Heim und Weg
Von Dominik Dusek. Aktualisiert am 26.01.2012 1 Kommentar
Konzert
Turnhalle Progr Mittwoch, 1. Feb., 20.30 Uhr.
Ein bärtiger Mann sitzt in einer Hütte am Fuss des Matterhorns und bricht sein Brot. Derart urtümlich sieht das Cover der neuen CD von The Bianca Story aus Basel aus. Titel des Albums: «Coming Home». Wird hier nach Bligg die nächste Kreuzung aus Popmusik und Volkstum versucht?
So einfach ist die Sache nicht. Die Musik von The Bianca Story klingt schon fast himmelstürmend international. Geschickt eingesetzte, unverschämte Melodien prägen den Sound. Lupenreiner Pop ist das, samt tuckernden Gitarren und flotten Tempi. Dazu kommen zwei Stimmen – jene von Anna Waibel und der Bariton von Elia Rediger, der sich irgendwo zwischen Scott Walker und Matt Berninger von The National einreihen lässt. «Grosse Melodien sind eine Art Heimat», bestätigt Rediger im Gespräch. Aber es gehe auch tatsächlich um Geografie – darum, dass «es in der Easyjet-Generation nicht mehr en vogue ist, zu seinen Wurzeln zu stehen», wie Rediger trocken feststellt. Die Isländer schweben ihm als positives Beispiel für polyglottes Heimatbewusstsein vor. Er fragt: «Die Sigur Rós aus dem Engadin – wann gibts die endlich?»
Nicht für dumm verkaufen
Nun, streng musikalisch genommen besetzen auch The Bianca Story diesen Platz nicht. Aber weil sie mindestens so sehr in der Kunst- wie in der Musikszene daheim sind, agieren sie gerne spartenübergreifend à la Sigur Rós. «Coming Home» wurde bei Erscheinen gleich vier Tage lang präsentiert. Aufgeboten wurden unter anderem ihr Labelboss Tim Renner, Jürg Halter, Big Zis und der Journalist Thomas Widmer. Alle wurden angehalten, sich performativ zum Heimatbegriff zu äussern, dazu gab es noch einen «Saubannerzug» mit akustischen Instrumenten quer durch die Zürcher Kreise 4 und 5.
Ob es gelingen kann, die «Heimat nicht länger den Rechten zu überlassen», wie Elia Rediger sich das wünscht? Man wird sehen. Einem anderen Ziel, das The Bianca Story auf den Spuren David Byrnes verfolgen, ist die Band auf ihrer Platte jedenfalls schon recht nahe gekommen. «Wir wollen eingängig sein, ohne die Leute für dumm zu verkaufen.» Das trifft auf Ohrwurm-Refrains wie jenen von «Bird Rocket» ziemlich genau zu.
(Der Bund)
Erstellt: 26.01.2012, 08:47 Uhr
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