Jukebox
Pierre Omer veröffentlicht mit «See what's hidden» ein grossartiges Debüt. (zvg)
Aufbruch
Pierre Omer Ein Mann, ein Akkordeon, eine akustische Gitarre, ein Klavier: Immer wieder funktioniert dies für ein Intermezzo auch ohne Worte und erinnert dabei an Stummfilme vergangener Tage mit ihrer vereindeutigenden, übersteigerten Gestik und Dramatik. Und die kräftige Emotionalität bleibt, auch wenn Worte dazukommen, ebenso wie das Gefühl, man befinde sich in einer anderen, vergangenen Welt, als das Leben noch real war und hart wie die Arbeit in der Fabrik. Pierre Omer, der schon bei den seit Jahren aufgelösten Dead Brothers spielte und Kompositionen beisteuerte, hat beinahe im Alleingang ein Album aufgenommen: «See what's
hidden» (Radiogram records/Lautstark Music). Hier gibt er den mit dunklem Timbre singenden Geschichtenerzähler. Den Boulevard-Ton des Albumtitels hat der in Genf und Madrid lebende, in Indien und der Schweiz verwurzelte, 37 Jahre alte und wiederholt fürs Theater tätige Pierre Omer gottlob nicht aufs Album
getragen. Ein kleines Album, ein grossartiges Debüt.
Unterwegs
Leonard Cohen Der Kanadier mit Jahrgang 1934 hat unter dem Titel «Live in London» (Columbia/Sony Music) das vollständige Konzert,?das er am 17. Juli vergangenen Jahres in London gab, herausgebracht. Keineswegs bedarf es der gleichzeitig erschienenen, identischen DVD, um der Verführungskraft von Demut, Dienst an der Sache, Charme und altersweiser Spitzbübigkeit zu erliegen. Die Kritiken für seine Konzerttournee waren so gut wie das Publikum begeistert. Davon kann man sich nun selbst überzeugen, die Konservierung des zweieinhalbstündigen Konzerts ist ausgezeichnet gelungen. Cohens Vorstellungen waren ein fabelhaft gestaltetes Programm mit deutlicher Schwerpunktsetzungen bei einzelnen Schaffensphasen. Kommt als Nebeneffekt hinzu, dass Cohen das allzu häufig bemühte aufklärerische Argument, es gehe doch nur ums Geld, als Kriterium für eine künstlerische Beurteilung ein für allemal entwertet hat. Es geht ums Geld, aber der Mensch muss nun mal leben, und dass Cohen noch einmal den Hut kreisen lassen musste, war ihm kein Grund, seine Würde zu verlieren. Die Tour, by the way, geht weiter.
Auf Achse
Neil Young Und gleich noch ein Kanadier, der zwar zehn Jahre jünger, mit seinen 63 aber auch kein junges Gemüse mehr ist. Die Liste mit Neil Youngs Meriten ist lang, seine Position als Nummer zwei seiner Generation weithin unangefochten. Youngs Verdiensten tut «Fork In The Road» (Reprise/Warner) keinen Abbruch, obwohl er uns schon lange nicht mehr so platt vorbeigekommen ist. Es geht vorwärts, besinnungslos, für die gute Sache. Young war sein ganzes Schaffen über mit dem amerikanischen Traum und den amerikanischen Mythen verwoben. Man mag diese gemeinhin als uramerikanisch geltende Mischung aus Pragmatismus und Hybris bewundern. In der Tat ist das neue Album die Begleitmusik zum Projekt, einen zweieinhalb Tonnen schweren 59er Lincoln Continental aus Youngs Autofriedhof als ökologisches Wunderwerk wieder flottzumachen – sicher die interessanteste Idee seit der Quadratur des Kreises. «Floatin‘ along on the Rio Grande, Coca Cola in my hand in the Promise Land». Immerhin ein Gutes muss man dem Album lassen: Es ist der lauteste Stein, der nach Beendigung der Präsidentschaft Bush von einem Herzen fiel. (Der Bund)
Erstellt: 07.05.2009, 11:13 Uhr
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