Kultur

Gölä kam im Gondeli

Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 05.09.2011 1 Kommentar

Gölä in der Thun-Arena, das ist wie Cäsar im Senat: eine Einmannshow mit viel Geplauder, grosser Einstimmigkeit und hohem Unterhaltungswert.

1/9 Mit einem Gondeli schwebt Gölä, gehüllt in einen schwarzen Ledermantel, den Cowboyhut tief in die Stirn gezogen, in seiner ganzen Pracht und Entschlossenheit auf die Bühne der Thun Arena.
Bild: Keystone

   

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Teufel noch eins! «Show» ist ja überhaupt kein Ausdruck. Es ist ein Inferno von biblischen Ausmassen, das Gölä in dieser denkwürdigen Samstagnacht über die nigelnagelneue Thun-Arena bringt. Feuerwerk, heulende Stromgitarren, chromstählerne Flugobjekte, strohblonde, wespentaillierte Rockerbräute, zotige Sprüche, Florian Ast - alles, wirklich alles, was das allgemeine Geschmacksempfinden herausfordert, findet hier zusammen.

Und so bekommen am Schluss alle, worauf sie gehofft hatten: Die 20'000 Gäste erleben eine in ihrem Brutalismus unvergessliche Darbietung. Die Besitzer der Thun-Arena werden mit jenen emotionsschwangeren Bildern versorgt, die sie zur Bewerbung ihres eher kühlschrankartigen Sichtbetonpalastes benötigen. Und Gölä erhält jene Streicheleinheiten, die er mit gewisser Regelmässigkeit braucht, um nicht unflätig zu werden oder sonst wie unüberlegte Dinge zu tun, etwa auswandern oder fremdsprachige Texte schreiben.

Prima Vorprogramm

Schon das Vorprogramm ist prima. Erst gibt der Thuner Bluesfachmann Philipp Fankhauser ein routiniertes Heimspiel. Dann setzt sich ein rüstiger Hanery Amann ans Piano, später gesellt sich Polo Hofer dazu, und gemeinsam schweifen die beiden Doyens des Alpenrocks dann sehr ungezwungen durch ihre lange Vergangenheit: Jeder lässt dem anderen gerne den Vortritt, die Strophen ihrer Hits teilen sie sich brüderlich. Zwischen den Songs kramt Polo in immer dunstigeren Erinnerungen. Hanery wiederum holt Polo jeweils mit einem dezenten Räuspern ins Jetzt zurück, wenn es weitergehen soll. Ein rührendes Konzert.

Und dann, kurz vor 21 Uhr, kreist plötzlich dieser Hubschrauber über der in Dunkelheit liegenden Thun-Arena. Die Rotoren knallen wie Sturmgewehre - ratatatata. Ein Suchscheinwerfer wandert gefährlich über das Publikum, da entzündet sich plötzlich ein gleissender Funkenregen. Die brennenden Flügel des Ikarus? Eine Cruise-Missile? Nein, die wahrscheinlich erste Pyro-Show im Thuner Fussballstadion.

Im Gondeli steht er

Dieser Hubschrauber landet dann tatsächlich in der Arena, jedoch hinter der Bühne, wo ein zweites Manöver beginnt: Ein Teleskop-Fahrzeugkran der Frutiger AG hebt ein chromstählernes Gondeli in den schwarzen Himmel. Und in diesem Gondeli steht er, gehüllt in einen schwarzen Ledermantel, den Cowboyhut tief in die Stirn gezogen, Gölä, in seiner ganzen Pracht und Entschlossenheit. Auf der Bühne gelandet reckt er seine Arme in die Höhe, wie Cäsar im Senat. Das Publikum ist ausser sich. Vier junge Männer mit nacktem Oberkörper stimmen, vor lauter Überwältigung auf ihre urnatürlichen Reflexe zurückgeworfen, «S’Oberland isch schön» an. Und man ist sich nun schon ziemlich sicher, dass hier gleich die Hölle losbricht.

Es ist dann doch nur das Lumpeliedli «Gib mer chli Musig», dem über eindreiviertel Stunden weitere, verkuschelte Schlagerrocknummern folgen. Jedes Stück wird von einer ausgedehnten Ansage eingeleitet, in welcher Zeremonienmeister Gölä mal auf seine Zeit auf dem Bau zurückblickt, mal auf die dummen Kritiker schimpft oder irgendeine derb-anzügliche Eingebung verbreiten muss. Ein bisschen verplaudert ist dieses Konzert also schon. Aber zum Glück gab es da ja noch das Feuerwerk und den Hubschrauber und - natürlich - den «Schwan», und wer solche Trümpfe in Hand hält, kann zwischendurch ohne Sorge auch mal tiefere Karten spielen. (Der Bund)

Erstellt: 05.09.2011, 06:57 Uhr

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1 Kommentar

Blanchard Beatrix

05.09.2011, 11:03 Uhr
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...und nicht zu vergessen ein ganz grossartiger und toller Marc Trauffer mit seiner Band, der es auch sichtlich genoss, vor so grossem Publikum zu spielen!!!!! Antworten



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