Kultur

Martin Sturzenegger
Stv. Ressortleiter News


Groove ohne Krampf

Aktualisiert am 19.04.2012 1 Kommentar

The Loops haben ihre neue Platte unter primitivsten Umständen in einer Glarner Alphütte eingespielt. Dennoch, oder genau deshalb, ist etwas entstanden, was hierzulande selten gelingt: «Ein Album nur mit Hits.»

1/3 Nach der primitiven Berghütte ins deftige Restaurant: The Loops. (Fotos: zVg)

   

Plattentaufe am 21. April

Am 21. April taufen The Loops ihre Platte «Raw & Raked» in ihrem Studio in Winterthur. Weitere Infos auf www.theloops.com.

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Auch hier wieder Fleisch: «Jack the ripper» - eine Coverversion des verstorbenen britischen Musikers und Politikers Screaming Lord Sutch. (Quelle: Youtube.com)

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Wenn die Säge mitsingt: «King Midas».

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Eine Verneigung an den Rockabilly: «Over, down and out».

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Wenn Musiker aus ihren dunklen Studios ans Tageslicht zurückkehren, wirken sie bisweilen etwas ausgelaugt: kettenrauchende Kreaturen mit Augenrändern, gezeichnet von endlosen Aufnahmesessions, auf kreative Weise ausgepumpt.

Nicht so Claudio Landolt, Sänger von der Winterthurer Band The Loops. Als der 27-Jährige in diesem Frühjahr den Aufnahmeraum verlässt, sieht er aus wie nach einem Aufenthalt in einem Schweizer Kurhotel. Und das ist gar nicht mal so weit hergeholt: «Wir flüchteten aus der Zivilisation und haben uns in den Bergen verschanzt», sagt Landolt. Drei Tage und Nächte in einer Glarner Berghütte, ohne Strom und fliessend Wasser, dafür mit einem Suzuki-Generator und einem mobilen Studio im Miniformat. Entstanden ist «Raw & Raked» – das dritte Album von The Loops. Eine Platte, die gespickt ist mit kleinen, aber feinen Einfällen, die nach jedem Hördurchgang noch ein bisschen besser werden. «Ein Grower», wie der gemeine Musiknerd sagen würde, oder ein Album «nur mit Hits», wie Landolt gleich selbst anfügt.

Neue Nonchalance

Auch wenn sich die fünf Musiker gerne mit Tiermasken tarnen: Das neue Selbstbewusstsein steht ihnen gut zu Gesicht. Als sie im Jahr 2006 ihr Debüt veröffentlichten, huldigten sie noch einer Mischung aus groovendem Funk und Rock. Was live funktionierte, entleerte sich auf dem Album in gepflegter Langeweile. Drei Jahre später folgte mit Landolt ein neuer Sänger und zugleich ein radikaler Stilwechsel: Aus Funk wurde Rock und mit «But the Birds»wurde ein Album veröffentlicht, das sich an grossen Klängen des 70er-Bombast-Rocks orientierte. Überaus ambitioniert, aber noch ohne die unwiderstehliche Nonchalance, welche die Band im Jahr 2012 auszeichnet.

Ein Blogger fasst es auf dem Schweizer Musikportal Mx3 gut zusammen: «Endlich mal eine Schweizer Band, die den Groove ohne Krampf hinkriegt.» «Raw & Raked» überzeugt durch Witz, Spielfreude und vor allem Melodie. Hinter der rauen Produktion verbergen sich nicht selten ausgefeilte Ohrwürmer im Drei-Minuten-Format. «Guess You Wouldn't Like Me» mit seinen luftigen Folkanleihen oder das sich im Refrain entladende Gute-Laune-Lied «Fare Thee Well» gehören zu den heimlichen Favoriten.

Konzentration auf die Musik

Landolt, der nebenbei auch noch die eine Hälfte des durchgeknallten Live-Spektakels Captain Moustache & Fredo Ignazio stellt, konzentriert sich bei The Loops ausschliesslich auf die Musik. Experimente sind zwar vorhanden, dienen jedoch dem Song und niemals nur der Show. Da wäre beispielsweise die famose Rockabilly-Verneigung «Over, Down and Out», die mit einer psychedelischen Blaupause in der Mitte des Songs tief durchatmet, oder der zunächst offensichtliche Radiohit «Get Lost», der von einem fiesen Blockflöten-Solo durchbrochen wird. Das hat die kleine Schwester letzte Weihnacht auch nicht besser hingekriegt.

Nach knapp 45 Minuten endet die Platte mit dem charmanten Rausschmeisser «Someday» und man ruft sich Landolts Aussage in Erinnerung: «Ein Album nur mit Hits.» Wirklich? Ein glitzerndes Hitparaden-Spektakel à la Coldplay ist «Raw & Raked» sicherlich nicht geworden. Viel eher eine Aneinanderreihung schmissiger Kleinode, wie es etwa die Kinks in den 60er-Jahren vornehmlich hinkriegten. Musik, die Spass macht.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2012, 16:33 Uhr

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1 Kommentar

Ludmila Ruckova

19.04.2012, 17:49 Uhr
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Fantastischer Artikel, da läuft einem der Schmalz in den Ohren zusammen. Und das Beste: Er hat Recht, der Herr Sturzenegger. Antworten



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