Kultur
Rasta gibt den Ton an
Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 29.04.2012
Die Faranas im Bois des Bènes.
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Tag 4. Bobo Dioulasso. Temperatur: 37 Grad. Stimmung: grossartig.
Gestern ist es also passiert. Das erste Afrika-Konzert der Faranas. Und das Ganze begann ganz verheissungsvoll. Der Tontechniker des Clubs – er nennt sich Rasta und er sieht auch so aus (allerdings nicht wie ein Rasta von der Sorte gemütlich-ungezwungen, sondern eher vom Schlag zaundürr und streng) – dieser Rasta also, hatte bei Ankunft der Band bereits jeden Ständer aufgestellt, und jedes Mikrofon verkabelt, und die Anlage war auch schon Gängig gemacht, ein Standard, der in der Schweiz längst nicht in jedem Club geboten wird.
Rasta war auf dem besten Weg, zum Helden des Abends zu werden, doch es sollte ein bisschen anders kommen. Ein bisschen schlechter.
Maximale Lautstärke
Der Club hiess Bois des Bènes und es war keine Spielstätte, wie wir sie hier so kennen, mit schicken geräumigen Türstehern, jungen hippen Menschen und barschem, abgestumpftem Barpersonal. Gut, das Barpersonal war in diesem speziellen Fall barsch und abgestumpft, aber ansonsten glich das Ganze eher einer hübschen Garten-Kaschemme mit eingebauter Freiluftbühne.
Dann legte Rasta los. Sein Kunstwollen bestand darin, sämtliche Instrumente in der exakt gleichen Lautstärke abzumischen, und zwar in der Maximal-Lautstärke. Seine Anlage begann bald zu übersteuern und zu krächzen; wenn der vierköpfige Bläsersatz der Faranas losschmetterte, begann das Bier aufzuschäumen und es schlotterte der Mango-Saft auf den Tischen des interessierten Publikums.
Rasta hatte zu Beginn des Konzerts jegliche Einmischung in seine Arbeit untersagt, und er hatte dies dermassen dezidiert getan, dass sich niemand vom Team getraute, sich dieser Verordnung zu widersetzen. Man weiss ja nie, in Afrika.
Nur der Saxofonist Jan Galega Brönnimann hatte den Mut aufgebracht, während des Soundchecks einzuwenden, dass der 10-Sekunden-Hall, den Rasta auf die Snare-Drum von Bürgi Fabian zu legen trachtete, vielleicht doch ein bisschen heftig sei und womöglich der Klarheit des Gesamtklangs eher abträglich sein könnte. Rasta nahm das zur Kenntnis. Seine Reaktion darauf war, dass er die Stimme des Sängers Mory Samb kurzerhand mit dem selben Halleffekt dekorierte.
Die Afro-Hardcore-Variante
Die Faranas selber präsentierten sich in prächtiger Verfassung. Der Afrobeat der Berner ist kein Abklatsch gängiger Floskeln, sie haben ihn mit traditionellen malischen Mustern angereichert, mit knackigem Funk und zünftigem Jazz-Appeal. Der malische Gastgitarrist Baba Salah Cissé hat sich ebenfalls prima in die Band eingefügt, und dermassen wohl ist ihm bereits, dass er im Bois des Bènes zu einem zirka 5-minütigen Solo ansetzte, in welchem der distinguierte Herr sich abermals auf die Knie warf, sein Spielgerät hinter dem Rücken bediente und anderweitig ausuferte.
Mit zunehmender Dauer des Konzerts gesellten sich immer mehr einheimische Trommler und Perkussionisten zu den Bernern auf die Bühne, es wurde kulturaustauscht, dass sich die burkinischen Bühnenbalken bogen. Und mittendrin, der Tonmann Rasta, dessen Mischpultkanäle allesamt im Roten flackerten und dessen Rasta-Augen zufrieden funkelten.
Faranas spielten gestern in der Afro-Hardcore-Variante, Aeberhards Andreas Bass übersteuerte ebenso wie das Vibrafon Alig Dominiks und das Bariton-Saxofon von Wyss Lisette, der einzigen Frau im Umzug. Zwischenzeitlich klang das fast ein bisschen wie eine jazzige Variante von Konono No 1, diese afrikanische Band, die deshalb hip wurde, weil sie ihre Daumenpianos mutwillig über minderwertige Verstärkeranlagen jagte und in europäischen Ohren klingt wie eine abgefahrene Bio-Elektronika-Truppe.
Die Flucht auf die Toilette
Das Publikum gibt sich trotzdem temporär tanzfreudig, am Schluss des zweieinhalbstündigen Auftritts dann aber vielleicht doch etwas erschlagen von Rastas Brachial-Afro-Klangästhetik.
Nur einer bringt es bloss auf einen zweistundenundfünfundzwanzigminütigen Auftritt an diesem Abend. Mitten in der letzten Zugabe ist Schluss für Daniel «Bean» Bohnenblust. Mitsamt Saxofon und Rucksack saust er auf einmal fluchtartig von der Bühne. In Richtung Toilette. Wir werden auch hier dranbleiben. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.04.2012, 20:47 Uhr
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