Singen lässt sich nicht erzwingen
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 22.11.2011 53 Kommentare
Maeder: 'Business in Me'
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Mehr als ein Jahr nach dem Unfalltod von Steve Lee übernimmt der Schweizer Nic Maeder die Rolle des Gotthard-Frontmanns. Offenbar konnte die Band aus 400 Kandidaten auswählen. «Die finale Entscheidung fiel einstimmig auf Nic», schrieb die Band auf ihrer Website. Fragt sich, was die finale Entscheidung der Fans ist: dem Ersatzsänger eine Chance geben – oder die Band abschreiben?
Andere Rockbands, die nach einem Sängerwegfall noch einmal auftrumpfen wollten, haben bereits mehr oder minder erfolgreich vorgemacht, wie man legendäres Gesangspersonal austauscht: So gingen die Doors mit dem früheren Cult-Sänger Ian Astbury auf Tournee (totaler Flop), AC/DC ersetzten Bon Scott mit Brian Johnson (fast besser als das Original) und Van Halen wechselte David Lee Roth mit Sammy Hagar aus (spielte – zumindest aus kommerzieller Sicht – keine Rolle).
Frontmann per Castingshow
Selbstverständlich ist eine Band nie wieder die gleiche, wenn man den Sänger auswechselt. Denn nicht nur die Stimme geht verloren, sondern auch das Gesicht der Band und meistens ein Teil des Songwritings. Das wussten 2005 auch die verbliebenen Queen-Mitglieder. Trotzdem suchten sie einen Ersatz für den von den Fans vergötterten Freddie Mercury (nicht auszudenken, was dies an Einschüchterung für einen möglichen Nachfolger bedeutete). Robbie Williams sagte denn auch ab. Schliesslich heuerte man den ehemaligen Bad-Company-Sänger Paul Rodgers an, was Queen prompt zur Gedächtniskapelle verkommen liess.
Einen ganz anderen, aber nicht minder peinlichen Weg gingen INXS nach dem Tod ihres charismatischen Sängers Michael Hutchence. Die Australier suchten per Castingshow einen neuen Sänger. Tatsächlich wurden sie fündig; der Gewinner der Show schmetterte die INXS-Hits glaubwürdig hin – doch die gemeinsam aufgenommenen Songs waren jämmerlich und entsprechend erfolglos.
Led Zeppelins erfolglose Suche
Nun gibt es – AC/DC machen es vor – auch Bands, die ihren Sänger zu ersetzen wissen. Zum Beispiel Black Flag (Henry Rollins für Keith Morris) oder Pink Floyd (David Gilmour für Syd Barrett). Und Genesis (Phil Collins für Peter Gabriel) – gewiss, man kann über diese Beispiele streiten. Doch generell lässt sich sagen, dass eine Band ihren Sänger überlebt, wenn sie weniger durch Bühnenpräsenz als durch ihre Songs bekannt geworden ist und keinen Personenkult zugelassen hat. So sagte Talentscout John Kalodner, der Bands wie Aerosmith und Foreigner entdeckte, einmal: «Sobald eine Band genügend Gassenhauer hat, reicht es den meisten Fans, wenn irgendein Sänger die Hits live nachsingt. Der Ersatz muss 75 Prozent des Songs hinbringen, den Rest erledigen die Leute im Kopf.»
Das sagte sich wohl auch Jimmy Page. Der Led-Zeppelin-Gitarrist stand vor wenigen Jahren zum ersten Mal seit der Trennung 1980 wiedervereint mit Sänger Robert Plant auf der Bühne und absolvierte einen sensationellen Auftritt. Das machte Appetit auf mehr. Die Idee einer Tournee kam auf, aber Robert Plant verweigerte sich, erfreut er sich doch einer erfolgreichen Solokarriere. Worauf Page andere Sänger castete, darunter Aerosmith-Frontmann Steven Tyler. Doch die Bemühungen waren vergebens, Plant bleibt unersetzlich.
Was das für Gotthard bedeutet, sei hier dahingestellt respektive Ihrem Urteil überlassen: Schafft Gotthard mit dem neuen Sänger ein Comeback? Und was halten Sie von unseren Beispielen in der Bildstrecke? Meinungen bitte unten eintragen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.11.2011, 10:28 Uhr
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53 Kommentare
Comeback? Waren denn die schonmal da? Der Vergleich mit Queen, Doors, AC/DC, Zep und Pink Floyd scheint mir ja schon ein bisschen hoch gegriffen. Oder hab ich da jetzt die ganz besondere Besonderheit verpasst? Gabs da noch was anderes als dass es Schweizer sind? An den Texten kanns wohl nicht liegen, denn in dem Vergleich wirkt ja selbst Gölä nobelpreisverdaechtig. Antworten
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