Kultur

«Party ist das Beste. Die mistet dich seelisch aus.»

Von Hanna Jordi. Aktualisiert am 02.02.2012

Schlagersänger Jürgen Drews kommt für zwei Auftritte nach Bern. Vorher äussert er sich im «Bund»-Interview über Altstadtkeller, die reinigende Wirkung von Partys und sein Banjo.

«Ich mache richtig Party. Ich werde auch in Bern richtig Party machen», verspricht Schlagersänger Jürgen Drews.

«Ich mache richtig Party. Ich werde auch in Bern richtig Party machen», verspricht Schlagersänger Jürgen Drews.
Bild: zvg

Jürgen Drews

Der Mann mit kinnlangem Haar und Stockzahnlächeln ist seit über 40 Jahren im Musikgeschäft. Bekannt wurde er in den 70er-Jahren als Schlagersänger. Die neue Version von «Ein Bett im Kornfeld» war es denn auch, die ihn 1995 nach einem längeren Taucher wieder auf die Erfolgsspur hievte. Seither tingelt Drews auf Mallorca, seinem Sommerwohnsitz, durch die Discos und in seiner Heimat durch die Après-Ski-Klubs, arbeitet als Produzent und bringt fleissig Platten heraus (zuletzt: «Schlagerpirat»). Dazwischen findet er Zeit für zwei Auftritte in der Region: Barstreet-Festival, BEA, Fr, 3. Feb., 21 Uhr und Das Zelt, Lenk, Sa, 4. Feb., 20.15 Uhr.

Herr Drews, in Deutschland sind Sie als «König von Mallorca» längst Kult. Jetzt stehen Ihnen zwei Auftritte in der Region Bern bevor – wird Sie das hiesige Publikum genauso wohlwollend aufnehmen?
Also mit den Schweizern habe ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Einschlägige Erfahrungen. Wo fange ich bloss an? Ich war mal mit so einem Schweizer Mädel zusammen, Micheline hiess die, unglaublicher Name, aus Neuchâtel, ein Mannequin. Ich hatte zu Micheline gesagt, ihr könnt ja gar nicht feiern, ihr Schweizer. Und sie sagte: «Na, du wirst dich wundern.» Und tatsächlich, wir feierten, bis der Arzt kam. Auch mit Bern verbinde ich spezielle Erinnerungen. Mindestens fünf Mal war ich in diesem Altstadtkeller, ein kleiner Laden, ich weiss nicht mehr, wie er heisst. Da ging der Punk ab! Diese Leute haben mich später auf ein Thunersee-Schiff eingeladen, voll mit Jugendlichen. Und auf einmal sangen alle: «Ewigi Liebi . . .» (singt), ein Monsterhit! Ich habe das Lied auf meiner LP «Schlossalle» auf hochdeutsch veröffentlicht. Die Schweizer Jungs und Mädels können sich nicht irren.

Was erwartet die Menschen, die einen Ihrer Auftritte besuchen?
Ich singe logischerweise Hits wie das «Bett im Kornfeld» oder «Irgendwann irgendwo irgendwie seh ich dich wieder . . .» (singt). Dann werd ich singen «Wieder alles im Griff, ooooh ooooh . . .» (singt). Ach, Entschuldigung, ich kann noch gar nicht richtig singen, ich bin erst aufgestanden, obwohl jetzt schon fast 14 Uhr ist. Jedenfalls werde ich ziemlich was auspacken.

Ihr Metier ist der Schlager. Bloss in den 80ern scherten Sie einmal aus, als Sie in den USA eine Elektro-Rock-Platte veröffentlichten. Wird Ihnen die Rolle des Schlagersängers manchmal zu fad?
Nun, inzwischen habe ich mich mit dem Schlagersänger-Dasein arrangiert, kann man sagen. Ich bin damals in die USA gegangen, weil ich es leid war, in den Medien immer nur der Schlagersänger zu sein. Alles wegen dem «Bett im Kornfeld». Dabei hatte ich den Titel in den 70ern gar nicht als Schlager aufgefasst, für mich war das einfach ein etwas countrylastiger Popsong. Irgendwann hatte ich Lust, in Amerika eine Popkarriere zu starten. Ich wäre auch geblieben, wenn nicht die Familie gerufen hätte. Als ich dann in 90ern wieder Fuss fassen konnte in der Musikszene, war es wieder mit dem «Bett im Kornfeld», wieder im Schlager, diesmal aber eher im Partybereich. «Ich bin der König von Mallorca . . .» (singt), «Wir wollen hüpfen, hüpfen, hüpfen . . .» (singt) – ich mache richtig Party, ich werde auch in Bern richtig Party machen. Partymusik, das ist es.

Dabei sind Sie musikalisch ziemlich vielseitig – als Fünfzehnjähriger wurden Sie als der beste Banjo-Spieler des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Vermissen Sie Ihr altes Zupfinstrument hin und wieder?
Ich spiel immer noch, einfach die Gitarrenstimme. Und nicht mehr so elegant wie damals, das ist klar. Jeweils im Sommer in Mallorca, wenn irgendein Reporterteam irgendeine Szene mit mir am Strand drehen will, dann krame ich mein Banjo hervor und spiele alle meine Titel auf dem Banjo.

Die Partymusik spricht vor allem ein jüngeres Publikum an – ist das ein Jungbrunnen für einen 66-Jährigen Mann wie Sie?
Das ist es definitiv. Natürlich habe ich auch ältere Zuschauer, die sagen dann halt, wir wollen mal sehen, was der Drews so macht, ist der wirklich so bescheuert oder ist das nur eine Masche. Aber von der Bühne aus sehe ich fast ausschliesslich Jugendliche, die Party machen, und diese Karnevalsstimmung hält definitiv jung. Aber – hier kommt das aber – man muss auch auf den Körper achten. Der braucht Bewegung, der braucht gesundes Essen. Wie der Lateiner sagt: Mens sana in corpore sano. Wenn man sich tierisch wohlfühlt in seiner Haut, tierisch wohl in seinem Umfeld, wie ich das tu, dann ist das der wahre Jungbrunnen.

Der Ruhestand drängt sich für Sie also nicht gleich auf?
Wer sich in meinem gesetzten Alter keine Sorgen über das Morgen macht, ist ein Dummkopf. Aber wenn die Libido noch stimmt, auf jedem Gebiet, dann hast du alle Voraussetzungen, um das Leben zu geniessen. Und ich geniesse es, auf der Bühne zu stehen und Party zu machen. Party ist das Beste überhaupt. Die mistet dich seelisch aus.

(Der Bund)

Erstellt: 02.02.2012, 08:58 Uhr

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