Grosse Gefühle aus dem Niemandsland
Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 22.02.2012 1 Kommentar
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«Give it back»: Sounds from Nowheresville.Video
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«Kunst» wollten sie machen, doch es wurde Müll. Ja, es ist wahr, einen Grossteil des zweiten Albums der britischen Ting Tings wird die Welt nie zu hören bekommen. «Wir waren mit unserem ersten Album zweieinhalb Jahre auf Tour», erklärt Sängerin Katie White beim Interview in Zürich. «Dann gingen wir nach Berlin. Und plötzlich waren all diese Leute um uns herum, die alle eine andere Meinung zu unseren neuen Songs hatten.» Eine verwirrende Situation, insbesondere für ein Duo, das sein erstes Album unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem ehemaligen Nachtclub bei Manchester aufgenommen hatte. «We Started Nothing» hiess jenes Wunderwerk, das die Ting Tings 2008 mit minimalistisch-elektronischem Krawallpop nach oben katapultiert hatte – auch in den USA, wo der übersteuerte Dancefloor-Stampfer «Shut Up and Let Me Go» von Steve Jobs persönlich an Land gezogen wurde. Es war das letzte Signing des Apple-Chefs.
Zunehmend melancholisch
Auf einmal sahen sich die Ting Tings von Ansprüchen umzingelt. Der Status als Indieband bröckelte, die Arbeit am Album «Kunst» wurde abgebrochen. Das Duo verliess Berlin, siedelte nach Südspanien über und kappte den Draht zur Aussenwelt. Bestärkt wurde man dabei laut Multiinstrumentalist Jules De Martino von Entdecker und Labelboss Rob Stringer: «Er sagte uns: Ich habe Millionen von Alben verkauft und muss kein Geld mehr verdienen. Also macht das Album, das ihr machen möchtet.» Jetzt ist «Sounds from Nowheresville» da. Im Titel klingt noch die kurzzeitige Orientierungslosigkeit der Band nach, musikalisch ist das Album jedoch eine klare Ansage: Weg mit dem reduzierten LoFi-Korsett, her mit den frischen Ideen. «Wir suchten etwas, das nicht nach uns klang», sagt Katie White. Und das hört man. «Nowheresville» bietet mal orchestrale Regenbogenhymnen («Silence»), mal flirrenden Hip-Hop («Hang It Up»), mal uriges Urwaldgeschunkel auf Reggaebasis («Soul Killing»), mal eine Celloballade voll abgründiger Traurigkeit («In Your Life»).
Woher aber rührt die Melancholie in der zweiten Hälfte des Albums? «Wir zwangen uns, ehrlich zu sein», sagt Jules De Martino. «Wären wir immer gut drauf, müssten wir ein Beach-Boys-Album schreiben. Wir fühlen uns aber manchmal nach Portishead.»
Ziemlich verwundbar
Kommt hinzu, dass Katie White auf «Nowheresville» nicht mehr jeden Song mit kieksigem Shouting zerhackt, sondern eine Gesangsstimme auspackt, deren Schmelz einen manchmal leer schlucken lässt. «Ich zeige mich da verwundbar», sagt White, «und ich mag das.» Wer also hinter den Ting Tings bislang sorglose Tanzmäuse vermutete, muss umdenken. Dabei waren die Anzeichen bereits auf dem Vorgängeralbum hörbar: Der Nummer-1-Hit «That’s Not My Name» war keineswegs ein unbeschwertes Gute-Laune-Sprungbrett, sondern das emotionale Trampolin einer jungen Frau, die mit ihrer eigenen Verstocktheit kämpft.
Radikal brutal
Nun, mit den «Sounds from Nowheresville», haben die Ting Tings die Tür zu ihrer eigenen Entfaltung weit aufgestossen. Sie lassen tanzbaren Pop mit Indie-Ernsthaftigkeit kollidieren und kombinieren grosse Gefühle mit Lust auf Neuland. Bleibt bloss die Frage: Was ist mit all den Songs von «Kunst» passiert? Dreieinhalb davon haben es laut Jules De Martino aufs aktuelle Album geschafft. Der Rest wurde gelöscht. «Klingt brutal», sagt Katie White, «aber es ist der einzige Weg, wie wir arbeiten können. Wir schauen nie zurück.» Hans Jürg Zinsli
(Berner Zeitung)
Erstellt: 22.02.2012, 08:44 Uhr
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1 Kommentar
The Ting Tings sind überschätzt. Das ist hohle BumBum-RiffRiff Musik ohne jeglichen Tiefgang. Schon allein die neue Single baut ja wieder auf dem gleichen Konzept auf wie der "That's not my name" auf. Das ist kein Tiefgang - das ist Belanglosigkeit. The Ting Tings waren nie gut, jetzt können sie nicht einmal mehr billige Hits schreiben. :) Antworten
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