Kultur

Galoppierende Unbekümmertheit

Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 02.02.2012

Das einstige Fräuleinwunder der Schweizer Musikszene ist zum gemischten Ensemble und zur erfrischenden Punk-Pop-Band gewachsen. Die Delilahs präsentieren ihr zweites Album.

Seit jeher im Aufbruch: Die Delilahs um die Frontfrauen Muriel Rhyner (links) und Isabelle Eder.

Seit jeher im Aufbruch: Die Delilahs um die Frontfrauen Muriel Rhyner (links) und Isabelle Eder.
Bild: Tabea Hüberli/zvg

Konzert

ISC Freitag, 3. Februar, 22 Uhr. Support: Slag In Cullet.

Der Auftakt ist furios, und die Delilahs haben ja auch wahrlich einigen Grund, mit der Welt zu hadern: «Another show / a b-movie story / . . . Oh no, not again / . . . a tour to plan / another drummer gone», heisst es im Opener des neuen Tonwerks «Greetings From Gardentown» etwas hysterisch, dazu gibts mit jungedamenpunkiger Vehemenz einen aufs Trommelfell.

Ach ja, die Delilahs. Keinen Beitrag gibt es über sie, in dem nicht ihre im Jahr 2005 beginnende Geschichte aufgerollt wird. Jene Story, die sie zur wohl einzigen Band der Welt gemacht hat, die sich darüber beschwert, zu früh entdeckt worden zu sein.

An den Erwartungen geknickt

Die Ausgangslage dieser vermeintlichen Bürde: ein schaffiger Manager, frühe Auslandreisen, frühe Festivalauftritte, früh in allen Medien – und ebenso früh etablierte sich landläufig die Meinung, dass der ganze Rummel um die Band reichlich übertrieben sei.

Die Band konnte den Erwartungen nicht standhalten, es wurden Tonaufnahmen zurückgezogen, Manager gefeuert, es gab personelle Umwälzungen im Bandgefüge, man verschwendete viel Energie mit dem Erklären, was schiefgelaufen sei, und man mutierte von der Damenriege zum gemischten Chor. Neben die beiden Gründerdamen an Gitarre und Frontmikrofon haben sich der Berner Schlagzeuger Daniel Fischer und ein zweiter Gitarrist gesellt.«‹Greetings From Gardentown› ist die Platte, die wir schon vor sechs Jahren hätten herausbringen sollen», sagen die Delilahs nun, und recht haben sie. Trotz aller Strapazen der Vergangenheit wirken die Delilahs auf ihrem Zweitling frisch wie aus der Gebärmutter gepellt. Nicht in allen, aber in manchen Songs sind sie noch immer zu vernehmen, der Furor und die galoppierende Unbekümmertheit der Anfangszeit. Und dort, wo dieses Konglomerat sich mit ohrwurmigen Refrains vermengt (zum Beispiel im herzerfrischenden «Heroes in Heels»), da zeigt sich das ganze Potenzial dieser Band aus dem behaglichen Zug.

Von hier aus grüssen sie denn auch: «Gardentown» meint das hübsch begrünte Quartier Gartenstadt in Zug, in dem man vieles vermuten würde, bloss keine subversiven Kräfte. Die Delilahs besitzen diese Energie noch immer, auch wenn aus ihnen längst punkende Hit-Schreiber geworden sind.

Seit je im Aufbruch begriffen: Die Delilahs um die Frontfrauen Muriel Rhyner (links) und Isabella Eder. Foto: Tabea Hüberli/zvg (Der Bund)

Erstellt: 02.02.2012, 09:11 Uhr

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