Kultur

«Nur ein toter Rockstar ist ein guter Rockstar»

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 24.07.2011 33 Kommentare

Noch nie konnte die Welt einem Musiker bei der Selbstzerstörung so zuschauen wie bei Amy Winehouse. Dass ihr Tod keine Überraschung ist, macht ihn umso tragischer.

1/7 Ein Fan vor der Londoner Wohnung von Amy Winehouse.

   

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Die Soul-Diva starb in ihrer Wohnung in London. (Video: Reuters)

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Vor drei Jahren fertigte der Künstler Marco Perego eine Skulptur von Amy Winehouse an. Das Kunstwerk zeigte die Sängerin tot am Boden liegend. Auf die Frage, warum er Winehouse so darstelle, antwortete Perego, dass es sich um eine «Warnung» handle. Natürlich hat Winehouse nicht auf ihn gehört. Die Sängerin, die mit der Songzeile «Sie wollten mich zum Entzug überreden, aber ich sagte Nein, Nein, Nein», zum Superstar wurde, ist heute 27-jährig gestorben.

Zwar starb Amy Winehouse in ihrer Wohnung, doch ihr Tod war ein öffentlicher. Noch nie konnte die Welt einem Künstler bei der Selbstzerstörung so genau zusehen. Auf der Bühne, in der Presse, bei Youtube. Ein «langsames und schmerzhaftes Sterben», nannte ihr Vater die letzten Jahre im Leben seiner Tochter. Ein Leben, dessen Tragik höchstens von Winehouses Talent überragt wurde. Mit 14 verfasste sie ihre ersten Liedtexte, mit 18 hatte sie ihren ersten Plattenvertrag. 2003 erschien das Debütalbum «Frank», bei dem Winehouse an allen Liedern mitgeschrieben hatte. Drei Jahre später gelang ihr mit «Back to Black» der internationale Durchbruch. Die Mischung aus Jazz und Soul, begleitet von ihrer trotzig-rauchigen Stimme, eroberte die Charts im Sturm.

Es sollte ihr letztes Album bleiben, denn zu diesem Zeitpunkt hatte die rasante Talfahrt ihres Lebens bereits begonnen. Aus der eigentlich hübschen Frau war eine spindeldürre Alkoholikerin geworden. Ihre Texte dokumentierten Liebe, Schmerz, Sucht und Entzug. Winehouse wusste, wovon sie sang. Mit 24 war sie nicht nur der Droge Crack verfallen, sondern litt an Magersucht, Herzrhythmusstörungen und einer Lungeninfektion. Gleichzeitig blies die Boulevardpresse zum Halali auf den kranken Star, Winehouses Tod auf Raten wurde zum grossen Geschäft. «Der grösste Coup wäre es, eine tote Amy Winehouse abzulichten», verriet ein Paparazzi öffentlich: «Damit könnte man sich zur Ruhe setzen.»

Talent als tödliche Hypothek

Winehouses Familie machte ihren damaligen Freund, den Schnorrer und Taugenichts Blake Fielder-Civil, für Amys Verfall verantwortlich. Doch als Fielder-Civil aus ihrem Leben verschwand, besserte sich wenig. Vielmehr zeigte sich, dass Winehouse eine jener Künstlerinnen war, deren wunderbares Talent eine tödliche Hypothek ist. Zwischen Erfolg und Elend pendelnd, entwickelte ihr Leben einen Sog, der nur eine Richtung kannte: Nach unten.

Hendrix, Morrison Joplin, Cobain - natürlich kommen einem heute Abend andere Jahrhundertkünstler in den Sinn, deren Talent Fluch und Segen war (und die wie Winehouse alle mit 27 starben). Doch der ewige Ruhm, den diese Musiker durch ihren frühen Tod erlangten, dürfte Winehouse verwehrt bleiben. Die Zeiten, in denen Rockstars stellvertretend für ihre Fans abstürzten – und ihr Leben quasi in einem heroischen Akt für die Musik hergaben – sind vorbei.

Anachronistische Erscheinung

Heute ernähren sich Stars makrobiotisch, statt Drogendealer haben sie persönliche Fitnesstrainer auf der Lohnliste - und werden von den Fans dafür bewundert. So gesehen, war Amy Winehouse im Musikbusiness stets eine anachronistische Erscheinung und wurde von Fans und Medien entsprechend wahrgenommen; nicht als todesverachtender Rockstar, sondern ganz nüchtern-medizinisch: als Alkoholikerin. Da war es nur logisch, dass sie vor ein paar Wochen an ihrem Belgrader Konzert, wo sie betrunken erschien, ausgebuht wurde.

Marco Peregos Skulptur der toten Amy Winehouse hiess «The Only Good Rock Star Is A Dead Rock Star». Was damals zynisch klang, ist am heutigen Tag nur noch traurig. Noch trauriger aber als die Nachricht von Amy Winehouses Tod ist die Tatsache, dass er niemanden überrascht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.07.2011, 22:28 Uhr

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33 Kommentare

Alfred Majorski

24.07.2011, 12:15 Uhr
Melden 64 Empfehlung

"Beste Britische Sängerin aller Zeiten". Dass ich nicht lache! Talent ja, vergeudet massiv. Ehrlich gesagt, mich hat Tod auch nicht gerade überrascht. Wer sich derart mit Drogen zudröhnt und sich dann nicht helfen lassen will, selber schuld. Es gibt neben ihr viele ebenso talentierte, aber drogenfreie Musiker, wie z.B. Adele oder Kimbra. Nur spielt man die halt nicht häufig genug auf DRS3 + Co. Antworten


Matthias Dorau

24.07.2011, 11:09 Uhr
Melden 30 Empfehlung

ich muß ehrlich sagen - ich wein ihr keine Träne nach. Die Musik laß ich da mal ganz außen vor. Aber dass dann so jemand als Vorbild für unsere Jugend agiert ....
sorry - ich aber meine Meinung.
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