Das falsche Argument der SVP
Von Susanne Kübler. Aktualisiert am 08.09.2010 43 Kommentare
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- SVP: Spoerli hat zu arbeiten wie jeder Angestellte
- Opernhaus entschuldigt sich
- «Das Fass ist übergelaufen»
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Ein Ballettdirektor rastet aus und sagt im allerletzten Moment eine Aufführung ab. Und die SVP nutzt den Eklat dankbar, um sich wieder einmal als Anwalt der Steuerzahler zu profilieren. Als staatlicher Funktionär habe Heinz Spoerli einen Auftrag zu erfüllen, hiess es am Montag im Kantonsrat in einer Fraktionserklärung, und zwar «zur vollen Zufriedenheit des Zahlenden, also des Steuerzahlers».
Damit ist die Debatte auf eine Ebene gerutscht, auf die sie nicht gehört. Dass Heinz Spoerli vor einer Woche die Aufführung seines Balletts absagte, war falsch, und es war respektlos – gegenüber dem Publikum, den Tänzerinnen, den Technikern, auch gegenüber den Steuerzahlern. Aber der Kern des Problems liegt nicht bei den Finanzen, sondern bei den Umgangsformen. Was lässt sich mit künstlerischer Sensibilität erklären? Wo kippt sie um in inakzeptable Arroganz? Das ist die Frage, die sich hier stellt. Sie zu beantworten, ist jedoch zweifellos weit schwieriger und weniger schlagzeilenträchtig, als die Opernhausdiskussion einmal mehr auf das Dauerbrenner-Thema Geld zu leiten.
Droh-Argument
Das soll nun nicht heissen, dass das Zürcher Opernhaus der Politik keine Rechenschaft schuldig wäre darüber, wie es mit den Subventionen umgeht. Die Diskussion darüber, wofür man wie viele Steuergelder einsetzen soll, wird zu Recht jedes Mal geführt, wenn ein neuer Rahmenkredit ausgehandelt werden muss. Aber ein Fehlentscheid wie diese Ballett-Absage kann (wie auch eine missliebige Inszenierung) kein Grund dafür sein, die Steuergelder als Droh-Argument zu verwenden.
Konsequenzen wären erst dann fällig, wenn ein Missstand zum Prinzip würde. Das ist hier nicht der Fall: In den 19 Jahren der Ära Pereira, die seit 14 Jahren auch eine Ära Spoerli ist, hat es keine einzige Absage im letzten Moment gegeben – man hat eher noch einen Sänger per Helikopter aus dem Stau geholt, als dass man eine Aufführung hätte ausfallen lassen (das war manchen, unter Berufung auf die Steuerzahler, auch nicht recht).
So gibt es am Opernhaus zwar durchaus Grund, Spoerlis Kurzschlussentscheid zu diskutieren. Aber einen Anlass für einen weiteren, diesmal politischen Kurzschluss: den gibt es nicht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.09.2010, 08:21 Uhr
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43 Kommentare
Doch es ist berechtigt bei diesem Fehlverhalten auf die Pflicht gegenüber dem zahlenden Zuschauer, wie auch dem zahlenden Steuerzahler hinzuweisen. Wenn die Artikelschreiberin Susanne Kübler das Problem bei den Umgangsformen sieht, dann ist das ihr Recht und das mögen viele auch so sehen, aber andere sehen das Problem wo anders, und das ist darum nicht: "das falsche Argument". Antworten
@Reto huber: es zeichnet ein Kulturvolk aus, dass es Dinge schafft, die vermeintlich überflüssig sind - Kultur eben. Leider gibt es aber nun mal Dinge - und die Oper gehört dazu - die nur mit grossem Aufwand erhalten werden können. Wer das tut, zeichnet sich als Kulturvolk aus, dass nicht immer nur alles mit Franken und Rappen misst. Die Oper steht, wie die S-Bahn, ALLEN offen. Antworten
Unterhält man sich mit (ehem.) MitarbeiterInnen und TänzerInnen des Opernhauses wird einiges klar. Spoerli ist extrem cholerisch,unberechenbar und schwierig. Unzählige Prozesse auf dem Arbeitsgericht. Aber wo war hier die Presse, wenn Perreira dies nicht in den Griff kriegt? Zuerst sollte der korrekte Umgang mit Mitarbeitern stehen, dass dafür Steuergelder hinhalten, macht es umso wiederlicher Antworten
Edy Gerber ist beizupflichten.Grundsätzlich sind auch von Spoerli seine Verpflichtungen einzuhalten.Ich frage mich schon lange,ob die hohen Subventionen an das Opernhaus noch zu rechtfertigen sind!Die SVP-Bashing Truppe ist wieder voll am Werk!Jedes Thema muss herhalten im Hinblick auf die Wahlen 2011.Dabei haben wir wichtigere Themen wie die Masseneinwanderung usw.,die nur die SVP thematisiert!! Antworten
Die Fraktionserklärung der SVP ist richtig & angebracht. Schauspielhaus und z.B. ERZ hängen am Geldhahn der Steuerzahler. Wenn die Müllabfuhr ausfällt entsteht grosses Geschrei, wenn hingegen ein Vorstellung ausfällt -c'est la vie... Dieser Dilettantenstadel muss wieder zur Vernunft kommen d.h. es müssen Köpfe rollen. Antworten
Für die SVP hört Kunst oder Kultur wahrscheinlich bei Anker auf. Da hat ja auch Herr Blocher sein Zuhause gefunden. Nichts gegen Anker. Aber Kunst und Kultur ist mehr als das. Aber das sieht eine SVP natürlich nicht. Sie folgt ihrem Meister blind. Freidenker sind mir entschieden lieber als anbiederndes Nachplappern und stimmungsbezogenes Polarisieren. Antworten
Unglaublich, was alles für Themen herhalten müssen, um die SVP abzuwerten. Im Hinblick auf die Wahlen 2011 sollten eigentlich wichtigere Themen diskutiert werden. Wie soll die Zukunft der Schweiz aussehen ? Wie sollen die drängenden Probleme der Gegenwart gelöst werden ? Während die SVP da klare Positionen vertritt, hört man von den meisten anderen Parteien dazu nur ganz Schwammiges. Antworten
@ tim eto seyno: Das heisst dann, dass das Läunchen der Diva kurz mal gut eine viertel Million Steuergelder (genau: CHF 277'400) vernichtet hat. Wer in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen mit 593 Angestellten aus einer Laune (nicht aus Unvermögen) heraus einen solchen Betrag vernichtet, muss in der Regel gehen. Antworten
Ich kennen niemanden der in eine Balletvorstellung geht. Wer geht da eigentlich hin. Warum müssen solche Balletschauer überhaupt subventioniert werden. Ballet ist auch extrem ungesund. Die meisten ehemaligen Balletstars sind nachher "körperlich durch". Antworten
Worin soll der "politische Kurzsschluss" denn bestehen? Jemand soll Frau Kübler erklären, was eine Fraktionserklärung ist. Als Mitglied der SVP-Kantonsratsfraktion, Programmchef und Verfasser der besagten Erklärung weiss ich aus sicherer Quelle, dass vorderhand keine weiteren Massnahmen geplant sind. Angesichts der Aufregung könnte man sich allerdings eine Subventionskürzung überlegen... Antworten
Spoerli soll ein Problem mit der Selbstbeherrschung haben. Das hat sich hier öffentlich gezeigt. So etwas darf nur ganz selten vorkommen , besser nie. Der Einnahmenausfall des vom Steuerzahler hoch subventionierten Hauses hat Spoerli zu verantworten. Bing von der Met konnte vor 45 Jahren sagen: 5000 Abende und kein einziger Ausfall. Antworten
Wenn ich bedenke, dass ich mehrmals pro Saison zu Ballett- und Opernabenden des Opernhauses aus Lugano anreise (mit allem nötigen Drum- und Dran wie Uebernachtung etc.) - - - und dass es sicher auch bei dieser Nicht-Vorstellung zahllose Besucher von auswärts gegeben hat, finde ich das traurig! Selbst wenn man den Kartenpreis zurück erhält, ist das kein Ersatz! Antworten
wir sind alle selber schuld: JEDES verkaufte operhaus-billet subventionieren wir mit 277.40 von unseren steuergeldern. nicht schlecht. viele zürcher bürgerInnen verdienen nicht einmal soviel pro tag. also, stoppt endlich diese unanständigen subventionen, damit die beiden bürger perreira und spörrli endlich spüren was es heisst, finanzielle verantwortung zu übernehmen UND anständig zu bleiben. Antworten
The show must go on? Nein, man soll sich nicht alles gefallen lassen. Das gilt auch für die gewöhnliche Arbeitswelt. Oder will man etwa sagen, die Arbeiter einer Firma müssten sich die unmöglichsten Zustände aus blinder Loyalität zum Chef gefallen lassen? Antworten
Der Begriff 'Erfolg(reich)' hat wohl die Mansarde erreicht und spielt jetzt Enfant Terrible. Wenn in dieser Oper ähnlich wie im Kindergarten läuft- voilà! Der Laden Züri-Oper findet sich klasse, ist es leider nicht. Seit Jahren geht's nur um Streitereien dort, Künstler und Künstlerisches hin oder her. Und die Frust muss kein Star ans Publikum auslassen- und Punkt. Pardon, Vorhang zu. Antworten
Selbstverständlich machen die technischen Abteilungen des OHZ mal Fehler. Ob das gestern so war, sei dahin gestellt. Wenn Herr Spoerli aber ein so grosser Profi wäre, dann hätte diese Vorstellung auch stattfinden können, aber stattdessen musste er mal wieder das Spielchen mit dem Absagen spielen. Und es soll mir keiner sagen, dass Spoerli bei der Dispo nichts beeinflussen könnte. Antworten
Wie gut ist das Opernhaus Zürich, im internationalen Vergleich? Vielleicht so gut wie sein Publikum vom Zürchberg und von der Gioldküste. Ein objektives Rating gibt es nicht, und die Mehrheit der Stimmbürger/innen und Steuerzahler ist so oder so ausgeschlossen. Zweifellos ist das Zürcher Ballett Provinz, es hat ja weltweit auch kaum Auftritte. Antworten
Nun das sind sich wohl zwei Alpha-Tierchen in die Haare geraten. Es ist ja bekannt, dass Herr Pereira kein Blatt vor den Mund nimmt und gerne ohne Rücksicht auf Verluste austeitl. Herr Spörli ist auch gerne zickig und gestern ist das ganze dann wohl mal explodiert. Dass die beiden sich aber nicht einrenken konnten, zeigt, doch, dass endlich jemand her der BEIDEN Herren sagt wo's lang geht. Antworten
Heinz Spoerli ist ein ausgezeichneter Choreograph und Balletmeister. Dass er so plötzlich eine Aufführung absagt, kann man sicherlich nicht an den Vorhängen "aufhängen". Das muss der Tropfen gewesen sein, der das Glas zum Ueberlaufen brachte. Da kann man den Fehler nicht nur Heinz Spoerli in die Schuhe schieben - was wissen wir schon, welcher Frust sich da aufgebaut hat. Antworten
Jessas Herr Spörrli, mal drüber nachgedacht was fürn Stress jede Aufführung für Bühnentechnik Beleuchtung, Requisite, etc bedeutet? Wohl kaum, oder es ist ihnen schlicht egal! Ich kenne diesen Stress an diesem Haus aus eigener Arbeitserfahrung. Was Sie sich erlaubt haben ist schlicht despektierlich gegenüber dem gesamten Personal. Take your Money and run.. Antworten
Ich finde die Aussage von Herr Spörrli "das Haus habe IHM zuviel zugemutet" vorsichtig ausgedrückt unverschämt... Das was man den ganz "normalen Angestellten" in diesem Haus zumutet, dass ein solch straffes Programm überhaupt reibungslos über die Bühne geht (was in 99% der Fall ist), DAS finde ich unzumutbar und erwähnenswert! Antworten
Es gärt überall...Was sich Musiker alles gefallen lassen müssen! Und das in der ganzen Schweiz. Angesagte Konzerte werden einfach abgesagt, wenn Musiker bereits angereist sind. Spesen für die Reise? Meist keine. Die Oper Zürich steht nicht alleine da mit diesem Problem. Antworten
Leider ist das Opernhaus Zürich geteilt . Beste Opernproduktionen der Welt - ein Vergnügen immer garantiert. Ballett leider - Provinz. Schwacher Choreographer und das Programm- kein vergleich mit der Klasse von Kilian, Eck, Neumeier u. A. Es wäre an der Zeit das Niveau der Balletttruppe dem Niveau der Oper im Haus anzupassen und Herrn Spörli eine Chance in den anderen Häusern der Welt anzubieten. Antworten
The show must go on, das ist die Devise in jedem Theater, jedem Konzert, jedem Zirkus und jeder Oper, egal was passiert. Da haben offenbar einige Leute im Opernhaus den Faden völlig verloren. Das muss schnell verbessert werden oder sonst müssen auch unangenehme Konsequenzen gezogen werden. Antworten
Ich kann Herrn Spörli gut verstehen. Bei diesen vielen Premieren und Wiederaufnahmen, muss die Qualität irgendwann mal leiden. Meine grosse Bewunderung für Herrn Spoerl und sein Ensemble. Was er und sein Ensemble in Zürich geleistet hat, ist absolute Weltklasse. «Nocturnes/Solo/Der Tod und das Mädchen» (Premiere und B-Premiere) war der „Hammer“. Da verzeihe ich Herrn Spoerli noch einiges ;-). Antworten
Künstler sind bekannterweise eine eigene Spezie. Auch wenn viele am Anschlag sind, darf eine unmittelbare Vorstellung nicht einfach abgesagt werden. Man sieht bei diesen Profis einfach auch keine Freude an der Aufführung. Das Ganze wird zu einem Muss. Am Opernhaus Zürich ist dringend eine Auswechselung erforderlich. Nur so kommt neuer Wind hinein und man kann gute Vorstellungen geniessen. Antworten






Martin Sigrist
Das Interview im TA vom 11.9.10 bewegt, macht neugierig. Dort, wo Menschen wirken, die ihr Bestes unter schwierigsten Umständen vollenden, einen Fehler machen und zu diesem Fehler stehen können, ja das bewegt! Vielleicht sogar einen "Berner" nach Zürich... Mit ÖV selbstverständlich! Antworten