Kultur
«Ich habe Todesangst»
Aktualisiert am 13.05.2012 18 Kommentare
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Er will provozieren, doch nun muss er um sein Leben bangen: Der in Deutschland lebende Rapper Shahin Najafi ist nach der Todesdrohung eines iranischen Ajatollahs aus seiner Wohnung geflohen und lebt nun seit einigen Tagen unter Polizeischutz an einem geheimen Ort. «Das ist eine Katastrophe. Ich bin nicht Salman Rushdie, der kann auch zu Hause schreiben», sagte Najafi der deutschen «Bild am Sonntag». Er sei Künstler und müsse auf die Bühne.
Vor kurzem hatte Najafi, der seit sieben Jahren in Köln lebt, einen neuen islamkritischen Song mit dem Titel «Imam Naghi» veröffentlicht. In diesem macht er sich auch über einen Imam lustig, der seit mehr als 1100 Jahren tot ist. Der Song sei eine ironische Anlehnung an eine Facebook-Gruppe, die den Imam aus seiner Vergessenheit befreien wollte, sagte der Exil-Iraner der Zeitung. Er habe niemand beleidigen wollen.
Das sah ein iranischer Geistlicher anders - und verbreitete eine Fatwa gegen den Rapper. Der 92-jährige Grossajatollah Ali Safi Golpayegani deutete das Lied als Gotteslästerung und erklärte Najafi damit für todeswürdig.
Geflüchtet aus dem Iran
Vor sieben Jahren musste Najafi bereits aus Angst vor Verhaftung aus dem Iran fliehen. Seine Lieder wurden verboten, die Alben beschlagnahmt. Laut «tagesschau.de» werden seine Songs auf dem Schwarzmarkt gekauft oder im Internet heruntergeladen. Er gelte vielen als «iranischer Eminem».
Für You-Tube hat der Musiker eine Karikatur entworfen, die eine Moscheekuppel zeigt, allerdings in Gestalt einer Frauenbrust mit Regenbogenfahne auf der Spitze. Auch bei Facebook findet Najafi offenbar viel Zuspruch. Weit mehr als 200'000 Menschen haben den «Gefällt-Mir»- Button auf seiner Facebook-Seite angeklickt. Auch hier hat der Rapper seine Karikaturen veröffentlicht.
Rapper stellte Strafanzeige
Najafi, der seine geplante Europa-Tournee bereits absagte, stellte laut «Spiegel» Strafanzeige gegen den Geistlichen wegen Aufrufs zum Mord. Er räumte ein, anfangs habe er die Situation falsch eingeschätzt. «Ich konnte es nicht glauben. Erst als ich im Internet das Kopfgeld sah, die 100.000 Dollar, die auf mich ausgesetzt worden sind, verstand ich wirklich, das ist jetzt Ernst.» Diese Einschätzung teilt dem Magazin zufolge auch das nordrhein-westfälische Innenministerium, das die Lage für Najafi als «sehr ernst» einstufte.
Die Polizei habe ihm geraten, die Stadt zu verlassen, sagte der Musiker der «Bild am Sonntag». «Ich habe Todesangst.» Obwohl er unter Polizeischutz stehe, fühle er sich unsicher. «In der Vergangenheit hat das iranische Regime auch in Deutschland politische Morde begangen», sagte er. Er müsse jede Sekunde auf seinen Tod warten. «Ein normales Leben kann ich nicht mehr führen.»
Nichtsdestotrotz will der Rapper weiter machen: «Ich bin Musiker. Ich muss auftreten», zitierte ihn der «Spiegel». Ihm sei aber auch klar, dass er einfach aufpassen müsse.
Gegen den indisch-britischen Schriftsteller Rushdie war 1989 wegen seines Buchs «Die Satanischen Verse» eine Todes-Fatwa ausgesprochen worden. Jahrelang lebte er unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Auch wenn der Iran die Affäre 2001 für beendet erklärte, wird Rushdie bis heute von Muslimen bedroht, die das Werk für blasphemisch halten.
(dapd)
Erstellt: 13.05.2012, 16:44 Uhr
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