«Ich kann nicht an einem solchen Theater arbeiten»

Eine Künstlerin sagt ab, die Kirchen äussern ihren Unmut: Der Rauswurf der Schauspielchefin am Berner Stadttheater zieht Kreise.

Der Rauswurf der Schauspielchefin am Konzert Theater Bern zieht Kreise.

Der Rauswurf der Schauspielchefin am Konzert Theater Bern zieht Kreise. Bild: Valérie Chételat (Archivbild)

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KTB? Konzert Theater Bern. Seit neuem allerdings auch: «Keine Transparenz benötigt». Die Affäre um die Absetzung der Schauspielleiterin ist bei den Schnitzelbänklern an der diesjährigen Fasnacht angekommen – ebenso die viel kritisierte Haltung des Stiftungsrats, nichts zu den Gründen für die Freistellung Stephanie Gräves zu sagen.

Ein Ausfall im Spielplan

Weniger fasnächtlich fallen andere Reaktionen aus. Aus Italien kommt eine Absage: von Silvia Costa, der 1984 geborenen Performerin und Regisseurin. Sie war Teil des Schauspielprogramms für nächste Saison, an dem Gräve gearbeitet hat. Geplant war ein Projekt mit Texten von Samuel Beckett. Die Arbeit mit den Schauspielern sei weit fortgeschritten, sagt Costa. «Aber ich kann nicht an einem Theater arbeiten, wo man Leute von einem Tag auf den anderen feuert, ohne Angabe von Gründen.» Costa hat auch die Petition unterzeichnet, die vom Stiftungsrat «Transparenz» über seinen Entscheid fordert.

Prominentester Posten im Programm 2016/17 – so weit bekannt – ist der Theatermacher Milo Rau. Dabei soll es bleiben, auch ohne Stephanie Gräve. Rau arbeitet mit der Behindertentheatergruppe Hora an einem Stück, das er in Bern zeigen will. Allerdings wird es nicht hier produziert und darum auch nicht mit Schauspielern des Stadttheaters besetzt. «Es gab Gespräche mit der Schauspieldramaturgie», sagt Milo Rau, «aber noch keine Zusage des Theaters oder von meiner Seite.» Für solche Verbindlichkeiten wäre es zu früh gewesen: «Das Projekt steht noch am Anfang.» Er habe sich mit seinem künstlerischen Team für einen anderen Produktionspartner entschieden – «das kann vorkommen». Man sei mit dem Stadttheater aber für ein Gastspiel im Gespräch.

«Wir sind erstaunt»

Mittlerweile äussern sich auch Vertreter der Kirche. Vor zwei Wochen hatte Stephan Märki, Intendant des Stadttheaters und Chef Stephanie Gräves, die verstärkte Kooperation des Theaters mit den Kirchgemeinden kritisiert, die Gräve verfolgt hatte. «Wir haben die Zusammenarbeit sehr geschätzt», sagt Ludwig Spirig-Huber, Sprecher der Katholischen Kirche Region Bern. Umso weniger versteht er Märkis Haltung. «Wir haben bisher vom Stadttheater stets etwas anderes gehört: Die gemeinsamen Projekte seien auch für das Theater ein Erfolg und eine Chance, das Schauspiel für neue Zielgruppen zu öffnen.» Auch Spirig unterstützt die Petition, die Aufklärung verlangt. Und: «Wir sind an einer Fortführung der Zusammenarbeit interessiert.»

Das gleiche Unverständnis äussern die Reformierten. «Wir haben Stephanie Gräve als sehr kreativ, innovativ und offen erlebt und sind über ihre Freistellung erstaunt», sagt Andreas Nufer von der Offenen Heiliggeistkirche. Er habe sich nach ihrer Absetzung informieren lassen und sei beruhigt worden, die geplanten Projekte würden durchgeführt. Daran zweifelt Nufer weiterhin nicht – trotz der Ankündigung des Stadttheaterchefs, er wolle künftig «weniger Kirche».

Noch hängig ist ein parlamentarischer Vorstoss, der von der Stadtregierung eine Stellungnahme zum Fall Gräve verlangt. (Der Bund)

(Erstellt: 18.02.2016, 20:52 Uhr)

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