Kultur

«Wie er uns blossgestellt hat, war hohe Schule»

Interview: Philippe Zweifel. Aktualisiert am 23.08.2011 46 Kommentare

Loriot alias Vicco von Bülow ist tot. Emil Steinberger über seine Beziehung zum grossen deutschen Humoristen und was dessen Komik ausgemacht hat.

«Qualität ging ihm über alles»: Emil Steinberger über Loriot.

«Qualität ging ihm über alles»: Emil Steinberger über Loriot.

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Loriot, die Hommage

Loriot, die Hommage
Vicco von Bülow starb am 22. August 2011 im Alter von 87 Jahren.

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Herr Steinberger, was löst der Tod von Loriot in Ihnen aus?
Es ist wie bei Fellinis Tod – eine Koryphäe ist weg, eine Lücke entsteht. Loriot war für die Branche eine wichtige Figur, er wird uns sehr, sehr fehlen. Ich war vor einem Jahr an einer Ausstellung in Hamburg, und da wurde ich richtig neidisch: Wie viel Talent dieser Mensch hatte!

Was hat Loriot als Komiker ausgemacht?
Seine Feinheit, seine Art, uns nicht auf eine billige Art zu schockieren. Sondern uns zu kopieren und uns einen Spiegel vorzuhalten, in dem wir unsere menschlichen Schwächen erkennen konnten: unsere Tollpatschigkeit, unsere Hemmungen. Wie Loriot uns mit feinem Humor blossgestellt hat, das war hohe Schule.

Hat er Sie als Künstler beeinflusst?
Nicht unbedingt durch sein Programm, aber natürlich dachte man sich als junger Mann: So gut wie der will ich auch mal werden.

Haben Sie ein persönliches Highlight in seinem Werk?
Mit seinen Filmen war ich nicht immer ganz glücklich. Für mich sind vor allem seine Zeichnungen beneidenswert. Wie er den Gemütsausdruck eines Menschen mit ein paar Strichen hinkriegte, war fantastisch.

Haben Sie ihn persönlich gekannt?
Ja, aber nicht gut. Ich habe ihn vor kurzem in einer Fernsehsendung wieder einmal gesehen. Da kam er, warmherzig wie er war, spontan zu uns an den Tisch. Nicht, weil man sich gut kannte, sondern weil man beruflich halt eine ähnliche Ebene hatte. Das ist in dieser Branche nicht gerade üblich, da schaut sonst jeder eher für sich.

Was war er für ein Mensch?
Wie er privat war, kann ich nicht sagen. Ich weiss, dass er sich vom Fernsehen bewusst distanziert hat, weil er ein äusserst exakter Mensch war. Er konnte es nicht verkraften, wenn jemand unsorgfältig arbeitete. Qualität ging ihm über alles.

Der Siegeszug der Comedy dürfte ihm nicht gefallen haben. Die grosse Masse verehrte ihn am Ende nicht mehr.
Ja, das war wohl so. Comedy ist heute die vermeintlich einzige Form, mit der man die Leute zum Lachen bringen kann.

Wieso orientieren sich junge Komiker heute nicht mehr an Loriot?
Vielleicht, weil heute nur lustig sein kann, was erfolgreich ist? Bei mir ist es ähnlich: Ich werde immer wieder gefragt, wieso niemand meine Art weiterführt. Aber ich will mich nicht beklagen. Gerade hier in der Schweiz haben wir mit Joachim Rittmeyer oder Massimo Rocchi Leute, die das Menschliche, das ja auch Loriots Komik ausmachte, pflegen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.08.2011, 14:10 Uhr

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46 Kommentare

Danielle Brechbühl

23.08.2011, 13:26 Uhr
Melden 19 Empfehlung

Wieder ein Stück Kultur und Intelligenz weniger auf dieser Welt. Ein Mensch mit Stil und einem feinen Humor, dem unsere Schenkelklopf- und Games-Gesellschaft nichts entgegenzusetzen hat. Farewell, Herr von Bülow - mit oder ohne Badeente! Antworten


Karolina Kohout

23.08.2011, 12:27 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Es wird nie einen Zweiten geben. Untröstlich. Antworten



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