Dreifacher Saitenzauber als vorzeitiges Feuerwerk

Ausmusizierte Kompositionen, schillernde Farbnuancen: Das Berner Symphonieorchester zündete bereits in seinem zweitletzten Konzert der Saison ein Schlussbouquet.

Überzeugte mit dem BSO: Dirigent Michel Tabachnik.

Überzeugte mit dem BSO: Dirigent Michel Tabachnik. Bild: zvg

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Zwar spielt das Berner Symphonieorchester sein Kehraus-Konzert vor dem Umbau des Kultur-Casinos erst Ende Juni. Doch nun hat es bereits im zweitletzten Saisonkonzert ein Schlussfeuerwerk gezündet. Wobei das Zünden von den Wetterverantwortlichen allzu wörtlich verstanden wurde: Aufgrund der herrschenden Temperaturen im Kultur-Casino gabs für die Herren des Orchesters deshalb am Freitag eine Tenüerleichterung, statt schwarzer Fräcke dominierten weisse Hemden die Bühne. Auch das Programm versprach musikalisches Feuer: So weckte Claude Debussys gross besetztes Spanienbild «Ibéria» mit viel südländischem Kolorit Ferienträume und fächerte ebenso wie Igor Strawinskys «Feuervogel»-Suite ein breites Spektrum an orchestralen Klangfarben auf. Dirigent Michel Tabachnik spürte den beiden Tondichtungen mit tänzerischem Gestus, klaren Übergängen und kontrastreicher Gestaltung nach und entlockte dem Berner Symphonieorchester viel französisches Flair und bestechende Soli aus allen Registern.

Etwas erratisch erschien im Vergleich mit diesen flexibel gestalteten und ausmusizierten Kompositionen Johannes Brahms’ Tragische Ouvertüre. Energisch und mit viel Schmelz, gelegentlich allerdings unpräzise im Zusammenspiel von Bläsern und Streichern, eröffnete sie den ansonsten französisch geprägten Abend. Gleichsam zum ersten Höhepunkt des Abends geriet derweil die programmierte Rarität, ein Tripelkonzert mit singulärer und historische Grenzen sprengender Besetzung.

Der Schweizer Komponist Frank Martin schrieb seine Petite Symphonie concertante bewusst für «alle noch heutzutage gebräuchlichen Saiteninstrumente» und bezog deshalb neben den Streichern ein Klavier, eine Harfe und ein Cembalo mit ein. Das aus dieser Idee entstandene Werk nun bot dem Solisten und den beiden Solistinnen (Gerardo Vila, Line Gaudard, Sonja Lohmiller) zwar kaum Gelegenheit zu virtuoser Selbstdarstellung, zeichnete sich aber durch die gelungene Suche nach aparten Klangkombinationen aus.

Zum satt, doch nie dominant aufspielenden Klavier mischten sich die goldenen Tontropfen der Harfe und der geräuschhafte Silberklang des Cembalos mit seinen verschiedenen Registern. Nicht zuletzt trugen zum veritablen Saitenzauber auch die spiegelsymmetrisch um die Sologruppe angeordneten Streichorchester bei, die ihrerseits in variantenreichen Besetzungen und mit vielfältigen Farbnuancen das klangliche Feuerwerk vervollständigten. Daniel Allenbach (Der Bund)

Erstellt: 19.06.2017, 08:13 Uhr

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