Kultur

Vorauseilende Begeisterung für Kutti MC

Von Christoph Fellmann. Aktualisiert am 05.08.2009

Ende August veröffentlicht Kutti MC sein neues Album. Am Dienstag stellte er «Sunne» im Kaufleuten schon mal vor, und was da zu hören war, war ausgesprochen gut.

«Sunne» erscheint am 28. August. Eine Besprechung folgt zu diesem Zeitpunkt.

«Sunne» erscheint am 28. August. Eine Besprechung folgt zu diesem Zeitpunkt.

Es gab einen melancholischen Rap über zwei, die sich zu sehr liebten («Julia & Lukas»), aber auch einen feixenden Diss an die Adresse eines «Wannabe-It-Girl», das Unterwasser-Kunstausstellungen organisiert. Es gab das verzweifelte «Hallo», in dem sich ein Rapper abhanden kommt, aber auch «Du bisch nid allei»: Das Wegfliegen und Aufbrechen, im Schweizer Mundartpop ein ewiges Motiv, wendet Kutti hier auf einen alten Mann an, der todesnah im Altersheim sitzt. «Flüg!», ruft er ihm zu. Es ist so traurig wie tröstlich.

Die ideale Band

Am Ende hatte man so fast das ganze neue Album gehört, von Kuttis älteren CDs gab es «nur» eine Freestyle-Version von «Dini Stadt» zu hören. Aber die neuen Geschichten sind das eine. Ihre Raps sind melancholisch, geistreich, angriffig und vertrackt – bester Kutti MC. Umso aufregender, dass der Berner auch seine neue Band vorstellte, das One Shot Orchestra aus Berlin, in dem auch der Schweizer Jacob Suske spielt, der bei uns als ehemaliger Bassist bei Lunik und als Theatermusiker bekannt ist. Das Trio beherrscht zwischen minimalem Funk und zackig geschnittenen Techno-Beats die zeitgenössische Clubmusik aus dem Effeff, integriert aber leichthändig auch poppige oder sogar folkige Melodien und Versatzstücke.

Vorläufig darf man sagen, dass das One Shot Orchestra für Kutti MC eine nahezu ideale Band ist. Auf dem Album sorgt sie für fein ausdifferenzierte Klangbilder, im Konzert lässt sie die Beats auch schon mal härter knallen und erweitert den Sound zu ekstatisch pulsenden Dancefloor-Schüben und zu geifernden Free-Rock-Passagen. Auch Kuttis lange, fulminante Freestyles, von denen es im Kaufleuten gleich drei gab, unterlegen sie mit einfachen, aber nie blöden Grooves, welche die improvisierten Raps elastisch mitgehen.

Ein Jahr lang war Jürg Halter als Dichter unterwegs, der aus seinen Gedichtbänden vortrug. Jetzt ist er als Kutti MC fulminant zurück. Die Fans harren des Albums. Die zirka 400, die im Kaufleuten waren, harren mit vorauseilender Begeisterung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.08.2009, 20:28 Uhr

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