Funkenflug statt Feuerwerk mit Lunik

Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 12.03.2010

Die Berner Pop-Melodramatiker Lunik haben sich zum Tourneestart im Berner Bierhübeli an ihre Bühnenform herangetastet.

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Schwierige Sache, so ein Tourneestart. Jeder im Publikum hofft auf ein Feuerwerk, weil es ja schon so lange her ist seit dem letzten Mal. Ein Feuerwerk gibt es aber meist doch nicht, weil es für die Künstler ja auch schon so lange her ist seit dem letzten Mal. Immerhin zu einem ansprechenden Funkenflug bringen es die Berner Popexperten Lunik am Mittwochabend im Bierhübeli. Und irgendwie ist das dann doch wieder sehr viel mehr, als man erwarten durfte. Aber jetzt von vorne.

Von traurig zu sehr traurig

Es ist ein schwerblütiges Album, das Lunik im Februar veröffentlicht haben. «Small Lights in the Dark» lautet der Titel, nachdenklich bis tiefbetrübt sind die Songs, und ergreifend schön ist das, was Sängerin Jaël Krebs in den 45 Minuten mit ihrem Stimmorgan anstellt.

Im Bierhübeli ist zunächst fast noch besser, was sie zwischen den Songs darbietet. Nach den ersten sechs Stücken, die sich im Gestrüpp der an sie gestellten Ansprüche noch ein bisschen steif ausnahmen, meint Jaël: «So, das war jetzt der Teil mit den traurigen Songs – jetzt kommen wir zu den sehr traurigen.» Das ist nicht nur eine kokette, sondern auch eine wichtige Differenzierung. Zumal für eine Band, die von sich behaupten kann, alle erdenklichen Schattierungen der emotionalen Dunkelheit zu vertonen.

Die fiesen Kleinigkeiten

Mit der Ironie der Frontfrau (und ihrem ersten Garderobenwechsel) löst sich nun auch die Anspannung der Band um Gitarrist Luk Zimmermann, und beim nachfolgenden Stück «Set You Free» wirkt dieser Auftritt dann erstmals nicht mehr einstudiert, sondern erfreulich spontan.

Nur hat man bald das Gefühl, dass die Band ihrer eigenen Spielfreude nicht so ganz über den Weg traut. So einfach kann das ja auch nicht sein, immerhin ist Tourneestart. Und schon ist aus dem leichten Musizieren wieder eine schwere Schufterei geworden. Plötzlich klebt der Rhythmus, Bass und Piano verlegen sich auf eine defensivere Spielweise, und Sängerin Jaël wird abgelenkt vom In-Ear-Kopfhörer, ihrem Schuhwerk und anderen fiesen Kleinigkeiten.

Fliegende Funken

So tasten sich Lunik an ihre Bühnenform heran, und wenn sie sie gerade wieder gefunden haben, etwa mit dem erdenschön vorgetragenen «Born to Be Sad», erschrecken alle und schon ist sie wieder dahin, die Leichtigkeit. Erst bei den Zugaben verflüchtigen sich die Zweifel, finden Lunik zu jener Ruhe, die sie zwei Stunden lang umkreisten. Da fliegen dann plötzlich die Funken, da ist alles sehr leicht, sehr schön und sehr Pop.

Und auch wenn dieser Höhenflug nur wenige Minuten dauert, so ist das eigentlich schon allerhand. Immerhin ist Tourneestart. (Der Bund)

Erstellt: 12.03.2010, 09:30 Uhr

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