Top Dogs im Zwinger

Das Theater Matte zeigt mit Jordi Galcerans «Die Grönholm-Methode» ein unterhaltsames Stück, ?in dem ein Bewerbungsgespräch zum Kampf in der Löwengrube verkommt.

Von der Personalabteilung wird keiner aufkreuzen: Markus Maria Enggist als Job-Anwärter vor dem Interview.

Von der Personalabteilung wird keiner aufkreuzen: Markus Maria Enggist als Job-Anwärter vor dem Interview. Bild: Hannes Zaugg-Graf

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Ein Sitzungszimmer mit kahlen Wänden, vier metallene Stühle, ein Tisch, auf dem vier Gläser und eine Karaffe mit Wasser stehen – das Setting des Stücks «Die Grönholm-Methode» auf der Bühne des Theaters Matte ist steril und nüchtern.

Was sich allerdings in den rund 90 Minuten Spielzeit ereignet, ist alles andere als geordnet und klar. Nach und nach treffen drei Bewerber und eine Bewerberin in diesem Sitzungszimmer ein, alle sind sie gekommen, weil sie einen lukrativen Managerposten wollen. Das Bewerbungsverfahren wird allerdings auf sehr unkonventionelle Weise geführt, wie die vier bald einmal feststellen müssen. Ein eigentliches Bewerbungsgespräch findet nämlich nicht statt, die Rekrutierten bleiben auf sich alleine gestellt, von der Personalabteilung oder überhaupt der Firma lässt sich niemand blicken. Dafür werden durch eine versteckte Schublade an einer Seitenwand Couverts übermittelt, die Informationen und Aufgaben enthalten. Wer den Raum verlasse, verzichte automatisch auf die Stelle, so der erste Hinweis. Und die erste Aufgabe: Nur drei der vier Bewerbenden seien echt, eine Person stamme aus der Personalabteilung der Firma und müsse innerhalb von 10 Minuten entlarvt werden.

Was folgt, ist ein von Misstrauen und Konkurrenzdenken geprägtes Kammerspiel, in welchem die Protagonisten unterschiedliche Strategien an den Tag legen, um die Mitstreiter zu übertrumpfen und auszustechen. Dabei verraten die vier auch einiges über sich selber: Marc Meyer (vergnüglich widerlich: Markus Maria Enggist) ist ein arroganter, grossspuriger und skrupelloser Zyniker, der hemmungslos auf den Schwächen anderer herumtrampelt.

Die einzige Frau im Bunde, Claudia Reichmuth (Claudia Rippe), argumentiert logisch und zeigt Empathie, wirkt aber auch seltsam berechnend und kalt, wenn es um den Tod eines eigenen Familienmitgliedes geht. Heinz Ulrich (Fredi Stettler) und Carlo Fontani (Adam Guerriero) verdeutlichen mit ihren Lebensgeschichten, die im Verlauf der Bewerbungssituation schonungslos aufgedeckt werden, dass es in diesem Rennen keinen Platz für soziales Verhalten und Mitgefühl gibt, sondern dass menschliche Schwächen und persönliche Probleme ausschliesslich als Negativ-Faktoren bewertet werden.

Wie der ideale Manager sein muss

«Die Grönholm-Methode» ist das zweite Stück des Autors Jordi Galceran, welches das Theater Matte aufführt (Dialektfassung: Corinne Thalmann). Der 53-jährige Katalane schreibt nicht nur Theaterstücke und Übersetzungen, sondern hat auch Drehbücher verfasst für eine populäre katalanische Soap. Galceran weiss also, wie man ein Publikum bei der Stange hält, und so ist denn auch sein Kammerspiel «Die Grönholm-Methode» süffig, lustig und tragikomisch.

Das Stück verhandelt eine ganze Bandbreite an menschlichen Gefühlen und Abgründen und rückt dabei auch die Frage nach der nötigen Beschaffenheit idealer Führungspersonen – also von «Top Dogs» – ins Zentrum. Wie schnell, teamfähig, empathisch und innovativ muss ein Manager oder eine Managerin heute sein? Wie hemmungslos, rücksichtslos und kaltblütig? Ausserdem hinterfragt «Die Grönholm-Methode» auch die Sinnhaftigkeit «innovativer» Bewerbungsverfahren, indem es ein solches ad absurdum führt. Und nicht zuletzt bietet das Stück unter der Regie von Oliver Stein dank unerwarteten Wendungen und überraschendem Ende ganz einfach auch richtig gute Unterhaltung.

Weitere Aufführungen bis 7. Mai. (Der Bund)

Erstellt: 07.04.2017, 07:24 Uhr

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