Verkehr haben - die Erklärung ist deshalb naheliegend: beim amerikanischen Mittelstand wird das Geld knapp - nach dem American Dream erfolgt das ernüchterte Aufwachen. Antworten


Robert Herz

02.07.2012, 21:23 Uhr
Melden 18 Empfehlung 0

Das könnte gut auch ein Zeichen des geänderten Freizeitverhaltens sein. Die jungen Leute kommunizieren eben nicht nur von unterwegs, sondern sie kommunizieren von zu Hause aus ANSTATT unterwegs sein zu wollen. Interessant wäre, ob junge Leute im Durchschnitt auch weniger Zug fahren oder - noch viel interessanter - weniger fliegen. Antworten



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