Kultur

Reto Knobel
Ressortleiter Digital


«Supertramp klingt heute wie eine Karaoke-Band»

Aktualisiert am 17.06.2011 13 Kommentare

Roger Hodgson ist der Ex-Sänger von Supertramp. Der Engländer über seine berühmte Falsettstimme, die Qualität des Alters und die dümmste Entscheidung seines Lebens.

1/7 Roger Hodgson, der die meisten Hits geschrieben hat, schliesst im Interview mit DerBund.ch/Newsnet eine Wiedervereinigung mit Supertramp explizit aus.
Bild: Keystone

   

Der Klassiker: «Take the Long Way Home».
Quelle: Youtube

Hat auch schon 37 Jahre auf dem Buckel: «School» vom Album «Crime of the Century», mit welchem Supertramp der internationale Durchbruch gelang.
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Der grösste Hit, 2006 in Montreal vorgetragen: «Breakfast in America» aus dem gleichnamigen Album (1979).
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«Give a Little Bit» aus dem Album «Even in the Quietest Moments» (1977).
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Blues'n'Jazz

«The Voice of Supertramp» Roger Hodgson (siehe Interview) hat am Blues'n'Jazz-Festival in Rapperswil (SG) gleich zwei Auftritte: Am 24. Juni spielt er auf dem Hauptplatz, am 25. Juni auf dem Fischmarktplatz. Weitere Musiker sind unter anderem Melanie Fiona, Philipp Fankhauser und Mark Sway.

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Roger Hodgson, Sie treten seit 1969 auf den Musikbühnen dieser Welt auf und haben mit Supertramp über 60 Millionen Alben verkauft. Pro Jahr geben Sie 60 bis 70 Konzerte. Bob Dylan tourt mit 70 Jahren noch herum. Ein erstrebenswertes Ziel auch für einen 61-Jährigen wie Sie?
Warum nicht? Mit dem Alter wird man ja besser, nicht schlechter. Leider sieht das die Unterhaltungsindustrie anders und versucht, den Musikmarkt mit unausgegorenen Teenie-Songs zu fluten.

Warum sind Sie heute besser als, sagen wir, in den 70ern?
Früher war ich vor Konzerten sehr nervös, heute überhaupt nicht. Zudem ist meine Stimme besser geworden. Wenn ich mich auf alten Aufnahmen höre, mein Gott, das ist furchtbar. Ich hoffe, ich entwickle mich wie Picasso, der seine besten Arbeiten als alter Mann abgeliefert hat.

Sie sind ein endloser Wanderer – ein echter Supertramp eben. Und nie müde?
Ich lebe aus dem Koffer und in Hotelzimmern. Die vielen Konzerte sind zwar anstrengend, aber zum Glück kann ich mich auf meine vier Bandmitglieder verlassen. Im Winter gehe ich jeweils nach Kalifornien zurück, wo ich schon lange lebe. Vielleicht zieht es mich irgendwann mal in die Schweiz, ich habe mich schon oft in Luzern umgeschaut, aber bislang nichts Passendes gefunden.

Wie bereiten Sie sich auf ein Konzert vor?
Meine Setlist bestimme ich eine Stunde vor Konzertbeginn. Die Lieder werden von der Stimmung vor Ort diktiert. Songs wie «Give a Little Bit», «Breakfast in America», «The Logical Song» und «A Soapbox Opera» bilden das Gerüst.

Das sind alte Supertramp-Klassiker. Haben Sie noch Kontakt zu den ehemaligen Bandmitgliedern?
Ich verliess Supertramp 1983, nach dem Grosserfolg «Famous Last Words». Ich sehe die Jungs ab und zu, aber wahrscheinlich doch viel zu selten. Mit Dougie (Thompson, Bassist, Red.) habe ich vor zehn Jahren zusammen gespielt, mit Bob (Siebenberg, Schlagzeuger, Red.) vor zwölf Jahren. Auch John (Helliwel, Saxofonist, Red.) ist ein alter Kumpel.

Bandleader Rick Davies erwähnen Sie nicht. Das kann kein Zufall sein.
Schauen Sie. Nach der Trennung haben wir uns darauf geeinigt: Die restlichen Bandmitglieder dürfen unter dem Namen Supertramp touren und Alben herausgeben. Dafür darf ich als Solokünstler Roger Hodgson die Supertramp-Hits singen...

...die ja alle aus Ihrer Feder stammen.
Leider hat Rick Davies das Agreement gebrochen und spielt mit Supertramp weiter meine grössten Hits. Das macht mich sehr traurig.

Weil Supertramp mit Ihren Welthits Kasse macht?
Nein, weil Supertramp heute wie eine Karaoke-Band klingt. Der Supertramp-Sound wurde durch meine Stimme geprägt. Man kann nicht irgendeinen Sänger für Supertramp verpflichten und dem Publikum vormachen, das sei nun 100 Prozent Supertramp.

Sie klingen immer noch verbittert.
Ich ärgere mich nicht den ganzen Tag oder kann deswegen nicht schlafen. Aber rückblickend muss ich sagen, dass meine Zustimmung zum Agreement mit Rick Davies über das Namensrecht nicht die schlauste Entscheidung meines Lebens war. Rick hat das Agreement gebrochen, das verstehe ich einfach nicht. Rick hat selber viele wundervolle Songs geschrieben, warum spielt Supertramp nicht diese Lieder? Warum ging Rick so weit, für den Erfolg seine Integrität als Künstler zu opfern?

Ist eine Wiedervereinigung noch möglich?
Jetzt nicht mehr, dieser Zug ist definitiv abgefahren. Ich bin vor zwei Jahren das letzte Mal mit Rick zusammengesessen, um das Thema zu diskutieren. Er sagte mir, er wolle nicht mehr mit den anderen Supertramp-Musikern, aber mit mir touren. Daraus ist nichts geworden.

Warum nicht?
Ich möchte keine schmutzige Wäsche waschen. Nur so viel: Ein halbes Jahr nach diesem Gespräch gab Rick doch wieder Konzerte mit Dougie, John und Bob. Das hat mich dann doch sehr überrascht. Die Reunion ist damit endgültig vom Tisch.

Schade, sagt sich da der Fan.
Nicht unbedingt. Wenn früher etwas toll war, sollte man es vielleicht in der Vergangenheit belassen, damit es toll bleibt.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.06.2011, 10:03 Uhr

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13 Kommentare

Jack Berger

17.06.2011, 10:23 Uhr
Melden 19 Empfehlung 0

"Leider sieht das die Unterhaltungsindustrie anders und versucht, den Musikmarkt mit unausgegorenen Teenie-Songs zu fluten."
Genau, das ist ein Problem, Qualität gibt es kaum noch in der Musikindustrie, Wenn man heute den Radio aufdreht, ist das oft nichts anderes als organisierter Lärm.
Antworten


Dan Horber

17.06.2011, 11:30 Uhr
Melden 5 Empfehlung 0

1983 war ich am sensationellen Abschiedskonzert von Supertramp im alten "Joggeli" - zusammen mit über 50'000 Fans. Es war gewaltig. Und Roger Hodgson trifft es genau: Die alten Songs ohne seine Stimme sind einfach nicht vergleichbar. Noch heute höre ich regelmässig "Paris" oder eben "Famous last Words" - diese letzten Worte waren wirklich famos! Antworten



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