Ins Bauchfell statt ins Herz
Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 28.11.2011 3 Kommentare
«Tanz, mach dich frei»
«Sweet Lucy»
In derart musikfeindlichen Zeiten ist es ein Akt von mutwilliger Unvernunft, einen solchen Klangkörper in die Welt zu setzen: Zwölf Musiker stehen auf der Bühne, plus ein Butler und ein tipptopp gekämmter Gast-Rockabilly, 40 Personen sind insgesamt in das Projekt involviert, vom Pyrotechniker bis zum Destilliermaschinenbauer, als Texter und Songschreiber betätigten sich Berner Erhabenheiten wie Steff la Cheffe, Resli Burri, Bubi Rufener oder Reverend Beat-Man.
Der Baumeister dieses wunderbaren Irrsinns heisst Mario Batkovic, ein hochbegabter Akkordeonist, der als Autodidakt am Konsi Bern stracks zum Musterschüler aufblühte und sich später in der Gruppe Kummerbuben Street Credibility verdiente. Destilacija heisst sein Monster, das erst einen Auftritt zum Abschluss des diesjährigen Gurtenfestivals auf dem Kerbholz hat. Doch im Nacken fuchteln honorige Förderer, und die Erwartungen der versammelten Berner Musikszene in die Band sind exorbitant. Der Auftritt im gut frequentierten Dachstock zeigt, was von diesem Grossprojekt zu erhoffen ist, aber auch wo die Problemzonen liegen.
Clash der Kulturen
Und wie er schallt und hallt, dieser Klangkörper! Sechs Bläser schmettern clever arrangierte Sätze in den holzigen Hörsaal, gedoppelt von Stromgitarre und elektrischem Bass, eine Wucht generierend, wie man sie auch von ausdrücklich grobschlächtigen Rockcombos nur selten vernimmt. Dazu gibts Batkovic als Akkordeonist, Batkovic als Gitarrero, Batkovic als nervöser Publikumsanimateur und Batkovic am Frontmikrofon.
Letztere Rolle habe er nie gesucht, gesteht er nach dem Konzert, er habe bisher schlicht keinen Sänger gefunden. Die Suche müsste weitergehen, als Sänger wirkt Mario Batkovic etwas gar undezent. Er habe seine Identitätsfindung mit Destilacija in die Musik verlängert, hat Mario Batkovic einst gesagt, entsprechend diffizil ist es, einen roten Faden zu finden. Wenn schon Kulturen-Clash, dann richtig, und warum anklopfen, wenn sich die Türe auch gleich einreissen lässt.
Im Angebot ist: Ska-Polka-Jazz-Doom-Metal-Blaskapellenmusik-Beromünsterfolklore-Disco-Funk-Jugo-Schweinerock-Balkangestampfe. Wunderprima alles, was da aus dieser Destilacija-Maschine sprüht, nur eines gibts in diesem Gebräu noch nicht: den Song, der einen nicht nur im Bauchfell, sondern tief im Herzen berührt, ein Lied, das einen auf den Nachhauseweg begleitet. So funktioniert Destilacija als Party-Band ganz prächtig, bis zum Studiotermin im März gibts jedoch noch einiges zu tun. Mario Batkovic wirds richten. (Der Bund)
Erstellt: 28.11.2011, 10:08 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
3 Kommentare
Ich finde Destilacja etwas wie auch den Versuch Euphorie dafür zu schüren gar zu künstlich. Für mich ist es keine Band, sondern das Projekt von ein paar Mitgliedern des Berner Musiker Kuchens um Phibe Cornu. Dass eine absolut "unbekannte" Band aus dem persönlichen Umfeld der Organisatoren einfach so einen Auftritt zu bester Zeit auf dem Güsche erhält, muss man als Vetternwirtschaft bezeichnen. Antworten
Kultur
- 06:00Wie verführe ich Menschen?
- 20:00Die Liebe gewinnt in Cannes
- 08:25Mit «Euphoria» zum Sieg
- 26.05.2012ESC: Schweden gewinnt, Engelke ermahnt
- 26.05.2012Schweizer Beitrag erhält Auszeichnung in Cannes
- 26.05.2012Tanz, Türke, tanz!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Bitte warten



