Kultur

«...in ihr langes, frisch gewaschenes Haar flüstern»

Von Benedetto Vigne. Aktualisiert am 12.03.2010

Die schottische Sängerin Amy Macdonald bringt eine neue CD heraus. Darauf zeigt sie sich ruppig und selbstbewusst. Hören Sie rein.

Amy Macdonald: Ihr neues Album macht neugierig.

pd

Stichworte

Die CD

Amy Macdonald: A Curious Thing (Melodramatic/Universal).

Hörpoben:

Your Time Will Come:


This Pretty Face:


Don't Tell Me That It's Over:


Love Love:

«...Ich erkannte die wispernde Stimme einer dieser mädchenhaften Sängerinnen, die sich selbst auf der Gitarre begleiteten, kulleräugig vom CD-Cover glotzten und stets derart unglücklich und verloren klangen...» Das hält der Detektiv V. J. Kumar in einer WG an der Langstrasse fest, erfunden vom indischzürcherischen Krimiautor Suni Mann. Man darf hier auch an Amy Macdonald denken – obwohl die junge Schottin nur am Rande mal ins Wispern fällt, in der Regel jedoch ruppig und burschikos und selbstbewusst drauflossingt.

Und allein ist sie schon gar nicht, sie, die schon auf ihrem hunderttausendfach verkauften Debütalbum nach einer richtigen Band rief – die Band hat diese Amy längst bekommen; es spielen der produzierende Pete Wilkinson mit und neuerdings sogar der mythische Paul Weller, der das Studio lieh und somit quasi Pate stand für diesen ziemlich schmutzigen, ziemlich druckvollen Post-Indie-Rocksound, der die einsame Mansarde, in der die Lieder entstanden sind, glattweg vergessen lässt. Dass diese geschmackvoll und stilsicher geschrieben sind, sozusagen dem klassischen Popsongwriting gehorchend, das verraten sie postwendend.

Bekenntnisse

Dass sie gar etwas eckenlos und repetitiv ausgefallen sind, allerdings auch. Das zeigt sich besonders auf der inhaltlichen Ebene. Waren die Titel auf dem Debütalbum noch recht bunt und storyorientiert, so zeigen sie jetzt auf «A Curious Thing» einen Hang zum Abstrakten und zur Innerlichkeit.

Immer wieder schimmert das Thema durch, das Amy Macdonald schon mit ihrem Hitsong «Mr Rock ’n’ Roll» angesprochen hatte: die Freuden und Leiden des Stardaseins. Das reicht von Bekenntnissen wie «All I wanted was an ordinary life» über Warnungen wie «This pretty face don’t work no more» bis hin zur Einsicht: «This is what happiness means to me», die getragen wird von einem schönen Piano-Teppich. Am liebsten würde man die Macdonald, gesprochen nochmals mit den Worten von Detektiv V. J. Kumar, «...an sich drücken und immer wieder in ihr langes, frisch gewaschenes Haar flüstern (...), dass es schon okay sei und alles gut werde». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2010, 17:49 Uhr

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