Kultur

Sex, Drugs und Rumlümmeln

Von Benedikt Sartorius. Aktualisiert am 25.04.2012

Am Samstag ist in Bern ein verbotenes Stück Filmgeschichte zu sehen: «Cocksucker Blues» von Robert Frank heftet sich an die Fersen der Rolling Stones – und zeigt das ganze glamouröse Elend des Rock'n'Roll.

Der Glamour täuscht: Mick Jagger auf Tour.

Der Glamour täuscht: Mick Jagger auf Tour.
Bild: Courtesy of Robert Frank

«Cocksucker Blues»

Robert Frank in Bern

Das Kino Kunstmuseum zeigt am Samstag «Cocksucker Blues» (Restkarten an der Abendkasse erhältlich) als Teil einer umfassenden Robert-Frank-Zyklus. Der Zyklus dauert noch bis am 2. Mai und präsentiert neben den beiden Langspielfilmen «Candy Mountain» und «Me and My Brother» verschiedene Kurzfilme von Robert Frank.

Am Freitag wird Robert Frank im Stadttheater der Swiss Press Photo Lifetime Achievement Award der Stiftung Reinhardt von Graffenried überreicht. Am Samstag findet zudem ein Gespräch mit dem Fotografen und Filmemacher im Kornhausforum statt.

Weiterhin geöffnet ist die Ausstellung «Ferne Nähe / Distant Closeness / Hommage für / A Tribute to Robert Walser» im Robert Walser Zentrum.

Bildstrecke

50 Jahre Rolling Stones

50 Jahre Rolling Stones
Sie haben Sex, Drugs and Rock 'n' Roll erfunden. Nun wird die wichtigste Band der Rockgeschichte 50. Ein Blick zurück in Bildern und Videoclips.

Bildstrecke

Robert Frank

Robert Frank
Im Robert-Walser- Zentrum in Bern zeigt Robert Frank teils unveröffentlichte Bilder.

Artikel zum Thema

Teilen und kommentieren

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Werbung

Das Leben auf Tournee, es muss grausam sein. Auch und gerade für Stars vom Kaliber der Rolling Stones, die 1972 mit ihrem schwarzen Meisterwerk «Exile on Main Street» im Gepäck eine grosse Konzertfahrt durch die USA absolvierten. Und natürlich ist ein solches Leben on the road – rumlümmelnd zwischen Privatjet, Tourbus, Interviewterminen, Hotel und weiträumigen Sportarenen-Garderoben – zumindest in den Siebzigern nur mit Drogen und sexuellen Eskapaden zu bestreiten. Dass da die Fiebrigkeit des Rock’n’Rolls zuweilen auf der Strecke bleibt, geschenkt.

Geschenkt auch, dass ein sensationelles Zeitdokument wie «Cocksucker Blues» den Rolling Stones nicht gefallen konnte – und den Film im Giftschrank der Bandgeschichte einschlossen. Denn der Film des Schweizer Fotografen Robert Frank – entstanden in bester «Cinéma verité»-Manier mit zahlreichen Handkameras – zeigt das ganz banale Leben der Rockstars. Da muss der bleiche Bube Mick Jagger schon froh sein, wenn eine Sex-Orgie im Privatjet ansteht.

Demontierter American Dream

Ja, diese explizite Montage des glamourösen Elends geht zu Herzen: Auf der Tonspur brabbeln kaum verständlich die Bandmitglieder und Manager; reinmontiert werden ein Poem von William S. Burroughs und Stimmen, die von der zersetzenden Kraft der Rockmusik warnen. Man erlebt in all der bleiernen Monotonie, wie Mick Jagger beim Room-Service scheu Früchte bestellt – «three apples, please» – und lernt, dass die Kamera nie lügt, obwohl der Film gemäss dem Intro fiktional zu begreifen ist.

Natürlich ist die Reise durch die USA für Robert Frank auch ein Wiedersehen mit den «Amerikanern», dem Land aus seinem epochalen Fotoband «The Americans». Auf den Busreisen durch die Einöden, vorbei an Gefängnissen, im TV mit dem zugeschalteten US-Wahlkampf oder in den Hotellobbys wird die Illusion des American Dream weiter demontiert, durch den die bleichen Buben aus England in ihrem Drogenrausch taumeln.

Frank findet eine Sprache, die Stummfilm- und Cut-Up-Techniken mit Songfragmenten der Rolling Stones verbastelt und die unfreiwillige Komik des Daseins als Rockstars lustig an die Oberfläche bringt.

Die befreite Band

Mindestens einmal in den 95 Minuten, und schliesslich doch noch, fängt Robert Frank die Fiebrigkeit der Rock’n’Roll-Musik sensationell ein: in einem Jam mit Stevie Wonder, verstärkt mit einem Bläsersatz, Perkussion sowie weiteren Gitarren gibt die befreite Band Wonders Hit «Uptight (Everything’s Alright)» und «(I Can’t Get No) Satisfaction». Hier ist die Band, die Amerika zu ihrem gelobten Land auserkoren hat, nahe an der Erlösung.

Umso schwerer verständlich, dass dieses Passagenwerk auch vierzig Jahre nach seiner Entstehung nur in Anwesenheit des 88-jährigen Regisseurs im Kino gezeigt werden darf – zumal in Zeiten von Youtube, wo «Cocksucker Blues» zerstückelt greifbar ist. Und umso schöner, dass dieses Leben der anderen nun, einmalig und erstmals, in Bern zu sehen ist. Nur glamourös, nein, das ist es nicht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.04.2012, 14:35 Uhr

0

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Noch keine Kommentare

Kultur

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen

Jetzt wechseln und sparen

Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.

Alles für Abonnenten und Abonnentinnen

Laden Sie sich Ihr ePaper auf Ihren Computer und blättern Sie gratis und ab 5 Uhr früh in Ihrem "Bund".

Benegast

Benegast® die erste ganzheitliche Marke für alle Verdauungsprobleme.

Online-Wettbewerb

Wir feiern - Sie profitieren. Einen Tag lang freie Fahrt ab CHF 25.- mit Bahn, Bus und Schiff im gesamten BLS-Gebiet.

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.