«Einer der grössten Künstler, der je gelebt hat»

Aktualisiert am 22.08.2010

Einen Tag nach dem Tod von Christoph Schlingensief herrscht Trauer bei Prominenten aus Kultur und Politik. Der Regisseur genoss einen tadellosen Ruf - trotz seiner kontroversen Inszenierungen.

1/18 Möchte seine Asche über dem Meer verstreut haben: Christoph Schlingensief.

   

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Christoph Schlingensief (1960 - 2010)

Christoph Schlingensief (1960 - 2010)
Sein künstlerischer Werdegang in Bildern.

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Der Regisseur starb am Samstag mit 49 Jahren im Kreis seiner Familie in Berlin an Krebs. Wie seine Ehefrau Aino der Nachrichtenagentur dpa sagte, soll im Laufe des Sonntags Näheres über die Todesumstände mitgeteilt werden. Schlingensief war Anfang 2008 an Lungenkrebs erkrankt und operiert worden. Darüber erstattete er ausführlich in dem bewegenden «Tagebuch einer Krebserkrankung» Bericht.

Der Künstler gehörte zu den bedeutendsten Regisseuren der Gegenwart und hat wie nur wenige die deutschsprachige Film- und Theaterwelt gleichermassen irritiert wie beflügelt. Vom Underground- Kino kommend, wurde das Enfant terrible der deutschen Kulturszene zum Aushängeschild für provokante Theater- und Operninszenierungen.

Gewaltiges Lob von Jelinek

«Einer der grössten Künstler, der je gelebt hat» - das ist Christoph Schlingensief für die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. So einen wie ihn könne es nicht mehr geben, teilte die zurückgezogen lebende Autorin der österreichischen Nachrichtenagentur APA schriftlich mit.

«Ich dachte immer, so jemand kann nicht sterben. Das ist, als ob das Leben selbst gestorben wäre», erklärte Jelinek. Opernregisseurin Katharina Wagner würdigte Schlingensief als einen grossen Künstler. «Ich bin tief erschüttert, schockiert und traurig», sagte die Bayreuther Festspielleiterin.

«Unvergessliche Auftritte»

«Mit Schlingensief verliert die Kulturszene einen ihrer vielseitigsten und innovativsten Künstler, der die deutschsprachige Film- und Theaterwelt stark beeinflusste», sagte der deutsche Kulturminister Bernd Neumann.

Das Zürcher Schauspielhaus, wo Schlingensief noch im Dezember 2009 aufgetreten war, würdigte ihn in einem Communiqué als «Shakespeareschen Narr im besten und im abgründigsten Sinn». Seine dadaistischen Auftritte in Zürich seien unvergesslich. «Wer stört, bleibt. So war es immer», schreibt das Schauspielhaus. (mrs/sda)

Erstellt: 22.08.2010, 16:43 Uhr

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