Leben

Albtraum auf Rädern

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 08.01.2011 107 Kommentare

An Bahnhöfen und Flughäfen wimmelt es nur so von Rollkoffern. Ein grosses Ärgernis, findet DerBund.ch/Newsnet-Reporter Reto Hunziker.

1/6 Rollkoffer bilden einen ganzen Hindernisparcours.
Bild: Keystone

   

«Was ist mit der Gesundheit der anderen?»: DerBund.ch/Newsnet-Reporter Reto Hunziker.

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Das Rad ist eigentlich eine ganz praktische Erfindung. Es bringt uns schneller von A nach B, verringert Reibungsverluste. Sprich: Es erleichtert unser Leben ungemein. Manchmal wünschte ich dennoch, das Rad wäre nie erfunden worden. Nämlich dann, wenn ich zur Rush Hour quer durch die Halle des Zürcher Hauptbahnhofes eile, um mein Tram noch zu erwischen.

In diesem Moment gleiche ich der Spielfigur eines alten Jump&Run-Spiels: Ich springe, ich weiche aus, ich beschleunige, um Schritte später abrupt zu halten. Schuld an diesem unverhofften Hindernislauf: der Rollkoffer.

Kaum ein Zug- oder Flugreisender, der nicht eines dieser Vehikel hinter sich herzieht. Ob massig oder petit, ob mit harter Schale oder weicher, der Rollkoffer, dieser verlängerte Arm der Gehetzten, verhindert anderen Passanten jede Ideallinie und erhöht den Umgehungsweg einer Person um ein Vielfaches. Rollkoffer sind quasi die Pferdeanhänger des Fussvolkes, sie verlangsamen den Verkehr beträchtlich. Im Zug krachen sie ausserdem gegen Sitze, Türrahmen und Ablagegitter, auf dem Perron gegen Hunde und Haxen.

Unverzichtbares Accessoire

Zwar gibt es dieses Unding schon länger, doch erst seit wenigen Jahren ist es scheinbar zum unverzichtbaren Reise-Accessoire geworden. Weil heute die Räder in alle Richtungen und ohne zu blockieren rollen können und die ausziehbaren Griffe nicht mehr so schnell abbrechen, führt Krethi und Plethi einen Rollkoffer mit sich. Weil sie alle nicht so schwer tragen wollen.

Dass viele Rollkoffer so klein sind, dass es praktischer wäre, sie unter dem Arm zu tragen, scheint dabei kein Widerspruch. Und so ziehen die Rückenschoner rollende Aktenkoffer hinter sich her und ihre Kinder haben nicht etwa Rucksäcke, sondern Mini-Rollkoffer-Versionen von Hello Kitty oder Spongebob.

Klar, es geht um ihre Gesundheit. Doch was ist mit der Gesundheit der anderen? Die wird von Rollkoffer-Rowdies doch gerade gefährdet. Wie viele Zehen, Schienbeine und Achillesfersen fielen diesem Lastfahrzeug schon zum Opfer... Bloss weil deren Besitzer auf ihren Rücken achten und mit der Einstellung «nach mir die Schimpfwut» durch die Hallen schreiten.

Kein Stil

Sogar das Schweizer Militär hat die Vollpackung abgeschafft und sich Rollkoffer zugelegt. Die Folge: Die sperrigen Teile blockieren Durch- und Eingänge, so dass zivile Passagiere warten müssen, bis diese herumbugsiert worden sind.

Kommt dazu, dass man mit einem Trolley-Koffer nicht gerade elegant ausschaut. Sogar der viel reisende und rückengeschädigte Lifestyle-Papst Tyler Brûlé findet, eine Tragtasche habe mehr Stil.

Was ist aus dem guten alten Rucksack geworden? Warum zieht es heute jeder vor, etwas hinter sich herzuziehen, als es zu tragen? Montieren wir bald auch unsere Einkaufstüten, Zeitungen oder Portemonnaies auf fahrbare Untersätze? (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.01.2011, 15:20 Uhr

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107 Kommentare

Marc Peter

07.01.2011, 15:42 Uhr
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Da hat aber jemand Probleme. Wenn man(n) fünf Minuten früher aufs Tram gehen würde, statt auf den letzten Drücker, dann müsste man(n) auch nicht hetzen. Was die Grösse der Koffer angeht, naja, man könnte auch sagen, dass die SBB für unser Geld doch bitte Rollmaterial besorgen soll, bei dem die Mittelgänge auch breit genug sind. Und was den "Lärm" angeht, auf dem Bahnhof ist es eh laut. Antworten


Robert Minder

07.01.2011, 15:31 Uhr
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Ihre Sorgen möchte ich haben, guter Mann! Antworten




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