Lisette Superstar
Aktualisiert am 30.04.2012 1 Kommentar
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Tag 5. Bobo Dioulasso. Temperatur: 39 Grad. Stimmung: Spiellaune.
Das zweite Konzert der Faranas im Land der ehrenwerten Menschen (dies die offizielle Übersetzung von Burkina Faso) findet in einem Club namens Bambou statt. Ebenfalls eine Outdoor-Anlage, ebenfalls ein lauschiges Plätzchen und ebenfalls mit einem kleinen Problemchen behaftet. Der beauftragte Techniker hat zwar ein Mischpult, Boxen und drei Kabel im Club abgestellt, doch dann ist er verschwunden und ward den ganzen Abend nicht mehr gesehen. Irgendein Notfall, wird gemunkelt.
Und nun stehen ratlose Menschen um das technische Equipment herum und versuchen – mehr gedanklich als wirklich praktisch – eine Verbindung vom Mischpult zur Tonanlage und von den Instrumenten zum Mischpult herzustellen, und irgendwann kommt man zum Schluss, dass dies mit drei Kabeln kaum zu bewerkstelligen ist. Bald erscheint ein Ersatztechniker, der aber auch gleich wieder abdreht, um fehlende Kabel und abenteuerliche Drähte herbeizuschaffen.
Die Aktion CH-Afrobeat für Afrika läuft prima an
Doch – wie immer in Afrika – gehts am Schluss dann doch irgendwie. Die Faranas spielen letztlich zwar ohne Bühnen-Boxen über einen schwächelnden Verstärker, aber sie tun es dermassen überzeugend, dass im Bambou-Club bald der Hinterste und die Letzte von ihnen hingerissen sind.
Die Aktion CH-Afrobeat für Afrika läuft prima an, die Eintritte werden einem Heim für Strassenkinder gespendet, und eine kleine, super-niedliche und grossäugige Abgesandtschaft dieser Strassenkinder darf das Vorprogramm der Berner bestreiten. Herzerweichend-allerliebst ist das.
Während des Konzerts der Faranas wird es dann zeitweise wieder ein bisschen unübersichtlich auf den Bühnenbrettern. Temporär wächst die Band etwa um fünf Personen an, mal greift ein Sänger mit einem Fela-Kuti-T-Shirt ins Geschehen ein und singt sich (gut, übrigens) die Seele aus dem Leib, mal sind es Trommler und Perkussionisten, welche die Bühne entern. Die Faranas lassen sie gewähren, sparen ihnen Platz für Soli aus und reissen das Ruder wieder an sich, wenn es sich gebietet. Baba, der Gast aus Mali, verzichtet diesmal zwar auf sein 5-Minuten-Solo mit Kniefall und Hinter-dem-Rücken-Spiel, steuert dafür ein eigenes Lied bei, das von den Faranas dankbar aufgegriffen wird.
Verwirrende Sprechchöre
Bei diesem ganzen personalaufwändigen Changieren und Kombinieren sticht indes ein Missstand ins Auge: Es fehlen die Frauen. Die einzige Dame auf der Bühne bleibt die Faranas-Baritonsaxofonistin Wyss Lisette, die bei der Vorstellung der einzelnen Musiker stets mit einem besonders herzlichen Applaus bedacht wird.
Im Bambou jedoch gehts dann sogar noch ein bisschen wilder zu und her. Kaum haben sich die Faranas von ihrem Publikum verabschiedet, setzen schon die Lisette-Sprechchöre ein. Immer lauter und einhelliger, begleitet von einem rhythmischen Klatschen. Man ist gerührt, dass das weibliche Musizieren hier in Afrika derart geschätzt wird, und so schickt man die Lisette für die erste Zugabe allein mit dem Sänger Mory Samb auf die Bühne.
Erst einige Stunden später, bei einem Bar-Gespräch mit ein paar Einheimischen, klärt sich der Irrtum auf. Man habe nicht «Lisette», skandiert, behaupten diese, sondern «Bisé», was nichts anderes als «Zugabe» bedeute. Sollen sie das nächste Mal nicht so Nuscheln, die Afrikaner. Und verdient hätte Lisette die Sprechchöre allemal. Zut alors.
Erstellt: 30.04.2012, 13:37 Uhr
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