Airlines entdecken die Kraft der Communities
Von Christian Lüscher. Aktualisiert am 19.12.2011 6 Kommentare
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Die US-Fluggesellschaft American Airlines geniesst nach einer Untersuchung der Zeitschrift «Aviation Week» den Ruf der meistgehassten Airline im sozialen Netz. Mehr als die Hälfte aller Kommentare im Netz zu American Airlines sind negativ, nur zwölf Prozent der User äussern sich positiv. In der Kritik stehen überwiegend der schlechte Service und gestrichene Flüge.
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Die niederländische Airline KLM lanciert bald einen neuen Service mit dem Namen «meet and seat». Die Idee dahinter ist einfach: Das Unternehmen will es seinen Fluggästen ermöglichen, beim Online-Check-in ihr Facebook- oder LinkedIn-Profil anzugeben. Eine Software sucht dann Sitznachbarn mit ähnlichen Interessen heraus. Der Service wird für alle Flugpassagiere, die online einchecken, verfügbar sein. Als Hauptzielgruppe hat die Airline jedoch Geschäftsreisende auf dem Radar, die auch über den Wolken mit Gleichgesinnten das «Networking» pflegen wollen.
Über Details der neuen Dienstleistung ist noch wenig bekannt. KLM informierte noch nicht, ob Passagiere schon während des Check-in-Vorgangs das Profil des automatisch herausgesuchten Sitznachbarn sehen können. Auch über die Möglichkeit, den Vorschlag für einen Sitznachbarn abzulehnen, hat KLM noch nichts kommuniziert.
«Social Seating» bei anderen Airlines kein Thema
Andere Fluglinien sind mit der Integration von sozialen Netzwerken noch zurückhaltend. Auf Anfrage der «Zeit» teilt Air Berlin mit: «Von unserer Seite ist ein solcher Ansatz zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geplant. Wir finden die Idee von KLM jedoch sehr spannend und werden die Umsetzung aufmerksam verfolgen.» Ein Lufthansa-Sprecher sagt: «Bei uns ist so etwas nicht in Planung. Unser Kerngeschäft ist, Leute von A nach B zu bringen.» Auch datenschutzrechtlich sei es möglicherweise heikel, wenn eine Fluggesellschaft die Profile von Passagieren von einer Software abgleichen lässt. Malaysia Airlines hat mit der Integration von sozialen Netzwerken keine Bedenken. Bereits heute ist ein Angebot im Einsatz, mit Hilfe dessen Passagiere sehen können, welche digitalen Bekanntschaften das gleiche Ziel besuchen. Der Dienst will sogar Freunde lokalisieren, die im gleichen Flugzeug sitzen.
Vermehrt Einsatz von Social Media
Generell haben Fluggesellschaften die Kraft von Social Media entdeckt und buhlen vermehrt um die Gunst der Internetcommunities. Vor allem KLM und die skandinavische SAS haben in der Branche eine Vorreiterrolle.
Obwohl KLM vor zwei Jahren auf Facebook ( 31.91 -3.39%) oder Youtube praktisch inexistent war, zählt die Firma heute zum Branchenführer. Die Facebook-Seite zählt mittlerweile mehr als 600'000 Fans und zeigt sich im Beantworten von Kundenanfragen vorbildlich. Innert weniger Minuten können die User mit einem Feedback rechnen.
Um die User bei Laune zu halten, sorgen regelmässig überraschende Aktionen wie jüngst «Tile & Inspire» für Aufsehen. User konnten ihre Fotos mit Hilfe einer App nach KLM-Richtlinien bearbeiten und auf der Website hochladen. Die Fluggesellschaft druckte die eingegangenen Profilbilder auf eine Folien, die dann auf eine Boeing 777 von KLM geklebt wurde. 4′000 Personen konnten danach ihr Antlitz auf der Maschine bewundern.
Diverse Crowdsourcing-Projekte
Dass KLM den Sinn und Zweck von sozialen Netzwerken begriffen hat, führt eine sogenannte Crowdsourcing-Aktion (Auslagerung von Projekte im Netz) mit dem Namen «Bright Ideas» vor Augen. Facebook-User können Verbesserungsvorschläge einreichen, über welche die Community abstimmen kann. Der beste Vorschlag wird monatlich vorgestellt und belohnt.
In Sachen Crowdsourcing hat allerdings nicht die KLM die Nase vorn. Die skandinavische Airline SAS hat ebenfalls die Macht der Masse entdeckt und lancierte diesen Sommer die Initiative «Sommerflyet». Die Fluggesellschaft kommunizierte im Sommer ihren Sommerflugplan mit 21 Destinationen. Ein Flugzeug hielt das Management bewusst in Reserve. Man fragte die User auf Facebook, welche 22. Destination ihrer Meinung nach aufgenommen werden soll. Die 110'000 Fans starke Community wählte nach mehreren Wochen einen klaren Sieger: Die Stadt Alanya in der Türkei.
Clevere Werbekampagnen auf Facebook
Ebenfalls für Schlagzeilen sorgte eine clevere Facebook-Kampagne. SAS und die schwedische Eisenbahngesellschaft SJ verkündeten 2009 eine enge Zusammenarbeit. Die beiden Transportunternehmen wollen den öffentlichen Regionalverkehr mit Europa und der Welt stärker verbinden. Um die neue Kooperation zu bewerben, wurde eine raffinierte Facebook-App entwickelt. Will ein User einen Freund beispielsweise in Paris besuchen, errechnete die Software den Reiseweg und präsentierte anschliessend einen Vorschlag, wie der Facebook-Bekannte am besten und günstigsten anreisen kann.
Ähnliches versuchte SAS wenig später nochmals. Um die Markenbekanntheit der SAS-Homepage zu erhöhen, initiierte die Airline einen Online-Wettbewerb, wobei die Teilnehmer eine Reise mit einem zufällig ausgewählten Facebook-Freund gewinnen konnten. Der Slogan lautete: «Let destiny pick your destination» (Zu deutsch: «Lass das Schicksal über dein Reiseziel entscheiden»). Die Gewinner gewannen Flugtickets an einen Ort, irgendwo auf der Welt.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.12.2011, 15:29 Uhr
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6 Kommentare
Geschäftsreisende haben ganz andere Sorgen. Statt nur auf maximalen Unterhaltungswert beim Nachbarn zu achten wäre es viel schöner und wichtiger, neben nicht-hustenden, nicht-röchelnden, nicht-schnupfenden, nicht-niesenden,... Personen zu sitzen. Auch nervt, dass die 1,60 grossen Personen die Sitze mit der maximalen Beinfreiheit bekommen, und die 1,90-Kandidaten sich irgendwo hineinzwängen müssen. Antworten
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