Ein Königreich für den Whisky
Von Franziska Laur. Aktualisiert am 03.09.2010 1 Kommentar
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Wettbewerb
Wir verlosen jede Woche drei Sammlungen der ersten Serie «rausgehen 07/08» . Beantworten Sie unsere Frage: Wie viele Einwohner hat Elfingen? Senden Sie die Lösung bis nächsten Freitag an: Basler Zeitung, rausgehen, Postfach, 4002 Basel.
Es ist eine vergnügliche Fahrt ins 267-Seelen-Dorf Elfingen im hintersten Fricktal. Draussen zeigen sich die Kirschbäume im spätsommerlichen Kleid, auf den Wiesen weiden Kühe und in den Wäldern klopft der Specht. Auch im Wagen ist die Stimmung gut: Einige nette Herren haben sich anerboten, die Journalistin zu begleiten – wenn auch nicht aus ganz uneigennützigen Gründen, wie sich zeigen wird.
Vor Ort empfängt uns Ruedi Käser. Er zeigt sein Reich, sein Whisky-Castle, verweist stolz auf die handgefertigten Eichenfässer, die original-schottischen Pot Still, den Whisky-Barwagen. Dann stellt er sich hinter den Tresen und baut das Arsenal seiner verschiedenen Whiskys auf. Vor jeder Flasche ein Glas, in das er die edlen honig- und goldfarbenen Tropfen giesst. Spätestens hier wird klar, weshalb meine Kavaliere ihre charmante Begleitung angeboten haben – schliesslich erwartet Käser von seinen Gästen, dass sie eine gewisse Trinkfestigkeit an den Tag legen.
Zu gut, um ausgespuckt zu werden
Verlockend, das Angebot und nicht ganz ungefährlich. Echte Whisky-Tester schlucken ihre Proben ja nicht runter, sie spucken sie nach einer kurzen Gaumenprobe wieder aus. Dafür allerdings haben wir die edlen Brände mit ihren nussigen, floralen und rauchigen Geschmacksrichtungen schon zu lieb gewonnen. Wir entscheiden uns für ein paar Favoriten und zeigen Mut zur Lücke. Und während man Ruedi Käser so zuhört und seiner Philosophie lauscht, stellt man fest, dass man ihm bereits voll auf den Leim, beziehungsweise Whisky gegangen ist.
Mit dem eigenen Auto hierher zu kommen ist nicht unbedingt eine gute Idee. Es sei denn, man hat einen Chauffeur, der den Verlockungen der Käserschen Kreationen gewachsen ist. Wir sind uns einig: Nächstes Mal nehmen wir den Bus von Frick nach Effingen und machen einen gemütlichen Spaziergang nach Elfingen. Damit alle den Whisky in vollen Zügen geniessen können…
Schnaps aus Blumen, Knoblauch oder Heu
Denn der Mann aus dem Fricktal ist ein Tüftler. Ständig auf der Suche nach neuen Geschmacksrichtungen, experimentiert er mit allem, was sich vergären lässt. So forderte ihn eine spöttische Bemerkung: «Der Käser würde selbst Geranien zu Schnaps machen» heraus, genau dies zu tun – mit Erfolg. Der Blumenschnaps kann sich durchaus schmecken lassen. Ruedi Käser macht auch vor Knoblauch und Heu nicht halt.
Er ist der Käptn Kirk der Spirituosenwelt und dringt mit seiner Crew von 25 Arbeitskräften auf seinem Raumschiff «Destillierkolben» in immer neue Geschmackswelten vor. Der Mann ist stolz auf sein Erreichtes und er hat Grund dazu. Hat er doch bereits 165 internationale Auszeichnungen für seine Schnapskreationen abgesahnt und es ist damit zu rechnen, dass es in diesem Stile weitergeht.
Kein «Affentanz um den Jahrgang»
Einziges Problem für Käser wird sein, dass er bei der wachsenden Nachfrage nicht dazu kommt, viele Fässer über längere Zeit einzulagern, damit diese ein stattliches Alter erreichen. Doch auch darauf weiss Käptn Kirk die richtige Antwort. Dieser «Affentanz um den Jahrgang» interessiert ihn nicht gross, das ist das Steckenpferd der Schotten. Tatsächlich bedeutet das Alter bei dem Getränk ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch bedingt einen Qualitätszuwachs.
Zudem hinken die Schweizer ein paar Jährchen hintennach: «Präsentierst du einen 20-Jährigen, dann holt der Schotte einen 32-Jährigen aus dem Keller.» Muss es unbedingt ein schottischer Single Malt sein, dann muss es eben so sein. Dudelsack spielen kann man deswegen noch lange nicht…
Schnapstheater
Seit dem Jahr 2002 brennt Käser Whisky, seit 1999 erst ist es in der Schweiz erlaubt. Zuvor war es aufgrund eines Gesetzes aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs verboten, Getreide und Kartoffeln zu brennen. Heute werden in der Schweiz jährlich rund 60'000 Liter Whisky hergestellt. Käser liefert seine Destillate in die ganze Schweiz, sowie nach Deutschland, Italien, China und Kanada.
Der Mann hat durchaus Geschäftssinn. So bietet Ruedi Käser auf seinem Schloss eine ganze Reihe Events. «Schnaps & Dine»-Geschichten beispielsweise. Oder Schnapstheater um hochprozentige Geschichten. Während Franziska Käser die Gäste mit ihrer Naturküche verwöhnt, brennt Ruedi Käser live Schnaps. Die Käsers haben auch einen Hofladen mit selbst hergestellten Köstlichkeiten wie Essig, Chutney oder Teigwaren. Wer will, kann auch die Brennerei besichtigen und erfahren, wie Whisky in den verschiedenen Variationen gebrannt wird oder Obstbrand oder gar ein Heuschnaps entsteht – dies auf telefonische Anmeldung. (Basler Zeitung)
Erstellt: 03.09.2010, 10:38 Uhr




Max Meier
Schön, dass das in der Schweiz gemacht wird. Aber mal ehrlich, zu den Besten weltweit gehören diese noch lange nicht. Antworten