Bertrand Cantat spaltet Genf
Von Martin Ebel. Aktualisiert am 13.05.2011 1 Kommentar
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Zu acht Jahren Haft wegen Totschlags war Bertrand Cantat, einstiger Leadsänger der Rockband Noir Désir, verurteilt, vier hat er verbüsst. Nach seiner Entlassung 2007 hat er als Musiker bereits Auftritte gehabt. Aber die Ankündigung, er werde im Herbst beim Antikenprojekt «Des femmes» von Wajdi Mouawad an der Comédie de Genève teilnehmen, hat für empörte Kommentare und reisserische Schlagzeilen gesorgt. Besondere Schlauberger witterten bereits einen «kalkulierten Theaterskandal» zur Hebung der Zuschauerzahl. Regisseur Mouawad erklärt dagegen in «Le Temps», das Engagement sei rein künstlerisch motiviert. Das Sophokles-Projekt thematisiere die Schuldproblematik. Dejanira etwa, die ihren Mann Herakles ungewollt getötet hat, widerspricht dem Chor, der für solche Taten Nachsicht empfiehlt: So leicht will sie sich nicht davonkommen lassen. Es sei unmöglich, hier nicht an Cantat zu denken, der Teil dieses «Rock-Chores» sein soll (und die Bühnenmusik komponiert). «Wir sehen uns einem Menschen gegenüber, der das Desaster seines Lebens betrachtet», erläutert Mouawad den künstlerischen Ansatz.
Intendant verteidigt Engagement
Die Meinungen sind aber auch in der Theaterszene gespalten. Die scheidende Direktorin der Comédie, Anne Bisang, zeigt sich «konsterniert». Der ab Herbst amtierende Intendant Hervé Loichemol verteidigt das Engagement Cantats (von dem er zuvor nichts wusste) in Zeitungen der Westschweiz: Das Theater sei ein Ort der Gastfreundschaft, nicht der Zensur. Cantat habe für seine Tat bezahlt. Auch sei niemand gezwungen, sich das Stück anzusehen. Einen ähnlichen Fall gab es in Deutschland. Dort fand Christoph Wackernagel, Mitglied der Terrorgruppe RAF, nach zehnjähriger Haft wieder zurück zu seinem Schauspielerberuf und trat an verschiedenen Bühnen, in Kinofilmen und im Fernsehen auf.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.05.2011, 07:57 Uhr
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1 Kommentar
Ich würde gerne wissen was Cantat heute über sein Leben und seine Tat denkt, wie er das alles verarbeitet hat, bevor ich mir eine Meinung bilde. Wenn er sich wirklich geändert hat und es bereut, warum sollte er kein neues Leben beginnen können? Er ist ja kein Therapie resistenter Serienmörder. Aber eben, ich weiss zu wenig über ihn. Antworten
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