Kultur
Lustig, aber nicht dumm
Von Lukas Meyer-Marsilius. Aktualisiert am 04.10.2012 8 Kommentare
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Der Hit dieses Sommers kam aus Südkorea: «Gangnam Style» von Psy steht seit Mitte Juli auf Youtube und wurde in dieser Zeit bereits 360 Millionen Mal angeschaut. Ausserdem hat das Video mit momentan 3,5 Millionen «Gefällt mir»-Klicks einen neuen Rekord aufgestellt. Der 34-jährige Sänger Psy (Kurzform von Psycho) alias Park Jae-sang hat einen Welthit gelandet – er ist einer der ersten asiatischen Popstars, die auch in der westlichen Welt die Charts stürmen.
Momentan tritt er überall auf: Bei einem Baseballspiel der Los Angeles Dodgers ist er Pausenüberraschung, in der Show von Ellen De Generes bringt er der Gastgeberin und Britney Spears seinen Tanz bei. Für den hat er lange gepröbelt und verschiedenste Tiere nachgeahmt, bis es schliesslich eine Art Pferde-Rodeo-Tanz wurde, den jeder nachahmen kann, auch nach ein paar Bier.
Flashmobs und Parodien
Im völlig überdrehten Video zu «Gangnam Style» führt er seinen expressiven Tanz vor. Die Musik dazu ist nicht sonderlich originell, erinnert an Euro-Rave oder die rockigen Stücke von Rihanna & Co. Der Text macht sich lustig über die Reichen, Schönen und Szenigen im Gangnam-Viertel von Südkoreas Metropoloe Seoul und ist eigentlich sehr sozialkritisch. Damit erreichte er auch in Südkorea die Spitze der Hitparade. Psy ist dort seit längerem ein Star, obwohl er mit seiner pummeligen Figur und seiner Selbstironie nicht so recht in die von perfekter Oberfläche und westlichen Schönheitsidealen beherrschte Welt der südkoreanischen Popmusik, genannt K-Pop, passt.
Das Video, das nur für den Heimmarkt vorgesehen war, erlebte eine klassische Meme-Geschichte. Zahlreiche Leute von überall, darunter auch Popstars, teilten das Lied über die sozialen Netzwerke, und es verbreitete sich immer mehr. Nelly Furtado und Britney Spears tanzten dazu, in vielen Städten gab es «Gangnam Style»-Flashmobs.
Dazu kommen die unzähligen Parodien (eine Auswahl davon sehen Sie links in der Box), vom obligaten «Der Untergang»-Wutausbruch von Bruno Ganz über Versionen mit Barack Obama und Mitt Romney bis zur nordkoreanischen Variante. Psy hat gemerkt, dass er davon nur profitieren kann, und Video und Lied zur Bearbeitung freigegeben.
Westliche Klischees vom Asiaten?
Die Frage ist, ob man sich im Westen nur lustig macht über den Rapper, ob man in ihm das Klischee vom harmlosen, etwas nerdigen Asiaten sieht, der lustiges Englisch spricht. Doch auch wenn Psys Motto «Sei lustig, aber nicht dumm» dazu passen würde – genau mit solchen Klischees spielt er auch selber und macht sich lustig darüber. Sein Video ist selber schon eine Parodie. Wenn ein Amerikaner oder Europäer nun über den dicken Asiaten mit seinem bekloppten Tanz lacht und nicht merkt, dass er dabei auch selber auf die Schippe genommen wird, dürfte das Psy kaum kratzen.
Trotzdem läuft Psy Gefahr, zumindest im Westen ein klassisches One-Hit-Wonder zu werden. Der Erfolg des Liedes liegt sicherlich weder in der einfallslosen Musik noch im kritisch-ironischen Text, sondern einzig und allein in der Darbietung des Tanzes. Er wird sich fragen müssen, wie er weitermachen und ob er den Pferdetanz sein ganzes Leben aufführen will. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.10.2012, 11:19 Uhr
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8 Kommentare
One-Hit wonder für den Westen. Wenn Sie nicht nur YouTube Recherche betrieben hätten, wüssten Sie, dass Psy in Korea kein unbeschriebenes Blatt ist/war. Er ist schon länger Bestand der K-Pop Szene. Bin mir auch ziemlich sicher, dass er nach diesem Lied nicht mehr im Westen zu sehen sein wird, im Osten jedoch wird er eine Feste grösse werden, besonders nach diesem riesen Hit. Antworten

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