Kultur
Wie ein blühender Berner Feuerball
Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 13.05.2012
Afrobeat
Seit Anfang des Jahrtausends feiert der Afrobeat wieder Hochkonjunktur. Zwischen Tokio und Los Angeles schiessen Bands aus dem Boden, die sich dieser musikalischen Errungenschaft annehmen, die 1969 vom Nigerianer Fela Anikulapo Kuti erfunden wurde. Fela vermengte die Sexyness des Funks mit dem Furor afrikanischer Widerstandsmusik und mit einer unbändig rohen Form des Jazz. Afrobeat war ein kämpferisches Statement gegen die Seuche der Korruption, gegen Machtmissbrauch, Unterdrückung und die Relikte des Kolonialismus. Und während man in den Clubs von London ausgelassen dazu tanzte, arrivierte die Musik auf dem afrikanischen Kontinent zum Soundtrack des Aufstands.
Den Faranas aus Bern geht es, im Gegensatz zu vielen anderen Afrobeat-Bands, nicht um Werktreue oder Vintage-Chic, sondern um eine eigene zeitgenössische Abwandlung des Stils. Auf ihrem mirakulösen Debüt-Album «Who Are You» tischt die Band, die zwischen 2003 und 2010 unter dem Namen The Felas als Fela-Kuti-Coverband durch die Lande reiste, eine apart mit Soul und Mali-Blues angereicherte Deutung des Afrobeats. «Wir haben erkannt, dass wir als Schweizer Band nie die politische Brisanz und Dringlichkeit der Originale in unserer Musik auffangen können. Deshalb war es so befreiend, an einer ganz eigenen Deutung dieses Sounds zu werkeln», sagt Vibrafonist Dominik Alig.
Von der Stammformation fehlten in Burkina Faso der Sänger Rich Fonje (für ihn übernahm der Sänger und Perkussionist Mory Samb das Frontmikrofon) und der Bassist Tonee Schiavano (er wurde durch Andreas Aeberhard ersetzt).
Agenda
Nächste Konzerte:
23. Juni, Fête Multiculturelle, Vevey.
7. Juli, Natural Sound Openair Kiental.
Der Afroboogie als Blog
Das gesamte Tour-Tagebuch ist unter www.afroboogie.derbund.ch nachzulesen.
in Zeichen vom Techniker. Der Radio-Moderator beugt sich über das Mikrofon und legt los: «Es sind Menschen, die ein Musikinstrument an der Stelle des Herzens tragen», sagt er mit feierlicher Stimme. «Durch die Verschiedenheit ihrer Visionen haben sie sich vereint, um zu sagen, dass die Welt eine und einzig ist. Wie ein blühender Feuerball, schwebend über dem Himmel von Bobo-Dioulasso an diesem Montagmorgen: die Faranas! Ihre Musik wird in uns eindringen, und zusammen werden wir ganz einfach das Paradies auf Erden geniessen.»
Es ist 10 Uhr in Burkina Faso. 39 Grad im Schatten. Die Worte, mit denen der Moderator der Morgenshow von Radio Bobo die Berner Afrobeat-Gruppe Faranas vorstellt und eines ihrer vier Konzerte in Burkina Faso bewirbt, sind vielleicht etwas salbungsvoll. Doch hier mag man das so. Jedenfalls die Mehrheit. Letztes Jahr wurde die Radiostation von Meuterern angegriffen, die Einschusslöcher neben dem bejahrten Revox-Studer-Equipment sind noch zu erkennen.
Stabilität ist keine Selbstverständlichkeit in einem der ärmsten Länder der Welt. 81 Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als 2 Dollar pro Tag auskommen, in vielen Regionen des Landes ist die Ernährungssicherung nicht gewährleistet. Es mangelt an vielem in diesem Land, nicht aber an der Herzlichkeit der Menschen.
Man hätte es sich einfach machen können
Eine Herzensangelegenheit ist auch der Besuch der Faranas in Burkina Faso. Ziel der Mission: Afrika die bernische Deutung des Afrobeats zu unterbreiten und diese mit Musikern vor Ort zu verfeinern. Man hätte es sich auch einfach machen können, nachdem das renommierte Festival Jazz à Ouaga, das heuer seine 20. Austragung feierte, die Berner eingeladen hatte. Man hätte, wie die meisten der europäischen Bands, für den Festival-Auftritt hinfliegen, zwei-drei exotische Nächte in Afrika dazubuchen und wieder in die Erste Welt zurückkehren können. Zu erzählen hätte es auch so viel gegeben.
Doch den Bernern schwebte mehr vor. Etwa ein halbes Jahr dauerten die Vorbereitungen, ein geplanter Auftritt am Festival Bamako Jazz musste kurzfristig abgesagt werden, nachdem in Mali finstere bärtige Herren die Macht ergriffen, denen es gefiel, ihre Pressekonferenzen im Tarnanzug zu absolvieren. Als Gast haben die Faranas den malischen Wundergitarristen Baba Salah Cissé einfliegen lassen, ein Superstar des Mali-Blues und – wie sich bald herausstellen sollte – ein Musiker, mit dessen Schaffen jeder Taxi-Chauffeur in Burkina Faso bestens vertraut ist.
Zum Konzert in der Hauptstadt Ouagadougou hat man von der Schweiz aus zusätzlich drei Konzerte in Bobo-Dioulasso organisiert, der zweitgrössten Stadt in Burkina Faso. Dazu kommen Workshops mit Musikern und Strassenkindern, ein Fernsehauftritt im burkinischen Frühstücksfernsehen, Jams und vieles mehr.
Interkulturelles Wagnis
Ein Massnahmenkatalog mit so einigen kulturellen Unbekannten, ganz abgesehen von der Tatsache, dass schon allein die Neunkopf-Combo Faranas ein interkulturelles Wagnis darstellt. Der Schlagzeuger Fabian Bürgi beispielsweise ist im richtigen Leben Mitglied der Tunichtgut-Party-Männerriege Tequila Boys, der Tenorsaxofonist Jan Galega Brönnimann gehört den Elektro-Jazz-Innovatoren Brink Man Ship an, am Bass steht mit Andreas Aeberhard der Tieftöner von Lilly Yellow, und das Vibrafon bedient mit Dominik Alig ein Mann, der – neben vielem anderem – auf dem Bob-Dylan-Album von Polo Hofer die Schlägel geschwungen hat.
Dazu kommt mit Bernhard Häberlin der wohl beste Rhythmus-Gitarrist des Landes, der zusammen mit dem Alto-Saxofonisten Daniel «Bean» Bohnenblust die Gesandtschaft der Burgdorfer Funk-Institution Grand Mothers Funck bildet. Da ist Lisette Wyss am Bariton-Sax, welche die Roboter-Show Six Freaks Under und das Berner Buskers-Festival betreibt, und da ist Mory Samb, der Sohn eines senegalesischen Griots, aus Wyler bei Utzenstorf. Er übernimmt in Burkina Faso erstmals die Rolle des Faranas-Frontsängers.
Der Mann, der den ganzen heterogenen Haufen zusammenhält, heisst Adrien Oggier, ist Trompeter der Band und neben Dominik Alig der Einzige, der sich in Burkina Faso auskennt. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen, ohne ihn wäre die Band verloren, seinen Kontakten verdankt sie diese Reise, und er ist auch für die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort zuständig. «Guten Morgen Burkina Faso», sagt er ins Mikrofon des schwülstigen Radiomannes. «Wir werden Spass haben zusammen.»
Gegenseitiges Fremdeln
Einige Tage zuvor: Termin im «Jardin de la Musique» in Reemdoogo, nur unweit des Operndorfes, das der Regisseur Christoph Schlingensief kurz vor seinem Tod errichtet hat. Der «Jardin» ist eine Art Park mit Bühne und klimatisierten Studio- und Übungsräumen, ein Ort, wo sich neugierige Kinder nach der Schule treffen, junge und ältere Musiker ein- und ausgehen und Schulen ihren Musikunterricht abhalten.
Hier haben die Faranas für zwei Tage einen Übungsraum gemietet, und hier soll die musikalische Integration des Gastes Baba Salah Cissé vonstattengehen. Das Problem: Baba hat die CD, die man ihm von der Schweiz aus zugeschickt hat, nie erhalten, er kennt weder die Band noch die Songs, noch weiss er genau, was diese zunächst wenig zutraulichen Schweizer von ihm erwarten. Es wird gegenseitig gefremdelt.
Adrien Oggier, der Baba Salah vor Jahren in Mali kennengelernt hat, erklärt kurz den Ablauf, doch vieler Erklärungen bedarf es nicht. Baba hört sich den Klangkörper kurz an, nach einer Minute setzt er feine malische Gitarrenlinien neben die Funk-Gitarre von Bernhard Häberlin, nach drei Minuten setzt er zum ersten atemberaubenden Solo an, und nach fünf Minuten ist klar, dass da nichts mehr schiefgehen kann.
Szenenapplaus und Sorge
Ein Eindruck, der sich auch während des ersten Faranas-Auftritts auf afrikanischem Boden bestätigen wird. Die Probleme, die an diesem Konzert trotzdem auftreten, kommen nicht von der Bühne, die Sabotage betreibt jemand anderes. Er nennt sich Rasta und sieht auch so aus. Rasta ist der Tontechniker des Clubs Bois d‘Ébène, eine Art Gartenrestaurant mit Freiluftbühne. Der Club ist ordentlich besucht, das Publikum eher betucht, der Eintritt beträgt umgerechnet zwei Schweizer Franken. Und dann legt Rasta los. Sein Kunstwollen besteht darin, sämtliche Instrumente in der exakt gleichen Lautstärke abzumischen, und zwar in der Maximal-Lautstärke. Seine Anlage beginnt bald zu übersteuern und zu krächzen; wenn der vierköpfige Bläsersatz der Faranas losschmettert, schäumt das Bier auf, und es schlottert der Mangosaft auf den Tischen des interessierten Publikums.
Die Faranas selber präsentieren sich in prächtiger Verfassung. Der Afrobeat der Berner ist kein Abklatsch gängiger Floskeln, sie haben ihn mit traditionellen malischen Mustern angereichert, mit knackigem Funk und zünftigem Jazz-Appeal. Dem Stargast Baba Salah ist es mittlerweile dermassen wohl, dass er zu einem circa fünfminütigen Solo ansetzt, in welchem der distinguierte Herr mit den melancholischen Augen sich wiederholt auf die Knie wirft, sein Spielgerät hinter dem Rücken bedient und anderweitig ausufert. Baba gilt in Mali als kleiner Punk unter den Traditionalisten, als kleiner Empörer im Schönklang. Dies stellt er mit dieser Einlage ein für allemal unter Beweis. Es gibt wiederholt Szenenapplaus für ihn, andere schauen etwas besorgt auf die Bühne des Bois d‘Ébènes.
Zigarettenstummel in die Gehörgänge
Mit zunehmender Dauer des Konzerts gesellen sich immer mehr einheimische Trommler und Perkussionisten zu den Bernern auf die Bühne, es wird kulturausgetauscht, dass sich die burkinischen Bühnenbalken biegen. Und mittendrin: der Tonmann Rasta, dessen Mischpultkanäle allesamt im Roten flackern und dessen Rasta-Augen zufrieden funkeln.
«Das ist jetzt wohl die Afro-Hardcore-Variante der Faranas», sagt ein Bandbetreuer zu seinem Kollegen und steckt sich zwei Zigarettenstummel in die Gehörgänge. Er hat recht. Zwischenzeitlich klingt das fast ein bisschen wie eine jazzige Variante von Konono No 1, dieser afrikanischen Band, die deshalb hip wurde, weil sie ihre Daumenpianos über minderwertige Verstärkeranlagen jagte und dank dieser ungewollten Breitband-Verzerrung in europäischen Ohren tönte wie eine abgedrehte afrikanische Bio-Elektronika-Truppe. Die Faranas sind zufrieden, auch wenn das Publikum nach dem zweieinhalbstündigen Konzert und Rastas Brachial-Beschallung etwas erschlagen scheint.
Musik der 40-Jährigen
Bloss ein kleines Detail hat die Gruppe etwas irritiert: Zu ausgelassenen Tanzeinlagen hat sich das afrikanische Publikum nicht hinreissen lassen. Ein Umstand, der sich an den weiteren Konzerten wiederholen wird und den der landesweit bekannte Radio- und Fernsehmoderator Zé später so erklären wird: «Die Europäer gehen immer davon aus, dass wir Afrikaner gleich herumtoben, wenn irgendwo eine Trommel ertönt. Auch wir wagen uns erst auf die Tanzfläche, nachdem wir zuvor ein-zwei Bierchen gebechert haben.» Die Burkinabés seien sogar ausgesprochen scheue Menschen, die nicht gerne aus der Haut fahren.
Kommt hinzu, dass der Afrobeat in Burkina Faso bei Weitem nicht denselben Hipness-Faktor aufweist wie in Europa: «Hier in Burkina Faso ist der Afrobeat die Musik der 40- bis 60-Jährigen, und für unsere Ohren klingt die Musik der Faranas immer noch ziemlich europäisch», ergänzt Zé. Wer jung und urban ist, hört hier, wie fast überall auf der Welt, Jay-Z und Jean Paul, Reggae und Hip-Hop, Auto-Tune-Stimmchen und R’n’B-Gesässkreise-Musik.
Ein kleines Problemchen gibt es auch am zweiten Konzert der Faranas im Land der ehrenwerten Menschen (dies die offizielle Übersetzung von Burkina Faso). Es findet in einem Club namens Bambou statt, ebenfalls eine Outdoor-Anlage, ebenfalls ein lauschiges Plätzchen. Der beauftragte Techniker hat zwar ein Mischpult, Boxen und drei Kabel im Club abgestellt, doch dann ist er verschwunden und ward den ganzen Abend nicht mehr gesehen. Irgendein Notfall, wird gemunkelt. Und nun stehen ratlose Menschen um das technische Equipment herum und versuchen – mehr gedanklich als wirklich praktisch –, eine Verbindung vom Mischpult zur Tonanlage und von den Instrumenten zum Mischpult herzustellen. Irgendwann kommt man zum Schluss, dass dies mit drei Kabeln kaum zu bewerkstelligen ist.
Doch – wie immer in Afrika – gehts am Schluss dann doch irgendwie. Die Faranas spielen letztlich zwar ohne Bühnenboxen über einen schwächelnden Verstärker, aber sie tun es dermassen überzeugend, dass im Bambou-Club bald der Hinterste und die Letzte von ihnen hingerissen sind. Die Eintritte werden einem Heim für Strassenkinder gespendet, und eine kleine, superniedliche und grossäugige Abgesandtschaft dieser Strassenkinder darf das Vorprogramm der Berner bestreiten. Musik ist überall in Burkina Faso.
Hitze- und Angstschweiss
Nach dem dritten Konzert in Bobo-Dioulasso ist ein kleiner Workshop mit einer örtlichen Blaskapelle anberaumt. Als die Faranas das Terrain betreten, ist die zwölfköpfige Truppe bereits am Üben. Und – wie soll man es sagen – es klingt dermassen schief, dass den Schweizer Workshop-Beauftragten neben dem Hitzeschweiss bald auch der Angstschweiss von den Stirnen tropft. Das Problem ist bald geklärt. Die Instrumente, welche die Musiker im Institut bloss stundenweise ausleihen dürfen, sind in einem derart schlechten Zustand, dass sie sich schlicht nicht mehr stimmen lassen. Das Metall klemmt fest, die Hitze hat es mürbe gemacht.
Das tut dem Enthusiasmus der Gruppe indes keinen Abbruch. Bereits nach zehn Minuten Workshop schmettert sie voller Inbrunst ein amtliches Reggae-Thema in die Runde, es wird wild soliert, das Talent einiger Beteiligten ist unüberhörbar. Ähnlich rührend fällt der Workshop-Besuch im Heim für Strassenkinder aus. Entgegen der Einschätzung von Moderator Zé tanzt hier Afrika allerdings bereits beim Ertönen eines einzigen Bläsersatzes.
Die Kinder sind aufgekratzt, stürzen sich förmlich auf die mitgebrachten Faranas-Geschenke – einfache Kinder-Instrumente, die ohne besondere musikalische Vorkenntnisse gespielt werden können. Zum Helden wird hier Gitarrist und Lehrer Bernhard Häberlin. Er vollbringt das pädagogische Kunststück, die etwas impulsiven Heranwachsenden mit einer Burgdorfer Variante des rhythmischen Ringelreihe-Tanzes zu zähmen.
Nach dem Konzertauftakt in Bobo geht es zurück nach Ouagadougou. Eine Stadt, die auch nach mehrmaligem Betrachten unfassbar geblieben ist. Zur Unkenntlichkeit ausgefranst, beherbergt sie nach neuesten Schätzungen über 1,3 Millionen Einwohner. Ein Künstler, den man mit dem Auftrag betrauen würde, die Skyline von Ouagadougou zu schnitzen, würde mittelfristig ein Leben in Malaise und Bredouille fristen. Hier soll nun also, am 20. Festival Jazz à Ouaga, die Sternstunde des faranaschen Afrika-Aufenthalts schlagen.
Es ist kein Festival, das sein Programm nach Facebook-Hits oder nach den Listen der grossen Agenturen zusammenstellt. «Dafür ist unser Budget zu bescheiden», erklärt einer der Programmverantwortlichen. Weit wichtiger seien die persönlichen Kontakte zu Musikern aus aller Welt oder die Empfehlungen verschiedener Kulturinstitutionen. «Mit der Gage einer europäischen oder amerikanischen Jazz-Grösse lassen wir hier lieber drei weniger bekannte, aber qualitativ gleichwertige Bands auftreten.» Auf der Affiche 2012 finden sich denn auch vornehmlich grosse Namen aus Afrika wie der Lokalmatador Victor Démé, Vieux Farka Touré, Toumani Diabaté oder Bassekou Kouyaté.
Mit Zunge und Zähnen
Das Festival findet im Institut français statt, eine schicke Freiluft-Location mit angegliederter Bibliothek, Restaurant und Ausstellungsräumen. Die Faranas sind der Headliner an diesem Donnerstagabend, doch es klaffen unübersehbare Lücken in den Sitzreihen des etwa 700 Personen fassenden Auditoriums. Der Veranstalter hat es versäumt, den Stargast Baba Salah im Programm zu erwähnen, und die Vorband, ein esoterisch-akademisches Xylofon-Bass-Schlagzeug-Trio aus Brasilien, entpuppt sich auch nicht gerade als der grosse Quotenrenner.
Doch die Anwesenden lassen sich vom weissafrikanischen Afrobeat durchaus entflammen. Keiner verlässt den Platz – was beim Lokalmatadoren Victor Démé am Vorabend noch durchaus der Fall war –, Baba zeigt wieder seine Kunststücke an der Stromgitarre (dieses Mal malträtiert er sein Arbeitsgerät mit Zunge und Zähnen), Daniel «Bean» Bohnenblust soliert wie ein Herrgott und reisst das Publikum zu Jubelstürmen hin. Am Schluss stehen die Leute von den Sitzen auf und tanzen ausgelassen, die Tontechniker sprechen vom mit Abstand besten Konzert des Festivals, und der Sound ist fantastisch. Allein, die Faranas kriegen das offenbar nicht mit.
Die Helden des Abends habe es nicht bemerkt
Die Stimmung ist gedrückt nach dem Auftritt am Jazz à Ouaga. Im Hinterbühnenbereich wird geschimpft. Man habe zu viele Fehler gemacht, meint Adrien Oggier, man habe gespielt wie die Anfänger, und auch mit dem Publikum wird gehadert: «Die sind ja da gesessen wie im Marians Jazzroom», behauptet Bernhard Häberlin. Es sind typische Diskussionen nach einem Konzert, in das man die grössten Erwartungen hineinprojiziert und für das man keinen Aufwand gescheut hat. Und es sind typische Diskussionen unter Schweizer Musik-Perfektionisten.
Die Faranas waren die Helden des Abends, aber sie haben es nicht gemerkt. Oder sagen wir es in den prophetischen Worten des Radiomannes aus Bobo: Sie haben Ouagadougou erobert wie ein blühender Feuerball, schwebend über dem Himmel. Jedenfalls so ähnlich. Und sie wollen wiederkommen. Eine neuerliche Einladung des Festivaldirektors wurde schon mal mündlich deponiert. (Der Bund)
Erstellt: 13.05.2012, 16:37 Uhr











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