Kultur

«Schweizer Humor ist subtiler»

Interview: Martina Läubli. Aktualisiert am 18.03.2013 22 Kommentare

Die Bernerin Lisa Catena hat als erste Frau den Swiss Comedy Award gewonnen. Im Gespräch erklärt sie, wie es um den Schweizer Humor steht und warum Politik für sie ein gefundenes Fressen ist.

1/3 «Mich interessieren die Mechanismen, wie sich Politiker darstellen»: Die 33-jährige Berner Kabarettistin Lisa Catena.
Bild: Christoph Hoigné

   

Lisa Catena

Die 33-jährige Lisa Catena kam über die Musik zum Kabarett. Als Gitarristin einer Punkband stand sie vor 15 Jahren erstmals auf der Bühne. Die Bernerin tritt sowohl mit Chansons als auch als Kabarettistin auf. Für ihr aktuelles Soloprogramm «Wäutfriede» erhielt sie 2012 den Förderpreis der Oltener Kabarett-Tage und 2013 den Swiss Comedy Award.

Lisa Catena: «Wäutfriede»

Lisa Catena: «Tippmamsell»

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Frau Catena, Sie haben am Wochenende den Swiss Comedy Award gewonnen. Was bedeutet der Preis für Sie?
Ich bin sehr glücklich. In erster Linie ist der Preis eine schöne Bestätigung, dass ich auf einem guten Weg bin. Und er ist eine grosse Motivation für die Zukunft.

Sie sind die erste Frau überhaupt, die den Swiss Comedy Award bekommt – hat das für Sie eine Bedeutung?
Ja, ich glaube schon. Man hört ja immer wieder, in der Schweiz gebe es wenige Kabarettistinnen. Aber wenn man sich ein bisschen für die Szene interessiert, entdeckt man einige sehr gute Kabarettistinnen. Allen voran Knuth und Tucek, sie sind im Moment das Aushängeschild der Szene. Oder Esther Schaudt, die seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau spielt. Es gibt sie also, die Frauen im Kabarett. Meine Auszeichnung mit dem Swiss Comedy Award trägt nun dazu bei, dass dies auch wahrgenommen wird. Auch deshalb freut mich der Preis sehr. Ich hoffe, er gibt den Frauen im Schweizer Kabarett insgesamt einen Schub.

In Ihrem aktuellen Soloprogramm «Wäutfriede» spielen Sie ein Blumenmädchen, das mit naiver Unbekümmertheit Autoritäten entlarvt. Wie sind Sie zu dieser Figur gekommen?
Diese Figur ist autobiografisch. Es hat mich interessiert, was die Kinder der 68er-Generation, zu denen ich selber gehöre, so machen. Nach ihrer antiautoritären Kindheit mit Steiner-Schule bildet die grosse Freiheit die Ausgangslage ihres Lebens. Doch plötzlich wird das Leben ernster, man wird definitiv erwachsen. Was passiert dann? Das möchte ich aufzeigen.

Das Blumenmädchen ist aber auch ziemlich politisch. Welche Rolle spielt Politik in Ihrer Arbeit?
Ich bin privat politisch interessiert, war es immer schon. Besonders interessieren mich die Mechanismen, wie sich Politiker darstellen, das ganze Parteigerangel. In der Satire schaut man ja immer auf die Brüche, auf die Stellen, wo etwas nicht übereinstimmt. Es geht mir um die Kluft zwischen Schein und Wirklichkeit, um die Kluft zwischen dem, was man sagt, und dem, was man tatsächlich tut. In der Politik öffnet sich diese Kluft besonders deutlich. Das ist ein gefundenes Fressen für eine Kabarettistin.

Neben dem Blumenmädchen im «Wäutfriede» verkörpern Sie auch eine Tippmamsell im gleichnamigen Programm. Was hat es mit dieser Figur auf sich?
«Tippmamsell» ist mein aktuelles Liederprogramm mit Spoken-Word-Elementen. Man könnte sagen, «Wäutfriede» ist ein Kabarett mit Liedern; und «Tippmamsell» sind Lieder mit Kabarett. Zur Tippmamsell inspiriert hat mich die Figur der Miss Moneypenny aus den James-Bond-Filmen. Sie beobachtet die Ereignisse und Machtspiele aus dem Hintergrund und kommt letztendlich zu den richtigen Schlüssen.

Wie sind Sie Kabarettistin geworden?
Angefangen habe ich als Gitarristin in einer Punkband, dann habe ich Musik studiert. Später bin ich mit Chansons aufgetreten. Mit meinem Liederprogramm habe ich mich immer mehr ans Kabarett herangetastet. Für den Förderpreis der Oltener Kabarett-Tage 2012 habe ich mein Programm «Wäutfriede» geschrieben. Und den Förderpreis tatsächlich gewonnen. Das gab den definitiven Ausschlag dafür, ein reines Kabarettprogramm auf die Beine zu stellen. Ich habe gemerkt: In diese Richtung möchte ich gehen.

Haben Sie eine Botschaft an Ihr Publikum?
Es geht mir um den Unterschied zwischen Politik und Kunst. Politik muss ihre Botschaften in ganz einfache Parolen verpacken und wiederholt diese immer wieder. Kunst hat dagegen die Möglichkeit, Themen, die sehr viel komplexer sind, auch Widersprüchlichkeiten, zu beleuchten und dem Publikum so zu präsentieren, dass sich das Publikum seine eigenen Gedanken dazu machen kann. Ich bin sehr froh, auf der Seite der Kunst zu stehen, wo man Themen auch streitbar beleuchten kann. Es gibt nicht nur ja oder nein, es gibt auch Widersprüche.

Sie sind eine Schweizer Kabarettistin – wie definieren Sie Schweizer Humor?
Wenn wir Schweizer Humor mit demjenigen aus Deutschland vergleichen, fällt auf: Schweizer Humor ist subtiler. Er darf nicht verletzen. Er darf witzig und absurd sein, aber nicht zu böse. Emil, Cabaret Rotstift oder Mani Matter haben unser Verständnis von Humor stark geprägt. Es gibt aber auch eine neue Generation, die einen zeitgemässen Schweizer Humor vertritt, witzig und schräg. Dazu gehören die bereits erwähnten Knuth und Tucek und das Duo Schertenlaib und Jegerlehner, das den diesjährigen Salzburger Stier gewonnen hat.

Ist der Schweizer Humor zu brav für Sie?
Ich halte nichts von Humor, der nur darauf abzielt, andere fertigzumachen. Aber eine neue Generation Kabarett muss auch die Grenzen neu ausloten – für meinen Geschmack darf es schon mal richtig bissig und schwarzhumorig sein. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.03.2013, 14:52 Uhr

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22 Kommentare

Markus König

19.03.2013, 06:37 Uhr
Melden 35 Empfehlung 6

Schweizer Humor mag ab und zu subtil sein. Leider noch viel öfter harmlos (Divertimento) und nicht selten peinlich (z.b. die "Sketche" bei Benissimo). In Deutschland gibt es das alles auch. Zu Hauf. Aber daneben gibt es unzählige bissige, intelligente oder wirklich eigenwillige Kabarettisten (Hagen Rether, Volker Pispers, Dieter Nuhr etc.). Auch aus Österreich kommt da einiges mehr. Antworten


roger hefti

19.03.2013, 03:34 Uhr
Melden 24 Empfehlung 6

Habe sie auf youtube geschaut. Recht nett und lustig, aber noch etwas harmlos und grün im Timing. Aber im Vergleich zu den assortierten Giaccobbo, Zuccolini und Edelmais, die ja hierzulande allen Ernstes (sozusagen) als lustig gelten ist sie sogar sehr gut, und eben nicht nur peinlich! Antworten



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